Freitag, 30. Juni 2017

Fundstück aus den Vaticanischen Gärten

Gefunden haben wir den Bericht von Robert Moynihan, dem Direktor von "Inside the Vatican" über seinen Besuch beim Papa emeritus bei BenoîtXVI-et-moi. (Merci beaucoup!)
Hier geht´s zum Original: klicken

                         "IN DEN GÄRTEN"
Robert Moynihan, Direktor von Inside-the.Vatican erzählt mit vielen Emotionen von seiner Begegnung mit dem Papa emeritus in den Vaticanischen Gärten am 26. Juni.

"Seit meiner letzten Begegnung mit dem Papa emeritus Benedikt XVI sind viele Jahre vergangen.
Gestern am 26. Juni um 19 Uhr habe ich ihn privat in den Vaticanischen Gärten getroffen.
Vor ein oder zwei Jahren hatte ich gefragt, ob ich Benedikt während einiger Augenblicke sehen könne, weil ich ihn in den 90-er Jahren mehrmals interviewt hatte und oft mit ihm im Borgo spazieren gegangen bin und er hat meine Dissertation gelesen.

 

Sein persönlicher Sekretär, Erzbischof Georg Gänswein, hatte mir im April- um Ostern herum- gesagt, daß Benedikt XVI ein wenig erkältet sei und daß es jetzt nicht möglich sei, daß er aber ein Datum für Juni vorsehen werde. Dieser Termin war gestern. 
Wir haben uns in der Nähe der Lourdes-Grotte -auch bekannt als Grotta della Madonna di Lourdes- ganz oben im Vatican getroffen.
Benedikt XVI und sein Sekretär gehen jeden Abend zur Grotte, um gemeinsam den Rosenkranz zu beten. Sie sitzen auf einer Bank -Seite an Seite- betend und antwortend.
Freunde des 90-jährigen emeritierten Papstes werden gelegentlich eingeladen, Papst Benedikt XVI am Ende des Rosenkranzes zu begrüßen, manchmal nur für einige Sekunden, manchmal länger. Meine Begegnung mit Benedikt XVI und Erzbischof Gänswein hat ungefähr 12 Minuten gedauert.
"-Wann hat unsere letzte Begegnung stattgefunden?" hat Benedikt XVI mich gefragt, als ich mich ihm näherte. 
"-Das ist jetzt viele Jahre her" habe ich ihm gesagt, "Während des öffentlichgen Konzertes mit russischer Musik in der Aula Paul VI im Mai 2010. Das ist mehr als 7 Jahre her" (das Konzert fand am 20. Mai 2010 statt)
"-Ja, ich erinnere mich", sagte er auf italienisch.


-Ich habe sofort gesehen, wie die Zeit gearbeitet hat. Er war kleiner als vorher, fragiler. Aber seine Augen strahlten immer Erkennen und Intelligenz aus. Ich habe sofort verstanden, daß es Zeit war, über nichts anderes als über persönliche Fragen zu sprechen.
Ich war gekommen, um einige Geschenke zu bringen und einen Segen zu empfangen, nicht mehr. Seine Augen waren klar, er erkannte mich wieder.
"-Ich bringe die Grüße meines Vaters, der gerade 91 geworden ist" sagte ich
"-Ah! Wie geht es ihm, geht es ihm gut?"
"-Gut"-habe ich gesagt,"Sehr gut. Und ich habe ein spezielles Projekt, ich arbeite zur Zeit an etwas, das Sie und ihn gleichzeitig betrifft."
Ich habe aus meiner Computertasche das Exemplar meines Vaters des von Joseph Ratzinger im Jahr 2000 vollendeten "Der Geist der Liturgie" geholt und habe ihm die Randnotizen gezeigt.

"-Er hat Ihr Buch wieder und wieder gelesen und jetzt lese ich es wieder und wieder, ich hoffe, einen eigenen Kommentar zu produzieren."

Er hat den Kopf angehoben, mehrere Seiten umgeblättert, dann seine Hand auf das Buch gelegt-wie zu einer Segnung- und Danke gesagt.

"-Ich habe hier auch eine Sonderausgabe unseres Magazins Inside the Vatican, zur Feier Ihres 90. Geburtstages im April."

Ich habe in meiner Tasche gewühlt und ihm ein Exemplar der ihm gewidmeten Spezialausgabe gegeben
Er hat es geöffnet und geblättert. Er hat dann aufgehört, um die Fotos der vier Theologen auf Seite 45 anzusehen. Die Legende dazu lautet : "Einige der Denker, die das Denken Joseph Ratzingers beeinflußt haben: Romano Guardini, John Henry Newman, Henri de Lubac, Hans Urs von Balthasar"

Er hat auf das erste Foto gezeigt und zu Erzbischof Gänswein gesagt: "Guardini..." und hat einige Sekunden über die Fotos nachgedacht.

"Ich komme gerade aus England" habe ich ihm erzählt, "Wir haben Littlemore besucht, wo Newman in die Kirche aufgenommen wurde und die Zelle, in der der Hl.Thomas Morus gefangen gehalten wurde. Und ich werde nächste Woche in die Ukraine und nach Rußland fahren...."

Er hat die Augenbrauen gehoben

"Wir versuchen, die Freundschaft mit unseren Orthodoxen Brüdern zu festigen" habe ich ihm gesagt.

Und ich habe wieder in meiner Tasche gesucht:

"Hier eine kleine russisch-orthodoxe Ikone von Johannes dem Täufer, die ich von unserer letzten Reise nach Rußland mitgebracht habe. Ich weiß, daß Sie vielleicht keinen Platz für sie haben, aber ich wollte sie Ihnen schenken...

"Wen wollen Sie während dieser Reise treffen?" hat er gefragt.

"Metropolit Hilarion, vielleicht eine kurze Begegnung mit dem Patriarchen Kyrill und dann mit vielen anderen, vielen einfachen Gläubigen", habe ich ihm geantwortet.

"-Ah! Kennen Sie Kyrill?

"Wir haben zusammen eine Woche bei einem Kongress in Wien zusammen verbracht. Ich kenne ihn nicht gut, aber wir haben diese Tage damit verbracht, bei dem Kongress "Europa eine Seele geben" zusammen zu arbeiten, den Kardinal Schönborn organisiert hatte".

Er hob den Kopf

"Und im letzten Sommer sind wir auch nach Bayern gereist, zu den Orten Ihrer Kindheit, Marktl am Inn, Traunstein, Tittmoning, Altötting, Freising. Und in Regensburg haben wir auch Ihren Bruder Georg und Rupert Berger getroffen. Viele Pilger wollen Ihren Spuren folgen und die Orte Ihres Lebens besuchen...

"Was ich sagen will", sagte ich ihm- "ist daß ich Ihnen die Grüße und besten Wünsche und GEbete aller die mit mir zusammen arbeiten bringe und von allen, die mit uns gepilgert sind, von den Philippinen, Argentinien, den USA und aus Kanada. So viele von ihnen haben-als sie ihre Schriften und Reden gelesen haben. gesagt, daß sie Ihre Schriften lieben und für Sie beten und möchten, daß Sie wissen, daß sie Ihnen ihre Liebe schicken.

"Vielen Dank an alle" sagte er und lächelte

"Und können wir einen Segen für unsere Arbeit bekommen? Und auch für meine Söhne Christopher und Luc? 

"Ja," sagte er. "Ich erinnere mich an Christopher als er ein kleiner Junge war."

Und er hat die Hand gehoben und den Segen gesprochen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Ich bin mit dem Gefühl aufgebrochen, daß eine anderer Teil meines Lebens seine Vollendung gefunden hat. Auch wenn der Papa emeritus alt ist, seine Kräfte nachlassen, haben wir von ihm immer noch, was das Wichtigste isrt und das ist sein fortwährendes Gebet für die Kirche und für uns. Jeden Tag betet er zwischen 18:30 und 19:00 Uhr den Rosenkranz. Sie können Ihr Gebet mit dem seinen vereinen, wenn sie in der Zeit beten.

Auf diese Weise ist das, was heute in unserer Kirche und in unserer Welt getan werden muß, ebenso unsere Aufgabe wie seine- vereint im Gebet."
Quelle: BenoîtXVI-et-moi, R. Moynihan, Inside-the-Vatican

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