Dienstag, 27. Juni 2017

Litauen und die ganze Kirche haben einen neuen Seligen: Pater Teofilo Matulionis

Stefano Magni berichtet  bei La Nuova Bussola Quotidiana über die Seligsprechung des litauischen Märtyrers in Vilnius und stellt uns ihn und seine Lebensgeschichte vor.
Hier geht´s zum Original: klicken
(Wir hatten den Beitrag versehentlich schon freigeschaltet, bevor er fertig war. Dafür bitten wir um Nachsicht!)


    "MARULIONIS, DER SELIGE DER DAS MARTYRIUM LITAUENS ERLEBTE"

"Das kleine Litauen hat seinen ersten seligen Märtyrer. Es ist Teofilo Matulionis, der gestern in einer öffentlichen Zeremonie in Vilnius selig gesprochen wurde- in Gegenwart der Präsidentin Dalia Grybauskaite und cirka 30.000 Einwohnern und Pilgern aus ganz Osteuropa.
Das Leben von Matulionis, der große Teile seines Lebens weit von seinem litauischen Vaterland entfernt verbrachte-in ausländischen Diözesen aber vor allem während langer Perioden in Gefängnissen und Konzentrationslagern, ist die Summe des Leidens eines von einem atheistischen Regimes deportierten, exilierten Volkes.

1873 in Kudoriskis geboren, als Litauen noch Teil des russischen Zarenreiches war, wurde Matulionis 1900 zum Priester geweiht. Während seines Studiums im Seminar und der kurzen Zeit als Lehrender lernte er Russisch, Polnisch und Lettisch, um besser mit seinen Gläubigen in einem multiethnischen und vielsprachigen Reich, das Rußland damals war, kommunizieren zu können.
Seine erste Pfarrei war in Latgalia (dem russischen Teil Lettlands) bevor er nach Sankt Petersburg versetzt wurde, der damaligen zaristischen Hauptstadt.

Dann kam der Große Krieg, die Februarrevolution von 1917 und schließlich der bolschewistische Staatsstreich, der im folgenden November zur Errichtung des kommunistischen Regimes führte. Litauen erklärte wenige Monate später, am 16. Februar 1918, seine Unabhängigkeit.
Aber Pater Matulionis blieb in Rußland, das damals von einem äußerst harten Bürgerkrieg zerrissen wurde, wo auf der einen Seite die Bolschewisten und auf der anderern Seite alle antikommunistischen Kräfte standen (von revolutionären Sozialisten bis zu Zaristen).
1921- nachdem die letzten inneren Tumulte erstickt und die antikommunistischen Waffen geschlagen waren, erschien es klar, daß der Kommunismus seinen Staatsatheismus durchgesetzt hatte.
Nur zwei Jahre später-1923- klopfte der Verfolger auch an die Tür der Pfarrei des Unbefleckten Herzens Jesu in Sankt Petersburg: Matulionis wurde aufgefordert seine  Zustimmung zur Beschlagnahme der Kirche zu unterschreiben. Das war ein Vorschlag, den er nicht ablehnen durfte, aber er tat es trotzdem. Er wurde zum ersten mal für 3 Jahre gefangen genommen.




Am 28. Dezember 1928 wurde er im Geheimen mit der Zustimmung Papst Pius´  XI zum Bischof der gerade gegründeten Diözese Matrega (die die Ukraine südlich von der Krim umfaßt) und zum Co-Adjutor des Apostolischen Administrators von Leningrad (der neue Name, der St. Petersburg gegeben wurde) ernannt.
Am 9. Februar 1929 empfing er (immer noch heimlich) die Bischofsweihe.
Das entging der politischen Polizei Stalins nicht.  Nachdem er im November 1929 verhaftet worden war, wurde Matulionis in den Gulag der Solovki-Inseln, am Polarkreis geschickt.
Allerhärtestes Klima, Folter und Zwangsarbeit schwächten die Gesundheit des Bischofs.  Aber nicht seinen Glauben,
Mit dem wenigen  Brot, das er sammeln konnte, feierte er mitten in der Nacht die Eucharistie mit den katholischen Gefangenen. In der höllischen Umgebung des stalinistischen Gulags bemerkten die Gefängnisaufseher seine Aktivitäten bald und die Behörden beschlossen 1933, ihn nach Leningrad in Einzelhaft zu verlegen. In diesem Fall erwies sich sein Ursprungsland als nützlich: durch einen Gefangenenaustausch gelang es Litauen, Msgr. Matulionis zu repatriieren.

Wieder frei in seinem Land, konnte er die wenigen heiteren Jahres seines Lebens leben. Er konnte in die USA und den Mittleren Orient reisen, wo er Kairo und Jerusalem besuchte. 1934 wurde er von Pius XI in Audienz empfangen, der Bewunderung und Dankbarkeit für seine Stärke ausdrückte. Wenige Jahre später ereignete sich die wahre Tragödie: das Ende der litauischen Unabhängigkeit während des Zweiten Weltkrieges.
Msgr. Matulionis war in sein Ursprungsland zurückgekehrt und wurde in der Zeit, in der Litauen im Juni 1940 die russische Invasion erlitt, zum Weihbischof von Kaunas und obersten Kaplan ernannt. Mit dem Ribbentrop-Molotow-Pakt annektierte die UdSSR de facto die drei baltischen Staaten und Ostpolen, während die Deutschen Westpolen besetzten.
Nachdem Litauen einmal erobert war, begann sofort die Verfolgung der Priester, Bischöfe und aller Mitglieder katholischer Bewegungen, um nicht nur die Kirche zu unterdrücken sondern auch ihre zutiefst katholische nationale Identität.
Hier erlebte der neue Bischof von Kaunas das gleiche Schicksal wie sein Land: eingekerkert von den Sowjets, dann während der deutschen Invasion befreit, aber ab 1941 wegen des von den Nazis sofort installierten Besatzungsregimes wieder in den Untergrund zurück gekehrt.
1943 wurde er- immer noch heimlich- zum Bischof von Kaisiadorys ernannt.
Kaum ein Jahr später, 1944, kehrten die Sowjets zurück und "befreiten" das Land von den Nazis und verhafteten jetzt alle, denen es gelungen war, ihnen während der ersten Verhaftungswelle  zu entkommen. 1945 wurde Matulionis zu 7 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er hat sich von dieser Erfahrung nie wieder richtig erholt, physisch angegriffen- aber nie im Glauben.

Als er in seine Diözese in Kaisyadoris zurückkehrte, hatte sich in Litauen die Kälte des Staatsatheismus ausgebreitet. Als Institution wurde die Katholische Kirche offiziell toleriert.
Aber ihre Aktivitäten wurden unterdrückt und sie wurde auf jede erdenkliche Weise gedemütigt.
Die Kirchen wurden requiriert, zerstört oder bewahrt, um in ;Magazine verwandelt zu werden, Oder in "Museen des Atheismus", um dem Volk den Obskurantismus der Religion, die das wunderbare, progressive Schicksal des Sozialismus zu zeigen, wie es z.B. mit der Kirche St. Kasimir (Patron Litauens) in Vilnius geschah.
In dieser dunklen Periode drängte Msgr. Matulionis diözesane Administratoren und Priester niemals Kompromisse mit dem Regime einzugehen. Weihnachten 1957 weihte er in einer kleinen Küche Bischof Vincentas Sladkevius . Das kommunistische Regime machte ihn zunächst wegen der Bescheidenheit der Zeremonie lächerlich und als es sah, daß der Bischof sich nicht einschüchtern ließ. und auf jeden Versuch, ihn zu verhöhnen, in gleichem Ton antwortete, verurteilten sie ihn zu Isolation in Seduva, im Norden Litauens. Trotz des Versuchs ihn vom Rest der Welt fernzuhalten, verlieh ihm Papst Johannes XXIII 1962 die Würde eines Erzbischofs.
Im selben Jahr, starb Msgr. Teofilo Matulionis am 20, August während einer besonders harten Vernehmung unter mysteriösen Umständen.
Erst 1999 enthüllte eine Untersuchung seiner Leiche, daß er vergiftet wurde,

"Martyrium propter aerumnas carceris significa" daß der Tod durch Leiden während der Kerkerhaft verursacht wurde. Die langen und schmerzlichen Aufennthalte in Gefängnissen, in Konzentrationslagern, erzwungenen Wohnorten  haben das gesamte Leben des Seligen durchzogen und -haben nach und  nach die starke Fasern seines Priester- und Hirte-Seins  sagt bei Radio Vat ican
Kardinal angelo Amato, Präfekt der Heilgsprechungskongregation.
Aber die Entbehrungen und die Folter haben seiner Gesundheit geschadet.
In dieser Periode der Dunkelheit des rechten Gewissens gab es keinerlei rationale Rechtfertigung für die Feindseligkeiten der Nazis und Kommunisten. Sie waren nur die Frucht des Hasses gegen das Evangelium Jesu und die Kirche." 
Wie Kardinal Amato unterstreicht: "Es war die Gnade Christi die ihm die Kraft und den Mut dem Glauben treu zu bleiben gab. Diese Loyalität zum Evangelium und das Zeugnis vieler, die in ihm einen "wahren Mann Gottes" und einen "Heiligen" sahen.
Im Konzentrationslager hat er als Priester gehandelt, fromm und gelassen, ganz der Göttlichgen Vorsehung hingegeben. Die Verfolger waren sich seines Heorismus bewußt. 
Als z.B. der russische Kommandant von seinem Tod hörte, rief er aus "Erwar wirklich ein Mensch".
Auch der für das sowjetische Unterdrückungssystem Verantwortliche sagte besorgt: "Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Vatican ihn in Zukunft für heilig erklärt und in diesem Fall wird sein Grab eine Pilgerstätte werden."
Eine Prognose, die sich vollkommen bewahrheitet hat."

Quelle: La Nuova Bussola Quotidiana,  Stefano Magni

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