Mittwoch, 28. Juni 2017

Neues zum überraschenden Rücktritt des Revisors der Vatican-Bank.

Marco Tosatti kommentiert bei Stilum Curiae die unvorhergesehene Demission des Revisors der Vatican-Bank Miloni und hat Ettore Gotti Tedeschi dazu befragt.
Hier geht´s zum Original: klicken

"DER FALL MILONE. GOTTI TEDESCHI: DER WILLE, DIE PROBLEME NICHT ZU LÖSEN UND DIE MANGELNDE TRANSPARENZ. DA LIEGT DAS GIFT...."

Der plötzliche und unvorhergesehene Rücktritt des Vatican-Revisors, Milone, haben eine Reihe von Fragen aufgeworfen, die bis jetzt unbeantwortet geblieben sind. Aber sie hängen an einer Geschichte, die seit Jahrzehnten stürmisch erscheint, die der Vatican-Finanzen. Die Ehe zwischen Geld und Glaube hat Skandale, Probleme und Schwierigkeiten hervorgerufen. 
Wir haben Ettore Gotti Tedeschi gebeten einige Fragen zu dieser bedrückenden Frage zu beantworten. 

Frage: 
"Jemand hat von einem Fluch, der den trifft, der sich um die Vatian-Finanzen kümmert, Ist da  was Wahres dran? Und wo ist das Gift?"

Antwort Gotti Tedeschi:
"Um eine komplexe Situation zu lösen, bevor man Prognosen abgibt, muß man sicher sein, eine gute und korrekte Diagnose gestellt zu haben. Wenn Sie nicht die Ursachen eines Problems untersuchen, wird es schwer zu beheben sein. Sie werden damit fortfahren, die Personen auszutauschen (ohne ihnen zu erlauben die Dinge zu bereinigen) und solche zu suchen, denen das wunderbarerweise gelingt. 
Denn die Wunder werden nicht von normalen Sterblichen vollbracht, das passiert normalerweise nicht, deshalb schreit man: "das ist ein Fluch" der auf den Vatican-Finanzen liegt. 
Nicht mal im Traum! Es gibt nur eine Gewißheit: den Nicht-Willen die wahren und realen Gründe der bestehenden Probleme zu lösen. Da liegt das "Gift",. 
Von da bis zum Geschwätz, das in der Presse von verschiedenen Kommunikatoren verbreitet wird, das in unterschiedlichem Stil aufeinander folgt, wird die Erklärung der Grundprobleme für diesen Fluch in den kommenden Jahrhunderten weitergehen (und es wird solange nicht exorziert, solange die nötige Ordnung nicht wieder hergestellt wird) wegen der Nichtumsetzung (im Wechsel) des von Benedikt XVI von ihm Ende 2010 unterschriebenen motu proprio gewollten Transparenzprozess."

"Und worin bestand dieser besagte Prozess der Transparenz?"

"Vom berühmten Attentat auf die Zwillingstürme in New York vom 11. September 2001 an, sind die internationalen Normen für Transparenz beim Management finanzieller Aktivitäten sehr viel strenger geworden, nicht nur um der Geldwäsche zu begegnen sondern auch der daraus folgenden Finanzierung des Terrorismus. Von da an sind alle "Finanz.und- Devisenparadiese" verschwunden und die Regeln der Transparenz wurden immer komplexer.
Die hätten offensichtlich auch für die  Vermögenswerte des Heiligen Stuhls gegolten, obwohl die im Prinzip für religiöse Werke bestimmt sind. 
Aber Seine Heiligkeit Benedikt XVI hat sofort verstanden. daß die Akzeptanz dieser Normen die Anerkennung Internationaler Transparenzregeln - nötig und nützlich- eine wahre Öffnung zu einer Form von Verträgen mit der Finanzwelt bedeuten würde. 
Und nicht nur, es war Benedikt klar, daß die Glaubwürdigkeit des Papstes und der Kirche ein größerer Werte für das Ansehen wäre,  damit die besagten Transparenznormen gehört und geglaubt würden.  Er wollte, daß sie beispielhaft sein sollten, besonders für die anderen Länder.
Worin besteht ein finanzieller Transparenzprozess? 
Er besteht aus einem Gesetzes-system,  das ihn regelt, gemeinsam mit Prozeduren zur praktischen Durchführung der Gesetze, mehr ein Kontrollsystem, das sowohl im Inneren als auch außerhalb.die Anwendung garantiert.
Und so war es 2010 und 2011. Aber sofort danach (zwischen Ende 2011 und Anfang 2012) wurde das mysteriöserweise geändert. Und seither gibt es für keinen mehr Frieden. Umso weniger für den armen Papst Franziskus, der um sich der Komplexität und der Risiken bewußt zu werden, im Inneren der Kirche solche Finanzinstitutionen zu haben, offensichtlich nie ausreichend überzeugende Berater finden konnte."

"Eine der ersten Entscheidungen des Pontifex war, alles was Finanzen und Wirtschaft betrifft, in einem einzigen Dikasterium zu vereinen. Das dann nach und nach aller Kompetenzen entkleidet wurde.  War das eine undurchführbare Reform? 
Oder gab es zu starke und etablierte Kräfte, sodaß sie nicht funktionieren konnte?"

"Wie Benedikt XVI in Caritas in Veritate schreibt, wenn die Situation sehr komplex und schwierig ist, genügt es - um sie zu beherrschen- nicht, die Instrumente auszuwechseln, sondern man muß die Menschen austauschen. die sie benutzen.
Aber es ist nicht leicht die Menschen auszutauschen, weil sie spezifische Kompetenzen und Charakteristika haben müssen, adäquat für die Aufgabe spezifischer Reformen und weil es notwendig ist, die richtigen Berater zu haben, die adäquate Lösungen anbieten."



"Es wird viel über Apsa, Ior und andere Entitäten gesprochen; und man spricht sehr wenig über die Wirtschaftsabteilung des Staatssekretariats. Ist die wichtig? Erscheint sie in der Vatican-Bilanuz  oder nicht? Spielt sie eine Rolle bei den letzten Ereignissen, wie manche annehmen?"

"Ich weiß nicht, welche Rolle er gehabt kann. Ich erinnere mich an seine Rolle und Funktion auch davon abhängt, wer Staatssekretär ist. Der derzeitige erscheint mir eine intelligente, kompetente und zuverlässige Person zu sein (und das wird mit von jedem bestätigt), ein Mann Gottes. Wichtig wäre es zu wissen, ob er die Befugnisse hat, zu handeln. Aber meiner Meinung nach ist es in dieser wirtschaftlichen Sektion ein anderes Organ wichtig, das normalerweise vergessen wird, wenn man über diese Materie spricht. Die Aif (Autorität für Finanzinformationen) , gerade dieses von Benedikt gewollte berühmte Kontrollorgan, dap dem großen Kardinal Attilio Nicora anvertraut wurde, der ihm bis vor wenigen Jahren vorstand, und dann in einer beunruhigenden und kontroversen Periode durch andere Personen ersetzt wurde, die anscheinend darum wetteiferten, das Transparenz- und Antigeldwäschegesetz zu verändern.
Und die Aif, das Organ, das 2010 nach den Antigeldwäsche-Regeln approbiert wurde, das die Angleichung an das Gesetz und die Konformität der Prozeduren jeder Finanztransaktion innerhalb der Institutionen des Hl. Stuhls hätte kontrollieren sollen, könnte das heute nicht tun. Die Revisoren beschränken sich normalerweise vor allem darauf, die Konformität der entsprechenden Schriftstücke mit den akzeptierten verläßlichen Prinzipien zu stabilisieren."
"Ist das ein Spiel, das hauptsächlich innerhalb der Mauern gespielt wird, oder gibt es andere wichtige katholische Mitspieler außerhalb des Vaticans? Haben sie eine Rolle?"

"Das erscheint offensichtlich. Aber es ist Aif, der auf diesen Frage antworten sollte. 

Im Januar 2015 haben sie im Catholic Herald einen Offenen Brief an Kardinal Pell, den Präfekten des Wirtschaftssekretariats veröffentlicht. Warum?

"Weil S.Em. Kardinal Pell, einen Monat zuvor dem Catholic Herald ein Interview gegeben hatte, in dem er sagte, daß die Finanzen des Heiligen Stuhls (mit dem neuen Pontifikat) endlich unter Kontrolle seien. In meinem Interview nahm ich mir die Freiheit und die Verantwortung, den Präfekten zu korrigieren, indem ich ihm erklärte, daß die Finanzen des Heiligen Stuhls bereits mit den von Benedikt XVI. gewollten Normen, Prozeduren und Strukturen gegen Geldwäsche "unter Kontrolle" gebracht worden waren. 
Ich habe ihm erklärt, wann und wie und mit welchen Konsequenzen sie verändert wurden. Ich habe ihm auch erklärt, welche Fakten meines Erachtens zu meinem „Rauswurf“ als IOR-Präsident geführt hatten, ein niederträchtiger Rauswurf, weil er mit dem Wohl der Kirche begründet wurde. 
Mehrfach hatte ich vergeblich darum gebeten, angehört zu werden. 
Ich erklärte ihm auch, welche Dokumente er sich zeigen lassen sollte, um zu verstehen, was 2010 und bis zum 24. Mai 2012 geschehen war, und um festzustellen, wer dafür verantwortlich war. Ich bat ihn auch, das Interview zu lesen, das der persönliche Sekretär von Papst Benedikt im Oktober 2013 dem Il Messaggero gegeben hatte, und zu fragen, was am 7. Februar 2013 um 18 Uhr in einer Wohnung in der Leostadt (der Teil Roms, der innerhalb der Leoninischen Mauern liegt) geschehen ist. Ich habe nie erfahren, ob Kardinal Pell das getan hat oder nicht.

"Was ist damals geschehen?"
"Kardinal Bertone teilte mir im Haus eines Kardinals (ich hatte mich geweigert hinter die vatikanischen Mauern zu kommen) mit, daß der Heilige Vater meine sofortige Rehabilitierung angeordnet hatte. Er sagte mir, ich solle mich in den nächsten Tagen bereithalten, um in Rom sein zu können. Am 11. Februar gab der Heilige Vater seinen Amtsverzicht bekannt. Ich wurde nie mehr gerufen."

Quelle:  Marco Tosatti, Stilum Curia

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