Montag, 12. Juni 2017

Wie steht es um die Diplomatie des Hl. Stuhls?

A. Gagliarducci stellt sich diese nicht unwichtige Frage in "Monday in the Vatican".  
Hier geht´s zum Original:   klicken

   "IST DER HEILIGE STUHL NOCH ZU PROPHEZEIUNGEN FÄHIG?"
Die  Bischöfe von Venezuela, die letzte Woche nach Rom kamen, um Papst Franziskus zu treffen, haben der moralischen Kraft und dem internationalen Einfluss des Hl. Stuhls vertraut,
Wenn der Papst- das ist die Rationale- zur Krise in Venezuela sprechen würde, würden die Regierungen und internationalen Institutionen verstehen, daß es Zeit für eine Intervention ist.

Sie sind nicht die einzigen, die dieser Rationale folgen. Am Vorabend des Besuches von Präsident Trump bei Papst Franziskus kam eine vom Süd-Koreanischen Präsidenten Moon Jae-in und von Erzbischof Hyginus Hee-jong Kim von Gwagji, dem Vorsitzenden der Koreanischen, geleitete Delegation zum Papst um ihn zu bitten, die Beziehungen zwischen Nord-Korea und den USA zu verbessern. Wenn Nord-Korea aus seiner diplomatischen Isolation herauskäme, denken sie, könnten sie Beziehungen auf der Koreanischen Halbinsel sich verbessern.

Die Süd-Koreanische Delegtion blickte dabei auf die Mediation des Hl. Stuhls zur Wiederherstellung der Beziehungen zwischen den USA und Kuba zurück, den ersten wirklichen diplomatischen Erfolg von Franziskus.

Jetzt gehen Gerüchte über einen möglichen Besuch von Papst Franziskus in Israel um, der den Friedensgesprächen in der Region neue Zugkraft geben soll. Die Reise würde auch stattfinden, obwohl das Friedensgebet in den Vaticanischen Gärten- das zwar spirituelle Früchte getragen haben mag- nur wenig praktische Resultate gebracht hat. 
Kürzlich ist der Papst nach Ägpten gereist und hat wiederholt, daß Gewalt im Namen Gottes nicht Glaube ist.

Wenn Papst Franziskus und der Hl. Stuhl sich noch internationaler Aufmerksamkeit erfreuen, bleibt die Frage, ob die diplomatischen Aktivitäten des Hl. Stuhls immer noch zur Prophetie fähig sind.

Das ist kein triviales Thema. Der Hl. Stuhl hat immer die Geschichte vorhergesehen.
Pius IX hat -mitten im Angriff, der die Einnahme Roms und das Ende des Kirchenstaates zur Folge hatte, betont, daß "die Geschichte zu einer Verschwörung gegen die Wahrheit geworden ist" und als Antwort darauf  proklamierte er das Dogma der Unbefleckten Empfängnis. Das Dogma war im Denken der Gläubigen allgemein verbreitet, es jedoch zu proklamieren, half dabei, den Menschen einen Schutzwall gegen den Relativismus zu geben, der begann Besitz von der Gesellschaft zu ergreifen.




Leo XIII startete die moderne Soziallehre der Kirche als er- und er gehörte damit zu den ersten- vor den Gefahren sowohl des Kommunismus als auch des Kapitalismus warnte. Pius XII sah fast alle laufenden Gefahren vorher, einschließlich das atomare Risiko, als es erst nur ein Projekt war.
Das II.Vaticanische Konzil kam lange vor dem Jahr 1968, das das Leben und das Denken im Westen revolutionierte.
Der Hl. Johannes Paul II fühlte. daß nur Kultur die Mauer des Kommunismus niederreißen konnte- statt eines politisch imspirierten frontalen Kampfes. Der Hl. Johannes XXIII war unter den ersten, die die Welt eher aus einer multilateralen Perspektive betrachteten. Benedikt XVI brachte alles auf das Thema Wahrheit zurück, die als gegeben anzunehmen ist,und aus diesem Grund war er ein wahrer Revolutionär.

Die heutige Kirche jedoch, scheint nicht mehr so prophetisch zu sein, wie sie es war. Sie scheint in der Lage zu sein, Schnappschüsse von der Wirklichkeit zu liefern, aber diese Schnappschüsse zeigen eine sehr entfernte Realität, so als ob sie ein Bild aus der Entfernung eines Lichtjahres wären.

Einige Beispiele. Während der letzten Woche, als die Venezuelanischen Bischöfe um die Unterstützung des Hl. Stuhls baten, wurde der Besuch von Papst Franziskus beim Italienischen Präsidenten im Quirinal vorbereitet.

Die Beziehung Hl. Stuhl-Italien war immer eine Hass-Liebe. Einerseits ist es eine historische Tatsache, daß das Königreich Italien, das späte eine Republik wurde, mit der Einnahme des Kirchenstaates geboren wurde, einem Kriegsakt gegen die Päpstlichen Staaten, bei dem ein tiefsitzender Anti-Klerikalismus nicht verborgen wurde.
Hier macht man sich keine Gedanken darüber, ob dieser Krieg für die Kirche Vorhersehung war.
Sicher half er der Kirche dabei, ihre historische Selbtbezogenheit zu transzendieren und weniger weltlich zu werden. Aber das bedeutet nicht, daß der Angriff auf die Päpstlichen Staaten kein Kriegsakt waren.

Über die notwendigen bilateralen Beziehungen und das besondere Interesse, das die Päpste allgemein für Italien hatten, weil sie selbst aus Italien kamen, ist Italien eben einer der Staaten, mit denen der Hl. Stuhl sich befaßt und seine Wichtigkeit nahm ab. sobald sich multilaterale Beziehungen entwickelten.
Mit Papst Franziskus scheint die bilaterale Diplomatie wieder im Spiel zu sein. Das kann man z.B. an der Finanz-Vereinbarung sehen, die zwischen Italien und dem Hl. Stuhl unterzeichnet wurde. Die Vereinbarung schafft einen Austausch-Kanal für steuerliche Informationen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Vereinbarung den multilateralen Test besteht, weil mit Beginn von 2018 der Austausch von Finanzinformationen auf multilateraler Ebene gehandhabt werden wird.

Warum dann also dieser Schritt, während doch alle Bemühungen des Vaticans die finanziellen Reformen betreffend in die entgegengesetzte Richtung gerichtet waren, das heißt , gleich gute Beziehungen zwischen dem Hl. Stuhl und jedem anderen Staat zu haben, ohne privilegierte Partner?

Wenn man bedenkt, daß bilaterale Verträge imVatican wieder modern geworden sind, obwohl der Rest der Welt anders vorgeht, ist auch wahr, daß die Vatican-Diplomatie entlang angesichts einer brandneuen Welt dahin trottet, ohne über Gegenmaßnahmen zu verfügen.
Diese prophetischen Stimmen, wie die Kardinals Bagnasco, der sich beklagt. daß es nicht genügt, "eine Weltordnung ohne Gott" zu bauen. Die heutige Welt scheint außer der Reichweite des Vaticans zu sein.
Während des Davos-Forums von 2017 , an dem ein Priester teilnahm, der stolz den Hl. Stuhl repräsentierte, wurde der Global-Risk-Resport 2017 vorgestellt. Der Report zeigt auch Wahlergebnisse wie beim Brexit, Trumps Wahl in den USA und das Nein-Votum zur Verfassungsreform in Italien werden ebenfalls als Risisko angezeigt.

Der Bericht betont dann die Notwendigkeit, die Qualitätskontrolle der Informationsprogramme besser zu schützen, weil die Nachrichten im Internet den Informationsfluss untergraben, was zu einem Vertrauensverlust bei der Bevölkerung führe.

Um mit den Risikofaktoren fertig zu werden, schlägt der Bericht vor, "eine inklusivere Gesellschaft zu errichten, die auf internationaler Zusammenarbeit basiert." Das schließt die Schaffung offener Gesellschaften ein, die dem Risiko zustimmen, ihre kulturellen Wurzeln auf Grund nicht zu bewältigender Immigration zu verlieren. Der Van Thuan Report 2017 zur Soziallehre der Kirche wirft ein Lichtauf die Möglichkeit, daß die Migrationsströme künstlich ausgelöst sind. geschaffen um die Europäische Gesellschaft  zu überrennen und die Wurzeln Europas zu unterminieren, Wurzeln die am Ende christlich sind.

Diese Analyse hat ein Außenposten des Katholischen Denkens geliefert, in der Tat einem sehr randständigen. Das Risiko der künstlich ausgelösten Notwendigkeit zu emigrieren, wird augenscheinlich niemals in den Reden erwähnt. die von Diplomaten des Hl. Stuhls gehalten werden, denen die mehr als jede andere Zweifel und Aufmerksamkeit hervorrufen.

Die ökonomisch-finazielle Krise ist direkt mit der Migrationskrise verbunden. Die finanzielle Krise ist vor allem eine Krise der Moral, wie Benedikt XVI scharfsinnig feststellte. Diese Krise begann als die finanzielle Macht wichtiger wurde als die wirtschaftliche. 
Der Hl. Johannes Paul II warnte vor den Gefahren des Konsumismus, und seine Worte waren prophetischer denn je.

Fortsetzung folgt....

Quelle: A. Gagliarducci, La Nuova Bussola Quotidiana

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