Sonntag, 9. Juli 2017

Die Schlacht um die Vatican-Finanzen


Piero Laporta untersucht für "La Verità"  den innervaticanischen Kampf um die Vaticanfinanzen.
Was er dabei aufdeckt, ist kein Grund zur Beruhigung, ganz im Gegenteil - besonders wenn man den zeitlichen Zusammenhang der jüngsten Entlassungen mit den Finanzmachenschaften (u.a. Verwendung des Peters-Pfennigs für den Wahlkampf Hilary Clintons)  in der Kurie bedenkt.
Hier geht´s zum Original:   klicken

"UNTER DER ASCHE SCHWELT DER KAMPF UM DIE VATICANFINANZEN WEITER"
"Der Lärm um die Vertreibung Kardinal Pells überlagert die von Libero Milone, Manger im Laienstand, der bzgl. des Obolus des Petruspfennigs recherchierte. Die "Malteser-Bande" bleibt Herr auf der anderen Seite des Tibers; wie lange noch?

Am 20. Juni wurde Libero Milone aus seinem Amt entlassen. Eine Woche später entläßt Papst Franziskus Kardinal George Pell. Zufall?
Nach den Aussagen einiger ist dieser Zufall nicht das zweite Ereignis nach einem ersten- sondern im Gegenteil: im Wissen, was Pell drohte, haben sie Milone schnell aus seinem Amt entfernt und darauf vertraut, daß der Skandal des Kardinals den des Managers überschatten würde.
Wer wußte vom drohenden Prozess gegen Pell? Sicher Erzbischof Giovanni A Becciu, die Nummer 2 im Staatsseketariat  ebenso wie Msgr. Adolfo T.Yllana, der Apostolische Nuntius in Australien.

Das Pressebüro hat am 29. Juni um 4:30 eine Pressekonferenz von Kardinal Pell für 8:30 dieses Morgens angekündigt.
Man kann sich die Aufregung bei den Nachrichtenmanagern vorstellen, die ihre Reporter aus den Betten jagten!
Es gibt nichts Besseres als um 4:30 eine Pressekonferenz einzuberufen, um in den Nachrichten eine größere Wirkung zu erzielen.

Pell kündigt seine Reise nach Melbourne an, um am 18. Juli den Vorwürfen sexueller Nötigung, die angeblich in den 70-er Jahren passiert waren, entgegen zu treten. Pell wiederholt, daß er unschuldig ist, genau wie er es im vergangenen Oktober gegenüber nach Rom gereisten australischen Ermittlern getan hatte. Eine einfache Presse-Erklärung hätte da einfach auch genügt.
Sehr seltsam. Ist denn der Stil der römischen Kurie nicht der Stil des Staatssekretariates?
Das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit.





Nach der Entlassung Milones kam es zu einer schrägen Indiskretion: sie waren hinter ihm her, weil er sich für den Wohltätigkeitsfonds des Peters-Pfennigs interessiert hatte.
Ein Leak außerhalb des "stilum romanae curiae" oder ein Schachzug, um jemandem zu versichern, was Milone tun wollte und von nun an nicht länger tun konnte.
Als ob das nicht genug gewesen wäre, nach der "Peters-Pfennig-Version" wurde am 1. Juli die Entlassung mit der Weigerung Milones begründet, sein Gehalt kürzen zu lassen - Rauchvorhänge, Spiegelungen und die Bestätigung der Gültigkeit des ersten Leaks.

Msgr. Becciu kannte den 68-jährigen Libero Milone, eine internationale sowohl in Europa als auch in Washington bekannte Kapazität, schon während des Pontifikats Benedikts XVI .
Im Juni  2015 stellte Papst Franziskus ihn auf Empfehlung Beccius ein, um die Budgets und Konten aller Ämter und Institutionen des Hl. Stuhls, einschließlich des Peters-Pfennigs, zu überwachen.
Wie in der Vergangenheit versicherte sich Milone der Mitarbeit des wohlbekannten Robert Gorelicks.

Im Oktober 2015 beklagte Milone, daß sein Computer gehackt wurde.
Im November wurden Msgr. Lucio Angel V. Balda und Francesca I. Chaouqui verhaftet und später verurteilt. Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi. die beiden Reporter, die der Anklage zufolge die gestohlenen Dokumente entgegen genommen hatten, wurden freigesprochen.

Der Prozess, dem es an Transparenz und gleicher Würde zwischen Anklage und Verteidigung mangelte, hat weder geklärt, wie die Dokumente gestohlen wurden, noch welches Ausmaß die Verwicklung der beteiligten Parteien, der Angeklagten und der angenommenen Opfer, erreichte.

Wieder wurde von einem "Komplott gegen den Papst der Reformen" gesprochen.
Was aber unbeantwortet bleibt ist, warum hinter den Hl. Mauern drauf hingewiesen wurde, daß Milone den Preis für seine Neugier bzgl, des Peters-Pfennigs bezahlte. Die war ja immerhin Teil seiner Mission gewesen.
Wenn - wie gerüchteweise verlautete - der Peters-Pfennig unautorisiert in Hillary Clintons Wahlkampfkampagne verwendet wurde, ist es unwahrscheinlich, daß das Weiße Haus durch die Entlassung Milones besänftigt werden kann, der sicher nicht in der Lage sein wird, diese Antworten zu geben und der dann, wenn alles erzählt ist - ein Problem weniger hat.

Fassen wir alles zusammen.
Jetzt, wo Milone und Pell die Bühne verlassen haben, bleibt nur noch die "Malteser-Bande" wie sie in der Kurie die Burschen Zahras, Spitzenmann der Vaticanfinanzen, nennen, im Amt.
Um diese Gruppe kreist - nur um einige Namen zu nennen - der Malteser Msgr. Alfred Xuereb, Bergoglios Privatsekretär, an dessen Seite finden wir den Luxemburger René Brülhart, Präsident für Finanzinformationen (AIF), der dem Staatssekretariat untersteht und - de facto - von seinem Freund Becciu eingestellt wurde.
Dazu gibt es die Leitung des IOR und - sehr wichtig- die  APSA (Administration des Patrimoniums des Hl. Stuhls) - ein Millionenberg, ohne Haushalt, ohne Rechenschaftspflicht gegenüber anderen, außer denen die die Kontrolle ausüben, - verteilt auf verschiedene Geheimkonten in der Schweiz, in London und New York.
Im Rückblick zeichnen die Reformen von Papst Franziskus einen funktionalen Regierungsstil  vorzubereiten, als Weg ein leichteres Auswechseln in den Schlüsselpositionen von heute durch die des vollen Vertrauens von morgen, zu ermöglichen.

Nach Aussagen Gutinformierter ist die Torpedierung Kardinal Gerhard L. Müllers, der durch den Jesuiten Luis Ladaria Ferrerera als Präfekt der Glaubenskongregation ersetzt wurde, Teil der von der Jesuitischen Kurie entworfenen "Kapillarkonstruktion"  zur Kontrolle des Vaticans.

Die bevorstehenden Reformen der Finanzstrukturen würden dann den Jesuiten Gael Giraud -zusammen mit dem Jesuitischen Schatzmeister Thomas McCain, dessen Assistent von Rom nach Genf, nach London und nach New York pendelt."

Quelle: La Veritá, Piero Laporta

Piero Laporta hat für viele Zeitungen und Zetschriften geschrieben  (Libero, Il Tempo, Il Gironale, Limes, italia Oggi, Il Mondo etc) er ist mit  Vincenzo Mastronardi u.a. Co-Autor des Buches "Massenmedien und Schmutz" in der Edition Leonardo, 2015.

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