Montag, 31. Juli 2017

Leben wir im Westen in einer postschristlichen und antichristlichen Zeit? Eine Jeremiade von Father Cipolla

Fr. Richard G. Cipolla St Mary's Norwalk, Connecticut hat je nachdem wie man es sehen möchte eine Philippika oder eine Jeremiade zum Zustand der Kirche und des Katholischen Glaubens geschrieben, gehalten als Predigt am 8. Sonntag nach Pfingsten. Rorate Caeli hat sie veröffentlicht.
Man kann sicher sagen, daß die sicher nicht in jeder Diözese ohne Konsequenzen für den Prediger bliebe.  Hier geht´s zum Original:  klicken

"PREDIGT AM 8. SONNTAG NACH PFINGSTEN: DER PROTESTANTISMUS IN DER KIRCHE HAT VERSAGT...VERSUCHEN WIR ES MIT KATHOLISCHER TRADITION"
                   
   "Wie ist doch zerhauen und zerbrochen der Hammer der ganzen Erde!
     Wie ist doch Babel zum Entsetzen geworden unter den Völkern!
     Man hat dir eine Falle gestellt , nun hast du dich fangen lassen,
     ohne es zu merken.
     Man hat dich ertappt und gepackt.
     Denn du hast den Herrn heausgefordert."  Jeremia, 50: 23-24
    
Zerbrochenheit. Das ist das einzige Wort, sicher ein Neologismus, das unsere aktuelle Lage beschreibt, unsere Misere.
Gestern Abend vor dem Essen las ich die New York Times, blätterte sie durch, wie ich es immer tue. Ich hatte keine Hoffnung bzgl. der Objektivität der Berichterstattung über die Neuigkeiten.
Aber ich war sehr traurig, einen Artikel über ein weiteres persönliche Debakel innerhalb der trump-Administration zu lesen, von Drehtüren und Twitter-Beleidigungen, der wörtlich von einem unter-der-Hand-Gespräch mit jemandem der auf einer hohen Regierungsebene arbeitet, berichtet, daran arbeitete, jemanden da oben feuern zu lassen und Erfolg hatte.
Die Times benutzt seine Worte, einschließlich four-letter-words,  die heutzutage in den künsterischen Medien, der Alltagssprache so vieler junger Menschen üblich sind, aber bisher nie in einer Zeitung gedruckt erschienen, die von vielen Menschen gelesen wird- einschließlich junger.
Für mich war das ein starkes Zeichen dafür, wo sich unsere Gesellschaft befindet.

Es gibt keinen Zweifel, daß die Times das mit dem Ziel getan hat, die Rohheit dieser Leute zu zeigen, die dem Präsidenten so nahe sind. Aber diese Worte abzudrucken heißt eine Grenze zu überschreiten, die nicht überschritten werden sollte, weil wir alle die niedrige Ebene kennen, auf der das Sprechen der Mehrheit der Menschen angekommen ist.
Als das schreckliche Erdbeben die Stadt Norcia, den Geburtsort des Hl. Benedikt und das Kloster der dortigen Benediktiner-Mönche zerstörte, habe ich gesagt, das sei ein Zeichen für das Ende der westlichen Zivilisation, wie wir sie gekannt haben, das heißt, eine Zivilisation, die auf den Christlichen Glauben gegründet war, nicht perfekt, aber mit ihrer Gründung auf der Person Jesu Christi und allem was das bedeutet.
Was jetzt nicht nur in diesem Land sondern im gesamten Westen passiert, liefert den unwiderlegbaren Beweis, daß wir nicht nur in einer postchristlichen Zeit leben sondern auch auf reale Weise in einer antichristlichen Zeit.



Der Zusammenbruch des Moralgewebes dieses Landes und der westlichen Welt, der in den 60-er Jahren geschah, ist real und wir leben mit seinen Nachwirkungen. Diese Feststellung zu machen, hat nichts mit einem stickigen Moralismus oder Puritanismus oder irgendeinem Ismus zu tun. Wir leben in einer Zeit, in der die wirklichen Früchte des Protestantismus, der die Existenz des Individuums innerhalb der Kirche als Teil des Körpers Christi in der Welt leugnete, klar zu sehen sind.
Wir sehen die Früchte in der sogenannten Wiederentdeckung des Selbst in der Renaissance, im revolutionären Geist des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts und der begleitenden Bewegung genannt "die Aufklärung", die das Individuum ins Zentrum stellte und trotz des Gebrauchs des "wir" in der Unabhängigkeitserklärung hat die amerikanische Vision die Freiheit des Individuums, dessen Ziel die Vollendung des Lebens, der Freiheit, dem Streben nach Glück im wahren Zentrum der menschlichen Existenz stehen.
Dieses spezifisch amerikanische Verständnis der Wichtigkeit als Nation eine gemeinsame Einheit als eine Nation zu sein, wurde nichtsdestotrotz von einem radikalen Verständnis der Selbstbestimmung des Indivuduums unterlegt, das nie mit dem Katholischen Verständnis des Individuums vereinbart werden kann, das notwendigerweise mit jedem anderen im Körper Christi verbunden ist, der die Kirche in dieser Welt ist.
Und dennoch wurden zwei furchtbare Weltkriege gekämpft im Glauben, daß etwas sehr Wichtiges im gemeinsamen Verständnis der westlichen Zivilisation ist, für das zu kämpfen und zu sterben sich lohnt.

Aber alles das ist zerbrochen und kann nicht repariert werden. Es ist auf alle Fälle ein törichtes Unterfangen, zurückzugehen, um die vergangenen Jahrtausende wieder zu gewinnnen. Trotz der vielleicht niedrigsten Beteiligung an der Hl. Messe in der Geschichte, trotz des Verlassens   des Katholischen Glaubens und seiner notwendigen moralischen Komponente durch die große Mehrheit der Getauften unter 40, trotz der großen Konfusion und des Juckreizes der Mächte, die in Rom sein mögen, die Dinge für ein nichtgläubiges,  um sich selbst kreisendes Zeitalter attraktiver zu machen, scheint die Kirche sich zu weigern, zu tun, was getan werden muß und zu predigen und zu lehren, wie es die Apostel taten, und wagen dieser Generation von der großen Gefahr zu erzählen, in der sie sind, wenn sie nicht bereuen und zu Gott zurück kehren, sich ihm zu Füßen werfen und ihn um Gnade bitten, eine Gnade, die nie automatisch ist und nie vorausgesetzt werden kann, sondern um die man bitten muß, man muß um die Gnade bitten.

Aber wie kann man solche Dinge sogar in einer Kirche predigen, die ihre Leute gelehrt hat, sich selbst am Körper Christi zu  nähren? Eine Kirche, die sie gelehrt hat zu stehen und das was Heilig ist im direkten Gegensatz zu den Beispielen der Weisen und des Hl. Petrus und der Praxis der Kirche während fast 2000 Jahren zu empfangen? Eine Kirche die die Vision Jesajahs vom Heiligen vergessen hat, eine Kirche in der die Worte Sanctus, Sanctus, Sanctus durch zahllose Landessprachen entkernt worden sind und den Turmbau zu Babel imitieren? Eine Kirche, wo ein mondgesichtiger Priester sein Volk ansieht und ein  Vorsitzender wird statt ein opfernder Priester?

Zerbrochenheit. Die Ehe, das Verständnis von Familie, die ständige Zunahme im Gebrauch neuer Drogen, um die furchtbare Leere, die so viele unserer jungen Leute fühlen zu lindern, das Vermeiden die wahre Armut so vieler Menschen auf dieser Welt zu lindern und statt dessen Zuflucht zu nehmen zu langweiligen Episteln über globale Erwärmung, einer Theorie, die einige datenbasierte Begründungen haben mag, aber den Ärmsten der Ärmsten nicht hilft, die jeden Tag Grausamkeiten erdulden, die wir uns nicht vorstellen können, das hat wenig zu tun mit dem Auftrag Jesu, besonders die zu lieben, die in Not sind.

Und was tun die Nachfolger der Apostel in dieser außerordentlichen Zeit? Sie schlagen die Luft.
Versuchen herauszufinden, wie man durch diese Zeit der Zerbrochenheit hindurchkommt, ohne zuzugeben. daß sogar in der Kirche Dinge zerbrochen sind. Dieser anti-intellektuelle und irrationale Positivismus, zu dem die Hierarchie Zufliucht gesucht hat, zerbröckelt angesichts des Ansturms einer gottlosen Welt und wird die Lachnummer dessen, was in unserer Gesellschaft als Intelligenzia durchgeht.
Der peinliche Versuch, die enttäuschte Jugend dadurch anzuziehen, die verfehlten Methoden protestantischer Mode, von Sentimentalität und Emotionen zu imitieren ist in der Tat entmutigend.
Es scheint ihnen nicht in den Sinn zu kommen, zur tiefen und gottgegebenen Tradition der Kirche zurückzukehren, um unsere Leute zurück zu bekehren, durch einfach ausgesprochene Wahrheit, gutes leben eines Lebens, das den ernsthaften Versuch macht, heilig zu sein, durch die Schönheit, die man in  der katholischen Tradition findet, die aber besonders im liturgischen Leben der Kirche in die Praxis umgesetzt werden muß.

Ich hatte auf einen guten Nordostwind gehofft, aber dann sagten sie, der schwere Regen würde sich auf die Delmarva-Halbinsel beschränken, ein Name, der wie der eines Hotels der 30-er Jahre in Palm Beach klingt. Ich hatte gehofft, meinen Gene-Kelly-Hut und mein Gene-Kelly-Lächeln aufsetzen zu können, tanzen zu gehen und "singin´ in the rain" zu singen. Ich stellte  mir vor mit den Hacken zu klicken, mich um einen Laternenpfahl zu schwingen und den Regen mir dabei helfen zu lassen, die unzähligen Linien, die überschritten worden sind, zu vergessen. Aber der Regen ist nie gekommen.

Und so habe ich meinen besonderen Hut aufgesetzt, bin zum Steinaltar gegangen, habe diese ursprüngliche Geste Rauch gegen den Steinaltar zu schleudern vollführt, in einem Akt der die ganze Geschichte des Menschen wiederspiegelt, einem Akt der das abrahamitische Opfer in all seiner schrecklichen Unverständlichkeit in Erinnerung ruft. Aber dieser Altar wurde nicht für ein Opfer bereitet sondern war eine Glaubensprüfung. In diesem Opfer gab es keine Hand, das das Messer aufhielt. In diesem Opfer wurde der wahre Körper des inkarnierten Gottes wie ein Schaf geschlachtet und das Blut Gottes floß über den Steinaltar des Kreuzes und über die Tausende von Linien, die von Männern und Frauen überschritten wurden, die absichtlich Freiheit mit Selbsterfüllung verwechselt haben und dieses Blut bedeckte diese Linien mit der unendlich barmherzigen Liebe Gottes."

Quelle: rorate caeli, Father Richard G. Cipolla

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