Dienstag, 18. Juli 2017

Luther - die Pleite des Jahres?

Wie konnte das nur so weit kommen? Alles war so gut geplant, die Werbeindustrie, die Spielwarenindustrie, die Tourismusindustrie - alle hatten sie dieses Jahr auf die selbe Karte gesetzt.
Ein Magnet sollte er werden - der Luther. Der Mann, dem es vor 500 Jahren gelungen war, mit Hilfe der Mächtigen die Katholische Kirche "zu sprengen".
Er wollte eine Kirche nach seinem Gusto, eine, die seine Lebensweise goutiert. Die Mächtigen der damaligen Zeit sahen ihre Chance eher in Landgewinn, Machtgewinn, Geldgewinn.... Die Talerchen in den Augen verstellten den Blick für den Verlust des spirituellen, dem später ein großer Glaubensverlust folgte. Wir haben es ja damals im Religionsunterricht gelernt, was für ein großer Held dieser Luther doch und was für ein strahlend schönes Deutschland nach ihm kam.
Besonders im Norden und Osten fiel sein "neuer Glaube" auf fruchtbaren Boden und viele glauben immer noch, sie seien die besseren Menschen.
Nun ja, inzwischen ist sie ja weitgehend dahin, die protestantische Pracht und Herrlichkeit. Deshalb hat man sich ja auch mehr ins Lager der Politik verzogen und verkündet jetzt freudenvoll als neuen Glauben, was der Luther damals als Ausgeburt der Hölle bezeichnet hätte.

Trotzdem hat man bei den Evanglischen ein Glaubensfest geplant. Groß sollte es werden, höher als alle Berge, tiefer als alle Seen, grüner als Spaniens Blüten und roter als der Wein, den der Ketzer so gerne getrunken hat.

Ein guter Anfang war gemacht. Denn man hatte sich eine Frau engagiert, die in Sachen Eigen-PR über die Jahre viel Respekt verdient hatte - bei den üblichen halt ...
Was sollte da schon schief gehen?
Nun - offensichtlich alles.
Vor einigen Tagen beschrieb die FAZ in einem sehr gut recherchierten Artikel den trostlosen Zustand der diversen Lutherveranstaltungen, die zwar alle schön geplant sind und richtig was hermachen - aber das Publikum bleibt aus.
Die FAZ schreibt: "Die Zwischenbilanz fällt jetzt, in der Mitte des Jubiläumsjahrs, ernüchternd aus. Weltausstellung in Wittenberg, Kirchentag in Berlin, „Kirchentage auf dem Weg“, Abschlussgottesdienst – überall lagen die Zahlen niedriger als vorausgesagt.
und vermutet, dass das nachlassende Besucherinteresse wohl daran liegt, dass alles etwas zu groß geraten ist.:
"Die Veranstalter versprachen „ein Gefühl wie beim Sommermärchen 2006“, als eine sonnige Fußball-Weltmeisterschaft das Land und seine Besucher wochenlang in Verzückung versetzte."
Das zeigt den Größenwahn der Protestanten. Drunter wollten sie's wohl nicht machen. Und hatten darüber wohl auch vergessen, dass das Sommermärchen doch nach der Niederlage gegen Italien schnell vorbei war.
Die Zahlen sind allgemein deprimierend, das ist in dem FAZ-Artikel auch gut beschrieben. Ich kann ihn also nur empfehlen -und die Kommentare noch dazu. Ist ja nicht so schön, wenn man von einer der größten deutschen Zeitungen so in der Luft zerrissen wird - zumal die Evangelischen das ja gar nicht gewohnt sind.
In solchen schlechten Zeiten ist es gut, wenn man Freunde hat. Und diese Freundschaften werden ja von der EKD seit einiger Zeit sehr intensiv gepflegt - manches Bild deutet ja schon fast auf innige Zuneigung zwischen dem Vorsitzenden der DBK und dem Ev. Landesbischof hin ...

Jedenfalls sind diese Freunde so glücklich über diese innige Zuneigung, dass man heute bei katholisch.de lesen kann:
"Katholisch in Lutherstadt - positive Halbzeitbilanz"

Echt jetzt? Bischof Feige beschreibt es dann so:
"Das Konzept von 'Katholisch in Lutherstadt' wird gut angenommen. Die Vertreter der einzelnen Bistümer, die wochenweise vor Ort sind, unterstützen und bereichern das katholische Leben in der Stadt", erklärte der Magdeburger Bischof am Montag in Bonn.
WOW! Da wird doch nicht etwa eine heimliche Missionierung stattfinden?

Statt bei den Evangelischen Luther seine Referenz zu erweisen, kommen die Besucher zu den Veranstaltungen der Katholiken. "Wir sind der Besuchermagnet"? Das ist doch mal eine gute Nachricht. Wenn daraus ein paar Konvertiten erwachsen, freuen wir uns - und den erhobenen Zeigefinger des Papstes (wegen verbotenem Proselytismus) ertragen wir gerne.
Ja und bei so vielen Chancen wollte natürlich auch das Erzbistum München nicht abseits stehen.
Ich hatte zunächst gedacht, sie machen das aus purer Nächstenliebe, um die armen nicht wahrgenommenen Protestanten ein wenig zu unterstützen ... Aber wenn man da den einen oder anderen Neukatholiken an Bord ziehen kann, ist doch alles wunderbar. Rückkehrökumene ist wirklich eine gute Sache und im Lutherjahr scheint es zu funktionieren ...

Vielleicht wird ja irgendwann sogar der Bedford-Strohm noch katholisch, bei der Begeisterung, mit der er an Gottesdiensten in unseren Kirchen teilnimmt.
Letztens hat er sogar mal in St. Michael "gepredigt". Nicht in einer normalen Messe allerdings, sondern in einer Sonderveranstaltung nachmittags um 16 Uhr. Da gibt es immer Musik von protestantischen Komponisten, um das Publikum zu locken - und damit es dann nicht zu voll wird, lässt man einen Protestanten predigen.
Trotzdem bleibt es die Kirche der Gegenreformation. Und ich denke, hätte dort vor 500 Jahren ein lutherischer auch nur den Mund aufgemacht, wäre er ohne große Umschweife auf dem Scheiterhaufen gelandet ... heute haben wir das nicht mehr nötig, weil wir einfach nur zuschauen müssen, wie sich die evangelische Kirche selbst marginalisiert.

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