Montag, 10. Juli 2017

Marco Tosatti würdigt Kardinal Meisner RIP

Auch Marco Tosatti hat einen Nachruf auf Kardinal Meisner verfaßt. Wie es aussieht, hielt man in Italien größere Stücke auf den Kölner Alterzbischof als in seiner Heimat. Ziemlich unvorstellbar ist auch, daß deutsche Zeitungen über verstorbene italienische Kurienkardinäle auch nur eine Zeile in Druck geben (außer sie seien sehr sehr unorthodox und vielleicht häretisch)
Hier geht´s zum Original bei La Nuova Bussola Quotidiana:   klicken

     "MEISNER, DER FREUND RATZINGERS, DER JESUS BLUMEN BRACHTE"
"Ein Riese": so beschreibt ein hoher Prälat der Kurie Joachim Meisner, den vor einigen Tagen unerwartet verstorbenen deutschen Kardinal.
Er war eingeschlafen während er das Brevier las und der Tod hat ihn im Schlaf überrascht.
"Er war ein guter und starker Mann" - hat uns einer seiner Freunde sofort gesagt, ein Kurienkardinal.
"Der Herr hat ihn in einem der schönsten Momente für einen guten Priester zu sich genommen."
Meisner war in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts ein Wahrzeichen der deutschen Katholischen Kirche.
"Ein alter weiser Bär" beschreibt ihn liebevoll ein Freund, wenn es irgendein Problem, irgendeinen schwierigen Punkt zu regeln gab, hat er sich ratsuchend an ihn gewandt.


                                              

Seine Geschichte ist die eines Rom und der Kirche treuen Kämpfers. Er wurde am 1. Weihnachtstag 1933 in Wroclaw - damals Breslau- in Niederschlesien geboren, wo er mit seiner Mutter und seinen Brüdern das Drama von Millionen anderer deutscher Flüchtlinge erlebte, die aus ihren Häusern in den Westen vertrieben wurden. Sein Vater war gestorben, an der russischen Front gefallen.

Meisner war ein wertvolles Wahrzeichen für den Hl. Stuhl und den Hl. Vater in einer Epoche, die sehr weit entfernt scheint, aber erst gestern war. Als Berlin, Deutschland und Europa durch eine Mauer geteilt waren. 1980 wurde er zum Bischof von Berlin ernannt, eine Stadt mit einer formal protestantischen Mehrheit, tatsächlich aber vollig entchristlicht mit einer katholischen Minorität.
Meisner wohnte im Ostteil der geteilten Stadt.
Er war wirklich ein Mann Johannes Pauls II in jener Welt. Und wer ihn kennt, erinnert sich an seine Enttäuschung gegenüber vielen deutschen Katholiken im Westen.
Das Erlebnis der Verfolgung und der fehlenden Freiheit, die die Romtreuen im Osten täglich erlebten und die ihn gegen die Tendenz zur Säkularisierung wenig tolerant machte, die er in der Kirche diesseits der Mauer sah. Und die in der derzeitigen deutschen Kirche gut erkennbar sind.





Es ist für niemanden ein Geheimnis, daß die Kirche Deutschlands seit jeher einen antirömischen Affekt hegt. Joachim Meisner war einer der drei "M", die für Rom eine solide Landmarke bildeten.
Die anderen beiden  waren Müller und Marx, der damals auf einer entschieden weniger kreativen Linie war als jetzt.
Meisner wurde mir als eine aus theologischer Sicht wenig flexible Person beschrieben, aber mit sehr feinfühligen, tiefen religiösen Gefühlen. Es gibt Leute, die sich erinnern, gesehen zu haben, daß er Blumen, die er während eines Spazierganges gepflückt hatte, zum Tabernakel trug.

Außer des bedingungslosen Vertrauens Johannes Pauls II, der ihm blind vertraute, erfreute er sich einer sehr langen Freundschaft mit Ratzinger. Den er Joseph nannte - und das privat auch nach der Wahl ins päpstliche Amt weiterhin tat.
Joachim Meisner war einer der ganz wenigen Menschen, den Joseph Ratzinger - auch als Kardinal - zum Mittagessen einlud. Ratzinger ist in der Kurie nie ein gesellschaftlich sehr aktiver Mensch gewesen - besonders nicht  nach dem Tod seiner älteren Schwester, die bei ihm lebte.
Seine Freunde als Kardinal - die konnte man an den Fingern abzählen - vielleicht nicht einmal beider Hände.
Wenn er sich einen ungewöhnlichen Ausgang erlaubte, ging er zum Essen in ein kleines Restaurant in der Nähe des Vaticans, das auch von den Schweizer Garden frequentiert wurde, weil dort im zentraleuropäischen Stil gekocht wurde. Meisner war einer der wenigen. mit denen er den Tisch teilte.

Sicher war seine Rolle während der Regierung Johannes Pauls II sehr wichtig. Aber er war entscheidend daran beteiligt, Joseph Ratzinger zu überzeugen, die Wahl zum Papst anzunehmen.
In einem Buch hat er einige Details beschrieben, wie er daran gearbeitet hat, diese Wahl Wirklichkeit werden zu lassen. "Jetzt hältst du mich vielleicht für verrückt, aber aus Verantwortlichkeit gegenüber der Kirche muß ich dir sagen, daß du Papst werden mußt." sagte Meisner zu Joseph Ratzinger 2005 .
"Ich hatte schnell das Gefühl, daß Joseph Ratzinger gewählt werden würde, aber meine größte Ssorge war, ob er die Wahl annehmen würde. "Wenn du gewählt wirst, mußt du ja sagen."

Ratzinger war unschlüssig. "Seine Antwort war "Tu mir das nicht an". Ratzinger wurde gewählt und auf dem ersten Foto in der Sala Ducale bei der Sixtinischen Kapelle stand Meisner allein rechts neben ihm, in einem Meter Entfernung.
Meisner war sehr aktiv in der Bekämpfung der Sankt-Gallen-Gruppe jener Kardinäle - unter ihnen Martini, Danneels, Murphy O´Connor, Silvestrini u.a. - die sich in der Schweizer Stadt trafen.
Die St. Gallen-Mafia -wie Kardinal Danneels sie nannte- versuchte, die Wahl Ratzingers zu verhindern und bevorzugte Bergoglio.
Paul Badde erinnert sich, daß Kardinal Meisner, dessen Freund er war, am Abend der Wahl sagte: "Heute habe ich gekämpft wie noch nie im Leben."

Gerade wegen dieser Freundschaft hat er, nachdem Ratzinger zum Papst gewählt worden war, ihm -einigen Quellen zufolge - mehr als einmal geraten, den Staatssekretär Tarcisio Bertone auszuwechseln. Das hat er selbst erzählt.
Meisner berichtete auch von der Reaktion des Pontifex: "Er hat mir in die Augen gesehen und gesagt: hör mir gut zu, Bertone bleibt. Basta! Basta! Basta! Nach dieser Episode habe ich dieses Thema nicht mehr angesprochen."
Meisner hat dann mit diesen Worten die Begebenheit beschrieben: "Das ist am Ende typisch für Ratzinger: es gibt treue Menschen. Eine Haltung, die ihr Leben nicht immer leichter macht."

Als Meisner vom Rücktritt Benedikts XVI erfuhr, war er dagegen, dann sagen sie, habe er seine Meinung geändert, als er ihn persönlich gesehen hat und seinen schwachen Gesundheitszustand sah.
Der Kardinal verehrte die Madonna sehr und hatte eine positive Meinung über die Früchte des Medjugorje-Phänomens. Als Benedikt XVI die von Kardinal Ruini geleitete Kommission einrichtete, um sich ein Urteil über Medjugorje zu bilden, riet ihm Meisner - wie erzählt wird - vorsichtig zu sein: "Joseph, das ist der Beichtstuhl der Welt".

Dann kam die Zeit Jorge Bergoglios und der Dubia. Wenn wir Joachim Meisners Geschichte der Treue zur Kirche und zum Pontifex bedenken, muß seine Sorge wegen Amoris Laetitia groß gewesen sein.
Die letzten Nachrichten über Meisner kommen von Kardinal Müller, der mit ihm in Bad Füssing telefoniert hatte, wo der betagte Purpurträger Ferien machte. Müller hatte ihm telefonisch von der Nichtverlängerung berichtet, Meisner soll sich von der Entlassung "tief getroffen" gezeigt haben.
"Diese Tatsache hat ihn persönlich getroffen und verletzt und er betrachtete sie als Schaden für die Kirche." Das sind die Worte Müllers. Wenig später- als er das Brevier las- ist Meisner gegangen.
Er wäre während des kommenden Weihnachtsfestes 84 Jahre alt geworden."



  

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