Donnerstag, 6. Juli 2017

Sandro Magister sieht die Entlassung Müllers als Angriff auf "Veritatis Splendor".

Sandro Magister interpretiert bei Settimo Cielo die Entlassung Kardinal Müllers als Angriff auf Veritatis Splendor.
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"MÜLLER DRAUSSEN. ABER DER WAHRE ANGRIFF GILT "VERITATIS SPLENDOR"
                   

"Am Sonntag dem 2. Juli, genau an dem Tag, an dem Papst Franziskus Kardinal Gerhard L. Müller, den Präfekten der Glaubenkongregation entlassen hat, wurde in allen Katholischen Kirchen des Römischen Ritus zu Beginn der Messe das folgende, im Missale "colletta" genannte, Gebet gebetet und stieg zu Gott auf.

"Deus qui per adoptionem gratiae lucis nos esse filios voluisti, praesta quaesumus ut errorum nn involvamur tenebris, sed in splendore veritatis semper maneamus cinspicui. Per Dominum nostrum...."

In der offiziellen Übersetzung:
"Oh Herr, der Du uns durch Deinen Geist zu Kindern des Lichts angenommen hast, gib daß wir nicht in das Dunkel des Irrtums zurückfallen sondern immer in der leuchtenden Herrlichkeit der Wahrheit bleiben, Für unseren Herrn....."

Das Schicksal - oder die Göttliche Vorsehung?- wollte, daß die Vertreibung Kardinal Müllers vom liturgischen  Anrufungsgebet begleitet wurde, daß "die Herrlichkeit der Wahrheit" weiterhin die Kirche erleuchet.

"Herrlichkeit der Wahrheit" ist genau der Titel der wichtigsten doktrinalen Enzyzklika von Johannes Paul II, die 1993 veröffentlicht wurde.

"Veritatis Splendor"

Das ist eine Enzyklika "über einige fundamentale Fragen der Morallehre der Kirche" besonders Fragen,  die heute wieder zum Konfliktstoff geworden sind, mit vielen und einflußreichen Sektoren der Kirche, die noch nicht überwunden sind, besonders nach der Veröffentlichung von "Amoris Laetitia"- einige der Hauptprinzipien von Veritatis Splendor

Es genügt festzustellen, daß vier der fünf dubia, die im vergangenen September von den Kardinälen Walter Brandmüller, Raymond Burke, Carlo Caffarra und Joachim Meisner vorgelegt wurden, sich vor allem darum sorgen, ob "Amoris Laetitia" mit "Veritatis Splendor" kohärent ist.
Und so bleiben die dubia noch gänzlich offen, auch wegen der Weigerung von Papst Franziskus darüber nachzudenken und die vier Kardinäle zu treffen.

Aber was war die Motivation und das Ziel von "Veritatis splendor"? Um auf diese Frage zu antworten, gibt es einen außerordentlichen Zeugen: Joseph Ratzinger,

Als Vorgänger von Müller an der Spitze der Glaubenskongregation hat er Substantielles zu dieser Enzyklika beigetragen.

Aber auch nach seinem Rücktritt als Papst sieht er bei Veritatis Splendor eine unveränderte Aktualität, die man auch heute studieren und verinnerlichen sollte.

2014 in seinem bewunderten Kapitel für ein Buch zu Ehren von Johannes Paul II, hat Ratzinger besonders auf "Veritatis splendor" hingewiesen, die wichtigste und aktuellste der 14 Enzykliken dieses Papstes.
Ein Kapitel, das man noch einmal lesen und dabei ein Auge darauf richten sollte, was heute in der Kirche passiert, die von seinem Nachfolger Franziskus regiert wird.






Hier die Passage, die dieser Enzyklika vom Papa emeritus gewidmet wurde.

ÜBER"VERITATIS SPLENDOR"
Die Enzyklika zu Moralproblemen "Veritatis splendor" hat eine lange Zeit der Reifung gebraucht und bleibt von unveränderter Aktualität.

Die Konzilskonstitution des II. Vaticanums über die Kirche in der zeitgenössischen Welt, im Gegensatz zur Orientierung an der Epoche, die mehr am Naturgesetz als an der Moraltheologie orientiert war, wollte, daß die katholische Moraltheologie zur Person Jesu und seiner Botschaft ein biblisches Fundament haben solle.
Das wurde mit Hilfe von Hinweisen nur während einer kurzen Periode versucht. Dann setzte sich die Ansicht durch, daß die Bibel keinerlei eigene Moral verkünde, sondern moralische Modelle empfehle, von Fall zu Fall gültig. Die Moral sei eine Frage der Vernunft und nicht des Glaubens, sagte man.
So verschwand einerseits die im naturrechtlichen Sinn verstandene Moral- aber an ihre Stelle trat kein christliches Konzept. Und weil man weder ein metaphysisches noch ein christologisches Fundament der Moral erkennen konnte, zog man sich auf pragmatische Lösungen zurück : auf eine Moral, die auf dem Prinzip einer Bilanz des Guten beruhte, in der es kein wirklich Böses oder wirklich Gutes gab, sondern nur das, was aus Sicht der Effizienz besser oder schlechter ist.

Die große Aufgabe, die Johannes Paul II sich in dieser Enzyklkika stellte, war es, erneut ein metaphysisches Fundament in die Anthropologie einzuführen, ebenso wie eine christliche Konkretisierung in das neue Bild des Menschen in der Hl. Schrift.

Diese Enzyklika zu studieren und zu verinnerlichen, bleibt eine große und wichtige Aufgabe.

Wenn man sieht, was heute in der katholischen Kirche passiert, auch in ihren Ecken, sind die Gründe die zur Enzyklika Veritatis splendor motivierten, alle erneut gegenwärtig, gleich dramatisch, wenn nicht sogar dramatischer.

Und es macht auch das Gebet aktueller denn je, um in der "Herrlichkeit der Wahrheit" zu bleiben, das sich am vergangenen Sonntag in allen Kirchen erhoben hat."

Quelle: Settimo Cielo, Sandro Magister, Benedikt XVI

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