Dienstag, 29. August 2017

Die neue Ostpolitik des Vaticans, (2)

Fortsetzung
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Was die Punkte, die beide gemeinsam haben, angeht, ist bemerkenswert, daß Kardinal Parolin eine lange Unterredung mit dem Russischen Außenminister Lawrow hatte. Die beiden haben die Ukraine- und die Syrienkrise diskutiert. Sie haben auch über die Verfolgungen der Minderheiten im Mittleren Osten gesprochen, besonders die dramatischen, die die Christen betreffen und Lawrow stimmte mit Kardinal Parolin darin überrein, daß die Minderheiten gegenüber der Gefahr des Islamischen Extremismus verteidigt werden müssen.

An diesem Punkt haben die Christen des Mittleren Ostens eine optimistische Einstellung zur pro-Assad-Politik des Kremls, angesichts dessen, daß die Katholiken in Syrien unter Assad nicht bedroht waren. Papst Franziskus selber wurde mit John Allens Worten der "ökumenischen Korrektheit" bezichtigt - weil er die Katholiken mit dieser Einstellung unterstützte. 
Nach Ansicht Kardinal Parolins  muß man "mit jedem den Dialog suchen und mit jedem sprechen", Moskau eingeschlossen.

Aber über andere Punkte gab es Uneinigkeit, wie Kardinal Parolin während der Pressekonferenz mit Lawrow klar machte. 

Einer davon waren die Bedingungen für Christen in Rußland. Die Katholische Kirche in Rußland hat seit langem eine direkte Intervention des Vaticans wegen der örtlichen Situation gefordert, in der die Religionsfreiheit eingeschränkt ist. 
Zu diesen Problemen gehören auch Immobilien, die früher der Katholischen Kirche gehört hatten und in der Sowjet-Ära beschlagnahmt wurden, wie Msgr. Igor Kovalevsky, Generalsekretär der Russischen Bischofskonferenz der Zeitschrift Crux berichtete.
Trotz vieler Erklärungen, die das Gegenteil behaupten, haben die lokalen Autoritäten viele dieser Gebäude und Kirchen bisher noch nicht zurückgegeben.
Noch einmal ist die Geschichte ausschlaggebend.

Aus diesem Grund hat Kardinal Parolin betont, daß seine Reise einen ökumenischen Wert hatte, In Rußland gibt es 773.000 Katholiken, die gerade 0,5% der Bevölkerung ausmachen. 
"Jede religiöse Gemeinschaft braucht einen passenden Raum für den Gottesdienst, eine Kirche, einen Tempel, um ihren Glauben zu bekennen." sagte Kardinal Parolin im Bulletin der Moskauer Erzdiözese.

Das Thema der Katholischen Immobilien, die zugunsten der Orthodoxen Kirche beschlagnahmt wurden, ist ein Schlüsselthema in jedem Land des früheren Sowjetblocks. Die Situation in der Ukraine macht da keine Ausnahme.




Die Situation in der Ukraine gehörte zu den Problemen der Beziehungen zwischen dem Hl. Stuhl und dem Moskauer Patriarchat, obwohl die Situation aus diplomatischen Gründen nicht genauer erwähnt wurde.

Vom diplomatischen Gesichtspunkt aus, begann alles mit der Pseudo-Synode von Lviv 1946, die die Ukrainisch-Griechisch-Katholische Kirche gewaltsam dem Moskauer Patriarchat  zusprach, während alle Griechisch-Katholischen Bischöfe unter Arrest standen.

Trotz der Irregularitäten betrachtet das Moskauer Patriarchat die Entscheidungen der Synode immer noch als kanonisch, obwohl sogar jene, die an der Unterdrückung der Union von Brest 1956 beteiligt waren, sagten, daß sie nur mit Hilfe der Geheimpolizei fähig waren, Griechisch-Katholische Priester zur Orthodoxie zu bekehren .


Heute verurteilt die Russisch-Orthodoxe Kirche oft die Terrorakte der Krim-Aktivisten. Nach den Daten der Geheimpolizei jedoch, hat die Russisch-Orthodoxe Kirche aktiv an der gewaltsamen Zerstörung der Ukrainisch-Griechisch-Katholischen Kirche teilgenommen- (cfr Bogdan Bejurkiv, ‘La Chiesa greco cattolica e il regime’ 1939 – 1950, Leopoli 2005). 

Weder die Menge wissenschaftlicher Veröffentlichungen noch die veröffentichten Geheimdokumente haben bisher das Moskauer Patriarchat dazu gebracht, die Wahrheit zu sagen. Und das ist nicht der einzige Fall. 

Die Griechisch-Katholische Kirche wählte die Katakomben.  Sie war seit 1939 darauf vorbereitet, als die Bolschewiken in die westliche Ukraine kamen und der Metropolit Sheptiskij sofort vorhersah, daß eine Repression bevorstand. Sheptiskij schickte einen Brief nach Rom, in dem stand, er sei bereit für die Kirche zu sterben und er sagte 1944 kurz vor seinem Tod schwierige Zeiten für die Kirche vorher.

Seine Gläubigen waren bereit.

Als die Griechischen Katholiken  aus den Katakomben kamen, kämpften sie darum, zurückzubekommen, was ihnen zuvor gehört hatte. Das nennen die Russisch Orthodoxen bis heute Proselytismus.


Dieses Thema war Teil der Gespräche Kardinal Parolins in Rußland. Es zeigt, daß das wahre Probleme immer die Geschichte ist. 

Bis jetzt hat die Ostdiplomatie von Papst Franziskus meistens versucht, konkrete Themen zu behandeln: von der Diplomatie der Reliquien bis zu denen der Ökumene, von der Diplomatie zum Schutz der Christen bis zu der zum Schutz der Familie.
Der Blick auf den Osten besteht im Dialog- wie sowohl der historische Standpunkt als auch die Kommission zeigen, die gegründet wurde, um die Positionen zu Kardinal Stepinac auzuzeigen.

Jetzt warten alle auf eine mögliche Reise von Papst Franziskus nach Rußland. Es gibt die Hoffnung, daß - als Konsequenz der Reise - der Dialog auf beständigere Weise fortgeführt werden wird und eine Versöhnung mit der Geschichte einschließt, bevor eine theologische oder pragmatische Versöhnung stattfinden kann.


Quelle: Monday in the Vatican, A. Gagliarducci


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