Freitag, 4. August 2017

Kirchenhistorische Studien zum Friedenskuss

Father J.Hunwicke geht als studierter und begeisterter Historiker auf seinem blog liturgicalnotes der Geschichte des Vaterunsers und des Friedenskusses in der Liturgie der Kirche nach.
Hier kann man eine Schlußfolgerungen im Original lesen:  klicken.


                        "PAX DOMINI SIT SEMPER VOBISCUM"

"Es scheint einen Konsens darüber zu geben, daß es keine Beweise dafür gibt, daß das Vaterunser vor 350 irgendwo in der Christenheit in der Messe war.
Davor war es ein nicht-liturgisches Gebet, das vielleicht mehrmals am Tag gebetet wurde- privat oder in Gruppen von Gläubigen. Und es gibt Beweise, daß in dieser Periode die Christen, die das Vater-unser miteinander teilten, es mit einem Friedenskuss beendeten.
Das früheste Zeugnis, das ich dafrür kenne, findet sich bei Tertullian. Dann hatte sich die Sitte herausgebildet den Friedenskuss nach dem Vaterunser  auszulassen, wenn gefastet wurde.
Tertullian war damit nicht einverstanden, weil es eine Neigung entgegen Matthäus 6:16 öffentlich mit dem Fasten zu prahlen, offenbare.
Er nennt den Kuß das signaculum orationis: das Siegel (so wie ein Dokument besiegelt werden kann) oder Ende des Gebetes. Rhetorisch fragt er: "Welches Gebet ist vollständig, wenn ihm der Hl. Kuss entrissen wird? Wen hindert der Friedensgruß, wenn er gegenüber dem Herrn seine Pflicht tut? Welche Art Opfer ist es, von dem die Leute ohne Friedensgruß weggehen?
Und einige Paragraphen früher, in denen er über das Beenden von Gebeten spricht, benutzt er den Satz  "assignata oratione" - wenn das Gebet besiegelt ist.
Ebenso kommentiert Origenes den Friedenskuss und bezieht sich auf den Hl. Paulus, der ihn in Römer 16 und anderswo als "nach dem Gebet" beschreibt. Weil der Hl. Paulus nie näher definiert wo der Kuß gegeben werden soll,  Origenes´ "nach dem Gebet bezieht sich vermutlich darauf, daß er seine eigene Zeit hat.

Es ist sehr wahrscheinlich, was damals passierte. Als das Vater-unser in die Messe  eingeführt wurde brachte es das signaculum, den Friedenskuß mit sich. So ist das "pax" in der Liturgie in sich selbst nicht eine versöhnende Vorbereitung der Kommunion sondern das Siegel unter dem Vater-unser und dem Eucharistischen Hochgebet. Wir finden diese Situation im Brief von Papst Innocenz I an Bischof Gubbio aus dem Jahr 416 wiedergegeben. Unruhestifter in Gubbio hatten gesagt, daß es besser sei, die Gebräuche einer anderen Kirche zu befolgen als Dinge zu tun. die zu erwähnen mir nicht erlaubt ist, und die zeigen, daß die Leute allem, was in den Mysterien gestan und in der Kirche zelebriert wird, zugestimmt haben und um zu demonstrieren, daß die durch das signaculum nach dem Paxx beendet werden."
Die Tatsache, daß er den von Tertullian benutzten Terminus signaculum verwendet, läßt vermuten. daß wir es mit einem konventionellen Gebrauch zu tun haben, weitverbreitet genug, um in Rom und Nordafrika während einer Periode von mindestens 200 Jahren üblich gewesen zu sein.

Deshalb scheint die römische Position des Friedenskusses logisch und bedeutend gewesen zu sein, über die Einführung des Vater-unsers in die Messe hinaus. damals, als die Christen sich in kleinen Gruppen trafen um das Gebet der Herrn gemeinsam zu sprechen. Diese Logik war die allgemeine und gemeinsame Teilnahme des Gottesvolkes am Gebet des Herrn. Natürlich schließt das die Wahrnehmung des Friedensgrußes als Geste der Versöhnung unter denen, die als ein Leib, die kurz davor sind in der Eucharistie den einen Leib und den einen Kelch mit dem Blut des Erlösers zu empfangen, nicht aus. Das lassen die letzten Sätze des Gebetes, die die gegenseitige Vergebung betreffen, vermuten.

Aber ich frage mich, ob es eine etwas andere Sichtweise gibt, die hier gültig sein könnte. Könnte sich die Passage aus Tertullian, die ich zitiert habe, sich nicht auf den außerliturgischen Gebrauch des Gebetes der Herrn unter Christen bezogen sondern auf seine Benutzung innerhalb der Messe?
Er scheint über etwas gemeinsameres zu sprechen als nur eine halbprivate Gebetsgruppe. Und bedenken Sie den Satz "was für ein Opfer...?"  und dann gibt es in der Nähe einen Paragraphen, in dem er den Brauch kritisiert, sich nach dem "Pax" hinzusetzen, wenn der Friedenskuss einfach nur eine kleines Gebetstreffen beendet, sollte es den Teilnehmern nicht erlaubt sein, sich hinzusetzen, wenn es einmal vorbei war?

EIn anderes "und" ....Nachdem er seine Mitchristen kritisierte, weil sie mit der Tatsache prahlen, daß sie fasten, fährt er fort "am Paschafest, an dem die Vorschrift allen das Fasten







Another And ... Having criticised his fellow Christians for witholding the Kiss so as publicly to flaunt the fact that they had been fasting, he goes on ' ... on the day of the Pasch, on which there is a rule of fasting which is common to all and as it were public, we rightly drop the kiss, because we don't care about hiding the thing [i.e. fasting] which we are doing with everybody else'. Those familiar with the traditional Roman Rite will recall that, to this day, we do not exchange the Sign of Peace at the Good Friday Mass of the Presanctified, nor at the Mass of the Easter Vigil (even though the celebrant has said the words). This is because we are all deemed to have been fasting.

Questions arise: if the Our Father was within the Mass as early as the time of Tertullian, what does this do to our understanding of the early history of the Liturgy? How are we to fit in the apparently second century evidence for the Peace coming at an earlier point in the Mass? Why should those fasting consider it appropriate to withold the Kiss? What is the relevance of all this to the Eucharistic Fast, first witnessed in North Africa at the end of the fourth century? And does the evidence we have considered derive support from Dom Gregory Dix's compelling theory about the Mass of the Presanctified (i.e., that the third century practice of Christians communicating themselves privately on weekdays from the Host which they had reserved at the Sunday Mass, and blessing by the recitation of the Lord's Prayer and then drinking a cup of wine as an 'antitype' of the Blood of Christ, is found as the Communion Rite of the traditional Roman Good Friday liturgy, simply transferred from the private to the communal context)?

I never cease to be surprised at what I find whenever I delve back into the history of the venerable and wonderful Roman Rite.

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