Sonntag, 20. Januar 2019

M. Tosatti über das Papstwort des Jahres: "Brüderlichkeit"-

Marco Tosatti überläßt heute bei Stilum Curiae wieder Romanus Vulneratus Curia das Wort und läßt ihn das neue päpstliche "Wort des Jahres" (zumindest nach dem Willen des neuen Medienchefs) Brüderlichkeit kommentieren und in einen -vielleicht nicht bedachten- historischen Kontext stellen. 
Hier geht´s zum Original: klicken

"RVC SPRICHT ÜBER DEN PAPST, BRÜDERLICHKEIT UND DARÜBER WAS MAN IN IHREM NAMEN TUT."
"Liebe Stilumcurialisten, Romana Vulneratus Curia hat uns eine sehr interessante Überlegung zum überquellenden Gebrauch des Wortes "Brüderlichkeit" in den letzten Tagen im Vatican geschickt. Nicht daß Brüderlichkeit per se irgendetwas Schlechtes wäre; auch wenn die historischen Beispiele (Kain und Abel, Romulus und Remus und sicher noch andere) vor allem die Schwierigkeiten unterstreichen, als Brüder zusammen zu leben, ohne sich zu erstechen. Und die Volksweisheit (fratelli-coltelli= Brüder-Messer) bezeugt das. Aber lesen Sie RVC. Einen schönen Sonntag! "

"Lieber Tosatti,
ich habe "Settimo Cielo" von Sandro Magister gelesen. Es erscheint mir faszinierend, im  Leitartikel des neuen Direktors des Osservatore Romano über das Konzept des Wortes zu versuchen,  "Brüderlichkeit" als "Wort des Jahres" nach dem Willen des Papstes zu interpretieren. 
Auch definiert als die "neue Grenze des Christentums".
Brüderlichkeit wurde (wie Sie weiter unten lesen können) während seiner Weihnachtsbotschaft "urbi et orbi" gut 12 mal gerufen. Sehr interessant! Aber das Wort Brüderlichkeit ist eng an Gleichheit und Freiheit gebunden (Liberté, Fraternité, Egalité- das Motto der Französischen Revolution). 
Meine Zusammenfassung der Interpretationen dieser neuen Botschaft des Papstes, die von den meisten (auch von Magister) unbemerkt geblieben ist folgende: die Brüderlichkeit, die heute universale Solidarität des Global Impact bedeutet, ist die notwendige Folge der Gleichheit der Migranten, der zu widersprechen, keinerlei Freiheit zugestanden werden wird. Versuchen wir das besser zu erklären. 
Sandro Magister bezieht seine Inspiration aus dem Wechsel der Leitung des Osservatore Romano und berichtet, daß der neue Direktor als Erstes ankündigt, daß er Papst diese, von der Französischen Revolution gepriesene Brüderlichkeit "aus dem Schlaf wiedererwecken " will (man beachte diesen Ausdruck), jene neue Grenze des Christentums.



Gut, aber Brüderlichkeit (allein) ohne Freiheit und Gleichheit ist nicht leicht zu erklären. Brüderlichkeit im revolutionären Sinn nimmt laut der- von der Aufklärung inspirierten- Menschenrechtserklärung - man beachte den Zufall- die von Jesus Christus bestätigte Goldene Regel wieder auf: "...alles, was ihr wollt, daß euch die Leute tun, das sollt such ihr ihnen tun..." (Matt. 7,12) 

Weil wir gewohnt sind, die Erklärungen des Papstes interpretieren zu müssen, stellen wir fest, daß diese Definition von Brüderlichkeit, die evangelisch ist, notwendigerweise zu akzeptieren ist und nicht zur Diskussion steht,  aber der Direktor des Osservatore vergißt, die beiden anderen Parolen Gleichheit und Freiheit, die an die Brüderlichkeit gebunden sind. 
So ist Gleichheit- die in der Menschenrechtserklärung vorausgesetzt wird- derer, die Hilfe brauchen, ohne große Zweifel als Gleichheit der Migranten zu verstehen. 
An diesem Punkt wird die Erklärung in "urbi et orbi" klarer, aber das reicht nicht. 
Auch der Begriff Freiheit muß in diesem Kontext interpretiert werden.  "Freiheit" ist eng mit dem Terror-Regime von Robespierre verbunden, der sie mit diesem äußerst klaren Zusatz in ihr Gegenteil verkehrte:  "aber ..keine Freiheit für die Feinde (der Revolution?) "
Jetzt erlaubte diese Umwandlung unserem Robespierre (sagt man) 300.000 Dissidenten oder Konterrevolutionäre , von denen mindesten 30.000 hingerichtet wurden, gefangen zu setzen. Dann ließ er auch viele "Moderate" (wie Danton, Lavoisier, Desmoulins, Filippe Egalité) guillotinieren.
Am Ende erfand Robespierre - um sich mit der gemäßigten und religiösen Welt zu versöhnen- ein "höchstes Wesen" (eine Art von Deismus), das die Kohäsion zu einem abstrakten sozialen Begriff vorschlägt: eben die Brüderlichkeit. 
Sieht das nicht wie eine Rekonstruktion à la Sherlock Holmes aus? Aber was ist heute die Brüderlichkeit der Französischen Revolution wirklich?  
Heute ist Brüderlichkeit universal und die der Solidarität gegenüber den Migranten ist der von der UNO und ihren Satelliten Unesco, Unicef, FAO etc. gewollte "Global Impact" . Und es ist leicht zu verstehen, das diese Brüderlichkeit so enden wird, wie die von Kain und Abel endete. 
 
Das ist nur außerhalb der Überlegungen von Andrea Tornielli geblieben, der-wie der Osservatore Romano schreibt- die "kirchenpolitische Linie" vorgeben wird. Vielleicht denkt Tornielli an den berühmten Pisaner Intellektuellen Filippo Buonarroti (Nachkomme von Michelangelo) und großen Bewunderer und Verbreiter der Gedanken Robespierres. Was sagen Sie Tornielli? "

RVC

Quelle: Stilum Curiae, M.Tosatti

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