Samstag, 18. Mai 2019

Neues und nicht so Neues vom Malteser Orden

Nach der Wahl einer neuen Führung für den Malteser Orden vom 1. Mai kommentiert Steve Skojec für OnePeterFive den Stand der Dinge im Orden und legt noch einmal die dahinter liegende Entwicklung dar.
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"DIE MALTESER RITTER UND DER TOD DER RITTERLICHKEIT"

Am 1. Mai hat der Souveräne Militärorden von Malta, der gerade die tumultöseste und turbulenteste Periode seiner mehr als 900-jährigen Geschichte durchlebt hat, sein Generalkapitel durchgeführt. Ziel: die Wahl einer neuen Führung. Am Ende der Wahl ist eine Sache klar geworden: die Übernahme der Malteser Ritter ist jetzt vollendet.

Es war die erste Wahl seit dem Staatsstreich im Januar 2017, währen dem Fra Matthew Festing, der englische Großmeister des Ordens und Mann mit einer beeindruckenden Geschichte des Dienens, von keinem geringeren als Papst Franziskus gezwungen wurde, zurückzutreten. Es wäre fast unmöglich den Grund für seine Entfernung zu glauben, wäre die während unter der Führung eines anderen Papstes passiert: er hatte versucht, den Großkanzler des Ordens, Baron Albrecht von Boeselager zu entlassen, weil der für eine großangelegte Verteilung von Kondomen durch den caritativen Arm des Ordens verantwortlich war. Boeselager weigerte sich, zu gehen und appellierte an den Vatican.

Es scheint tatsächlich so als habe Boeselager eine Trumpfkarte in Händen gehalten: ein Erbe  von rund 30 Mio Schweizer Franken von einer wohltätigen Stiftung.
Boeselager hatte die Angelegenheit mit Bedacht behandelt und einen Plan aufgestellt, der angeblich die Aufhebung einer Klage gegen den Treuhänder vorsah, die wegen unangemessener Geschäftsführung eingereicht worden war, und stattdessen eine Vereinbarung über die Auszahlung des Geldes ausgehandelt, ohne dass Fragen gestellt wurden.
Der Vatikan schien bereit zu sein, einen Teil des Geldes abzuziehen, ebenso ein gewisser päpstlicher Nuntius in der Schweiz. Wenn Boeselager entlassen worden wäre, hätte sich das Geschäft zumindest auf unbestimmte Zeit verzögert, weil Großmeister Festing daran glaubte, die Dinge ordnungsgemäß zu tun. 





Diese Überlegung scheint für Kardinal Parolin, den Staatssekretär, wichtiger gewesen zu sein als die Durchsetzung der kirchlichen Morallehre. In einem präzedenzlosen Eingreifen in die inneren Angelegenheiten einer Organisation mit souveränen Status des Internationalen Rechts, ordnete Kardinal Parolin an, daß der Orden Boeselagers Entlassung rückgängig machen sollte. Einige Tage später berief Papst Franziskus Fra Festung in den Vatican und sagte ihm, er solle als Großmeister zurücktreten und Boeselager solle
wieder eingesetzt werden. Der Papst forderte auch, daß Fra Festing in seinem Rücktrittsbrief schreiben solltem daß der Großmeister die Entlassung von Boeselagers unter dem Einfluss von Kardinal Raymond Burke, dem Ordenspatron, gefordert habe, ein Vorwurf, den Kardinal Burke glatt geleugnet hat. 

Boeselager seinerseits wollte nicht, daß die Öffentlichkeit glaubte, daß er von den Kondomen wußte oder seine Hände in der Nähe des Geldes gehabt habe und versuchte, die Österreichische Katholische Nachrichten-Organisation kath.net wegen des Berichtens dessen, was bereits in der Presse stand, zu verklagen. Unglücklicherweise für ihn, lehnte ein Österreichisch Gericht die Klage ab mit dem Hinweis daß es nach Überzeugung der Kammer zwingende Schlussfolgerung sei, daß der Kläger selbst für alle oben genannten Anschuldigungen verantwortlich ist, was notwendigerweise auch seine Kenntnis aller relevanten Umstände einschließt."

Für den Vatican scheint die Frage nach Boeselagers Schuld für das Vorgehen irrelevant gewesen zu sein. Wieder sehen wir einen Triumph, der für das Papsttum von Franziskus typisch ist- einen, für den die katholische Morallehre wenig zählt, Geld oder Ideologie aber viel. Wir dagegen glauben, daß ein religiöser Führer, der versucht hatte, die Morallehre der Kirche durchzusetzen, bestraft wurde, der man der sie verletzt hatte aber wieder eingesetzt.

De facto mehr als wieder eingesetzt, weil es so aussieht. da´Boeselager , der die rangniedrigere Position des Großkanzlers (=Premierminister) des Ordens einnimmt- trotzdem die Gesamtkontrolle über den Malteser Orden hat- mit Rückendeckung des Vaticans.
Der neue Großmeister, der Festing ersetzte, Fra Giacomo dalla Torre wird von Insidern des Ordens als unbedeutend betrachtet, der weder den Willen noch die Fähigkeiten besitzt um seinem mächtigen Untergebenen entgegen zu treten.

Der Weg endet dort nicht. Der souveräne Rat des Ordens - seine Regierung- hat 10 Mitglieder. 3 von ihnen, Festings führende Unterstützer, Fra´Duncan Gallie, Fra´John Critien und der Amerikaner Geoffrey Gamble- sind entfernt worden und durch Mitglieder ersetzt worden, die nem neuen Regime angenehmer sind.

Auf dieser Weise wurde eine "Reinigung" der alten Ordensleitung vollendet. Es lohnt sich, zu untersuchen wie.

Tatsache ist, das der Coup von 2017 nicht aus heiterem Himmel kam. Seine Grundlagen wurden-. wie Insider wissen- mit der Wahl 2014 gelegt, als Baron von Boeselager erstmals ins Amt des Großkanzlers kam. Sein Aufstieg als Kandidat der mächtigen deutschen Lobby im Orden begann , die hiermit einen präzedenzlosen Sieg errang. (Wir haben über ihren Einfluß in der Festing-Boeselager-Saga berichtet)
Wie bei der Deutschen Bischofskonferenz ist die Machtbasis der deutschen Ordensfraktion das Geld:
die deutsche Gruppe ist die reichste der 47 nationalen Vereinigungen des Ordens, insofern sie sich üppiger Unterstützung durch die Deutschen Regierung erfreut, ein Vorteil den kein anderes Kapitel genießt. Die deutschen Ritter unter der Führung ihres Vorsitzenden Prinz Erich Lobkowicz nutzten diese Machtstellung aus und erreichten mit der Wahl Barons von Boeselager einen weiteren, entscheidenden Erfolg.

Vor dieser Wahl hatte von Boeselager die Stellung eines Hospitalliers inne, deshalb war er für die caritative Tätigkeit des Ordens verantwortlich- durch die die Verteilung der Kondome erfolgte, derer er bezichtigt wurde. Als er zum Großkanzler gewählt werden wollte, trat ihm- sagen Insider-  Festing entgegen, nicht weil zu der Zeit schon von dem Kondomskandal wußte, sondern weil er von Boeselger als für den Posten ungeeignet ansah. Unglücklicherweise wurde die Wahl schlecht gehandhabt.  Festing und seine Unterstützer machten taktische Fehler und die Deutschen wqren gut organisiert und bereit zuzuschlagen. So wurde Boeselager nicht nur zum Großkanzler gewählt, sondern auch zwei weiter Deutsche in den Souveränen Rat gewählt, die Grafen Henckel und Esterhazy. So hatten die Deutschen mit drei Mitgliedern in einem regierenden Rat eine größere Repräsentanz als jedes andere Land. Als ob das noch nicht genügte, waren zwei weitere der gewählten Mitglieder ebenfalls Kandidaten der deutschen Lobby- was den Deutschen de facto fünf von zehn Stimmen einbrachte. Dieser Erfolg soll sogar die Deutschen überrascht haben.
Laut Kreisen, die Prinz Lobkowicz nahe stehen, soll er das zu de Zeit so kommentiert haben: "Dafür wird ein Preis zu zahlen sein."
Er wußte nicht, wie Recht er hatte.
Ergebnis dieses frühen Sieges war- daß als 2016 der Kondom-Skandal ans Licht kam, Festing die Hände gebunden waren.
Gemäß der Ordens-Verfassung erfordert die Entlassung eines ranghohen Offiziers eine  2/3-Mehrheit im Rat. Die wurde aber von den deutschen Stimmen blockiert. Festing versuchte deshalb die Prozedur zu beenden, indem er Baron von Boeselager auforderte -gemäß seines religiösen Gehorsamsversprechens (nach den Ordensregeln zugelassen, aber nur wenn durch moralische  Gründe gerechtfertigt)- zurückzutreten. Das war letztendlich eine ungewöhnliche Ausübung der Autorität des Großmeisters, die es von Boeselager ermöglichte an den Vatican zu appellieren. Wäe vom Rat so gestimmt worden, hätte er keine Widerspruchsmöglichkeit gehabt.

Ergebnis des Ganzen war- wie sie jetzt wissen- daß Papst Franziskus nicht nur von Boeselager wieder einsetzte, sondern den Großmeister, der versucht hatte, ihn zu zügeln, zwang zurückzutreten-
 durch eine in der langen Ordensgeschichte präzedenzlose Aktion, die auch bei Kirchenrechtlern, die mit der Stellung des Ordens innerhalb der Kirche vertraut sind, umstritten war.
Als Nutznießer dieses Coups hat von Boeselager Versuche unternommen, in einigen Instanzen auf geschäftlicher Ebene, die Kritik zum Schweigen zu bringen und den Widerstand derer zu brechen, die glaubten, daß Festing im Recht sei.  Er verfolgte eine Politik der Drohung gegen  Journalisten, die ungünstig über seinen Fall berichteten, als er die oben erwähnte Verleumdungsklage gegen kath.net wegen bloßer Wiederholung eines in der deutschsprachigen Zeitung Bild veröffentlichten Berichts erhob. (Es ist bemerkenswert, dass Boeselager nicht gegen Bild selbst klagte, das über mehr Ressourcen verfügte, um sich zu wehren.) Nachdem das Gericht in Hamburg die Klage von Boeselager abgewiesen hatte - eine Entscheidung gegen die er nicht Revision einlegte- haben sich die
im Malteser Orden., die die rechtliche Bedeutung des Falles verstanden, sich gewundert, daß er nicht zurückgetreten ist. Insider berichten, daß von Boeselager im Orden "Kondomlager" genannt wird. in Bezugnahme auf den Skandal, den er erfolgreich ach seiner triumphalen Rückkehr begrub. Aber seine eisenharte Kontrolle des Machtapparates des Ordens hat- wie man mir berichtet- es Boeselager erlaubt- diese kritischen Stimmen zum schweigen zu bringen und seine Macht und seinen Einfluß weiter auszudehnen.
Und das hat er getan.
Bei der Wahl im Mai hat er sich eine weitere 5-jährige Amtszeit als Großkanzler gesichert. Der deutsche Machtblock von 2014 hat wieder gesiegt. Prinz Lobkowicz soll die Vertretung der Nationalen Vereinigungen des Ordens managen, deren Dekan er ist. Diese Vorsitzenden repräsentieren den säkularen Zweig im Wahlgremium, dessen andere Mitglieder entweder Mönche sind (die geweihten Ritter) oder das Gelübde des religiösen Gehorsams abgelegt haben.

Aber die Deutschen waren mit diesem Vorteil nicht zufrieden. Großmeister dalla Torre, der -wie Kritiker sagen- jetzt als  Marionette von Boeselagers handelt, hat während der Wahl zwei geweihten Rittern befohlen, ihre Kandidatur zurück zu ziehen. Weil sie sich durch ihr Gehorsamsgelübde gebunden fühlten, taten sie das. so wie es Boeslager nicht tat, als er sich 2016 weigerte, Großmeister Festings Anordnung zu gehorchen.
Der kritische Unterschied dabei ist, daß Festing durch die Ordenregeln gerechtfertigt war, eohingegen dalla Torres Befehlt, das kanonische Recht verletzt, das die Freiheit der Wahl für jeden religiösen Orden garantiert. Unter dem gegenwärtigen Regime im Vatican gibt es jedoch keine Hoffnung auf einen Widerspruch gegen diesen Mißbrauch.
Es lohnt sich jedoch zu fragen, wie lange die aktuelle Führung des Ordens sich auf diese Unterstützung verlassen kann, die für ihre Machtübernahme so essentiell war. Immerhin leben Päpste nicht ewig.

Zur Zeit haben die von Boeselager und seinen Parteigängern entwickelten Methoden die Opposition niedergewalzt. Beim GEneralkapitel haben sie eine Liste mit den Kandidtan erstellt, die sie für die Wahl für die vier hohen Ämter für geeignet hielten; die übrigen sechs Mitgleider des Souveränen Rates und die sechs Mitglieder der Regierungssrates, die eine dienende Rolle haben. Von denen wurden-gemäß ihrer Forderung- alle vier gewählt- zusamen mit fünf von sechs Mitgliedern des Souveränen Rates und allen sechs Mitgliedern des Regierungsrates. Die Erinnerung an eine kommunistische Nomenklatur ist schwer zu vermeiden.

Obwohl viele Malteser Ritter von em, was in ihrem geliebten Orden passiert, zutiefst beunruhigt sind, ist es den Deutschen gelungen, jede wirkungsvolle Opposition in ihrer Entstehung zu zermalmen. Fürst Lobkowicz früherer Kommentar vom 2014 war, daß "dafür ein Preis bezahlt werden muß". Das trifft noch stärker auf zweierlei zu, den Coup von 2017 und ihren jüngsten Wahlsieg- die beide den Eindruck einer Übervorteilung machen.
Bisher waren die einzigen Ordensmitglieder, die einen Preis bezahlen mußten, Fra´Festing und seine Getreuen und das nur dafür, daß sie an der Moral und den Standards des Ordens festgehalten haben.

Die Schwäche des neuen Regimes scheint gerade darin zu liegen, wie abhängig sie von der Gunst des gegenwärtigen Vaticans ist. Wenn sich die Macht beim Hl. Stuhl verschiebt, und das ist sicher eine Frage es wann, nicht des ob, wird Großkanzler von Boeselager vielleicht herausfinden, daß er nicht nur wegen der Fehler, für die Fra´Festing ihn 2016 zur Rechenschaft zog, antworten müssen wird, sondern auch auf die Art und Weise, wie er dafür Vergeltung gesucht und wie er den Orden seither geleitet hat."

Quelle: OnePeterFivde, S. Skojec

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