Montag, 23. März 2020

Der Papst, die Kirche und das Coronavirus

In seiner heutigen Kolumne für "Monday in the Vatican" kommentiert A. Gagliarducci die Entscheidungen und die Reaktion des Pontifex und der Kirche auf die Coronavirus-Epidemie.
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"PAPST FRANZISKUS UND DIE ANTWORT AUF DAS CORONAVIRUS"

Die Gesten kamen am Ende einer besonders turbulenten Woche. Als die Italienische Regierung ihre Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie erließ, folgte die Kirche in Italien diesen Anordnungen sagte sofort öffentliche Messen und jede andere Möglichkeit sich zu versammeln ab.

Am 12. März erklärte eine Verlautbarung der Italienischen Bischofskonferenz, daß die Kirchen, die bis dahin für private Gebete geöffnet waren, geschlossen werden sollten. Der Grund dafür- sagten die Bischöfe- ist nicht, daß der Staat uns dazu zwingt, sondern aus dem Gefühl heraus zur menschlichen Familie zu gehören, die einem Virus ausgesetzt ist, dessen Antur und Verbreitung unbekannt sind.

Am Abend des 12. März beschloss Kardinal Angelo De Donatis, der Vikar des Papstes für die Diözese Rom die Schließung aller Kirchen seiner Diözese.

Am 13. März sagte Papst Franziskus während seiner Morgenmesse in Santa Marta, daß "drastische Maßnahmen  nicht immer gut sind" Diese Worte schienen die Entscheidung seines Vikars zu kritisieren.

Kurz danach erließ Kardinal de Donatis ein neues Dekret, die Pfarrkirchen für einzelne Beter zu öffnen.  In der Anordnung stellt Kardinal De Donatis fest, daß er diese Entscheidung am Tag zuvor gemeinsam mit dem Hl. Vater getroffen habe. 

Was ist zwischen dem 12. und 13. März passiert?  Viele Dinge. Kardinal Konrad Krajewski, der Almosenier des Papstes, gehorchte dem Dekret von Kardinal de Donatis nicht und öffnete die Kirchen, deren Rektor er ist, um den Menschen Mut zu machen. Msgr. Ioannis Lahzd Gaid, der Sekretär  des Papstes, hatte eine persönliche Überlegung sich vor einer Epidemie der Angst zu hüten geschrieben und diese Überlegung wurde veröffentlicht. Beide stehen dem Papst sehr nahe. Es ist leicht, sich eine lebhafte Diskussion über die Maßnahmen und Ereignisse vorstellen. 





Noch  einmal. Es ist verblüffend, daß es keine einheitliche Linie des Handelns gibt. Es ist auch verblüffend, daß die Entscheidung die Kirchen zu schließen getroffen wurde, ohne eine entscheidende Tatsache zu bedenken: die Souveränität des Hl. Stuhls,.

Was in St. Peter passierte ist aufschlussreich. Der Petersplatz erfreut sich einer Art Doppelsouveränität. Eigentlich ist es unbezweifelbar Vatican-Gebiet aber der größte Teil fällt unter ide Jurisdiktion der Italienischen Polizei- wenn der Papst nicht auf dem Platz ist. Wenn der Papst auf dem Platz ist, fällt der Petersplatz unter die Jurisdiktion der Vatican-Polizei. 

Die Italienische Polizei hat die Zugänge zum Platz blockiert, um Menschenansammlungen zu vermeiden wie es das Dekret der Italienischen Ministerrates vorsieht.
Die Zugänge zu, Platz zu blockieren, bedeutet jedoch, die Menschen daran zu hindern, den Peterplatz zu erreichen.

Erst danach veröffentlichte das Pressebüro des Hl. Stuhls  ein Statement, daß der Hl. Stuhl  in voller Übereinstimmung mit den Bestimmungen des Italienischen Staates handle." Wenn es da eine völlige Übereinstimmung gab, so hatte die einen hohen Preis.

Es geht nicht darum, wie wirr die Reaktion auf die Coronavirus-Krise ist. Das Problem ist, daß die Kirche in einem Notfall nicht daran denkt, das zu verteidigen, was sie verteidigen muß : die Freiheit des Kultus. 

Der Fall Italien ist ein gutes Beispiel. Das italienische lock-down ist sehr strikt. Man kann sich nicht ohne zwingende Gründe frei bewegen, Unter den "zwingenden Gründen" wird der Gottesdienst nicht erwähnt. Dennoch steht das Recht auf den Kultus in der Italienischen Verfassung.

Was tun die Gläubigen also, wenn sie zu Beichte gehen müssen? Was macht ein Priester, wenn er gehen muß, um einem Kranken, die Krankensalbung zu spenden? Wenn die Polizei fragt, kann man sagen, daß es einen zwingenden Grund gibt. Weil aber der Gottesdienst um Gesetz nicht bedacht wird, würde ein "bissiger" Polizist den Priester sogar bestrafen oder verhaften.

Das Thema ist also nicht. ob die Kirchen geschlossen werden oder ob man öffentliche Messen zuläßt oder nicht. Die Kirche kann autonom entscheiden, ob sie das tut oder nicht. Wie die Italienische Bischofskoinferenz erklärte, daß wenn due Kirche beschließt, die Anweisungen des Staates zu befolgen, sie das wegen der Verantwortung gegenüber den Menschen tut. 

Die Kirche sollte jedoch klarstellen, daß die Kultusfreiheit garantiert ist. Die Kirche sollte
den Staat bitten, klar zu machen, daß es nicht die Pflicht gibt, Messen formal zu verbieten.
Die Kirche hätte dem Erlass der Regierung vehement widersprechen müssen, der das Thema Gottesdienst unerwöähnt läßt. Dieser Erlass schafft einen Präzedenzfall. Wenn der Italienische Staat eines Tages die Kultusfreiheit verweigern will, wird es leicht sein, an diese vorangegangene spezielle Situation zu erinnern. 

Ortskirchen ergreifen überall in der Welt ähnliche Maßnahmen. Der Hl. Stuhl sollte immer klar machen, daß das Entscheidungen sind, die dem Recht auf die Kultusfreiheit nicht widersprechen. Der Hl. Stuhl sollte handeln und den Staat auffordern, die Kultusfreiheit formal zu garantieren.

Das ist ein hochgradig wichtiges diplomatisches Thema, das überschattet ist. Der Grund dafür ist, daß die Kirche nicht aus institutioneller Perspektive betrachtet wird. Die Kirche hat keine generelle Richtlinie, weil es keine klare institutionelle Linie gibt.

Schockierenderweise haben die verschiedenen Vereinigungen Katholischer Juristen zum Thema geschwiegen,. Es scheint so, daß nicht nur die Souveränität des Hl. Stuhls auf dem Spiel steht, sondern auch die Kultusfreiheit. 

Das könnte als ein nebensächliches Problem erscheinen, weil wir eine Gesundheitskrise erleben. In dieser Welt kann jedoch jede Gelegenheit als Vorwand benutzt werden, um religiöses Institutionen anzugreifen. Es gibt viele Präzedenzfälle. Der letzte war der UNO-Bericht vom 2. März zur Religionsfreiheit, in dem auch betont wird, daß die Relgionen gezwungen werden sollten, doktrinale Änderungen zu alzeptieren um die neue Rechte anzuerkennen, namentlicj die der LGBT. 

Alles ist am Ende miteinander verbunden. Dennoch wurde die Diskussion auf eine Debatte zwischen denen reduziert, die für oder die gegen die Kirche sind. Die pastorale Versorgung ist lebensnotwendig und es wäre in Ordnung gewesen, wenn die Kirche Wegen beschlossen hätte, diese Situation von einem pastoralen Gesichrtspunkt aus anzugehen.

Eine institutionelle Versorung ist jedoch ebenso wichrtig wie die patorale Verworgung. Die Institution schützt die Priester. Wenn die Instituion ihre Rechte nicht verteidigt, wird sie verstümmelt. Und so könnte das Coronavirus eine Möglichkeit schaffe, die Kultusfreiheit zu begrenzen,. Trotz der gro0en Gesten von Papst Franziskus.  und Trotz der Priester, die immer an vordeester Front stehen, um zu helfen und den Bedürftigsten die Sakramente zu bringen. 

Quelle: A. Gagliarducci, Monday in the Vatican 
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