Montag, 13. April 2020

2020- ein anderes Osterfest

In seiner heutigen ostermontäglichen Kolumne für Monday in the Vatican analysiert und kommentiert A. Gagliarducci die momentane Situation der Kirche und des aktuellen Pontifikates in einer von der Coronavirus-Pandemie gekennzeichneten Osterzeit.
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"PAPST FRANZISKUS, EIN ANDERES OSTERN"

Die Nachricht vom Freispruch Kardinal George Pells vom Vorwurf des sexuellen Mißbrauchs  am in der Karwoche.  Nach 400 Tagen im Gefängnis wird Kardinal Pell in der Lage sein, die Messe zu feiern und sein Freiheit zu genießen.

Der Freispruch für Kardinal Pell kan n jedoch nicht als Sieg betrachtet werden, Kardinal Pell hat seinen Ruf verloren. Er hat 400 Tage im Gefängnis verbracht, und niemand kann ihm diese tage je wiedergeben. Es gibt eine Untersuchung gegen ihn im Vatican. wo ihm auch ein kanonischer Prozess bevorsteht. Wenn es einen zivilen Schuldspruch gibt, beginnt die Glaubenskongregation auch  ein Kanonisches Gerichtsverfahren- Was passiert, wenn das Urteil des Zivikgerichts aufgehoben wird?

Kardinal Pells Freispruch kann nicht als Sieg für die Kirche betrachtet werden. Der Hl. Stuhl hat den Fall vorsichtige gehandhabt und immer sein volles Vertrauen in die Australischen Autoritäten bekräftigt. Es war nötig, das festzustellen.  Die Wahrheit muß gesagt werden,  sogar Papst Franziskus benahm sich korrekt. Kardinal Pell hat seine Ämter im Vatican aufgegeben, weil er das Pensionsalter  oder weil seine Amtszeit abgelaufen ist und nicht wegen des jetzt aufgehobenen Schuldspruchs. Der Hl. Stuhl hat immer versucht, die persönliche Situation des Kardinals von seiner institutionellen Rolle zu trennen.  

Trotz alledem ist der Eindruck entstanden. daß die Kirche unfähig ist, sich gegen sie verfaßte Narrative zu wehren.  Die Reaktionen auf den Freispruch Kardinal Pells waren lauwarm und auch jene, die der Bestätigung des Schuldspruchs des Appellationsgerichtes folgten waren schwach.
Jede Erklärung zum Thema Mißbrauch muß von einigen Sätzen begleitet werden. die das Bemühen der Kirche unterstreichen, den Opfern zuzuhören und die Scham der Kirche wegen der Mißbrauchsfälle auszudrücken. 

Dasselbe passierte mit Kardinal Philippe Barbarin, Erzbischof von Lyon. Kardinal Barbarin wurde vom Vorwurf der Vertuschung von Mißbrauchsfällen freigesprochen. Direkt nach seinem Freispruch trat Kardinal Barbarin zurück. Papst Franziskus nahm den Rücktritt zunächst nicht an,aber der Kardinal insistierte und dann wurde er akzeptiert.

Am Ende weigerte sich Kardinal Barbarin am Medienpranger zu stehen und konnte nicht akzeptieren, daß es Zweifel an seinem Verhalten gegeben hatte.

Die Kardinäle Pell und Barbarin sind nur zwei hochrangige Beispiele, Teil einer Galaxie ähnlicher Situationen.

Am 19. März hat Papst Franziskus Bischof Patrick O´Regan zum neuen Erzbischof von Adelaide /
Australien ernannt. Der Bischofssitz war seit eineinhalb Jahren vakant. Am 30. Juli 2018 war Erzbischof Philip Wilson zurückgetreten, nachdem er der Vertuschung von Mißbrauch für schuldig befunden worden war. Er war der höchstrangige Vatican-Offizielle, der wegen Vertuschung verurteilt wurde. Nachdem er 4 Monate im Gefängnis zugebracht hatte, wurde Erzbischof Wilson freigesprochen, weil es "vernünftige Zweifel" daran gab, daß er dieses Verbrechen begangen habe. Diese Nachricht erreichte praktisch keine Medienaufmerksamkeit. 

Die Kirche, die Ostern in Zeiten des Coronavirus feiert, ist eine Kirche im Belagerungszustand. Die von einem unsichtbaren Feind, der ihnen die öffentliche Feier der Sakramente nicht erlaubt,
geleerten Kirchen sind zufällig ein guter Maßstab für ihre Situation.

Der Hl. Stuhl war in letzter Zeit, was die institutionellen Belange angeht, alles andere als stark.
Was nun das Corona-Virus betrifft, hat der Hl. Stuhl die Anordnungen der örtlichen Magistrate befolgt. Es fiel jedoch auf, daß der Heilige Stuhl für diese Bestimmungen keine Erwähnung der Religionsfreiheit forderte. Es sei daran erinnert, daß es bei der Religionsfreiheit nicht um die Möglichkeit geht, daß ein Priester die Messe feiert, wie er dies privat tun kann. Es geht darum, daß Feiern öffentlich abgehalten werden können und die Menschen frei daran teilnehmen können. Die Religionsfreiheit ist ein Recht, das auch gemeinsam genossen werden kann, und sie ist Teil der Religionsfreiheit, des „Rechts auf alle Rechte“.

Die Kirche erreichte dieses Ostern indem sie den Eindruck einer Kapitulation erweckte.
Es ist eine Kirche, die sich angesichts der Fehler einiger ihrer Mitglieder ergeben hat. Es ist eine Kirche, die nicht mehr zwischen Menschen und Institutionen unterscheiden kann. Aus diesem Grund verteidigt die Kirche die Institution nicht, wenn Personen dieser Institution Verbrechen begehen oder Fehler machen.

Die Handhabung der Fälle der Kardinäle Pell und Barbarin geht Hand in Hand mit der der Coronavirus-Krise. Beide Situationen sind Hinweise auf das Fehlen institutionellen Denkens.

Das ist angesichts der gegebenen Lage paradox. Die Bischöfe sind den Menschen nie so nahe gewesen wie jetzt, sie waren nie so sichtbar. Messen werden dauernd in den sozialen Netzwerken
übertragen. Dennoch fehlt die Realpräsenz und der Sinn der Eucharistie. Es gibt keine Möglichkeit das online zu überwinden.

Papst Franziskus selbst hat versucht, mehr präsent zu sein. In den letzten drei Wochen gewährte er vier Interviews; er wollte, daß seine morgendliche Messe jeden Tag live übertragen wird, er versucht, eine Botschaft der Hoffnung zu verbreiten.

Es fehlt jedoch die Anwesenheit der Kirche als Institution. Jeder - Bischöfe und Priester - scheint allein und ohne Koordination zu handeln. Wir können keine einheitliche und starke Botschaft finden.

Sicher, es ist nicht mehr die Zeit einer triumphierenden Kirche. Es ist zweifellos eine nachgiebigere Kirche, und zwar nicht nur, wenn Nachgeben erforderlich ist. Die Kirche hat anscheinend nichts weiter zu sagen und hat sich irgendwie an die Sprache der Welt angepasst.

Das scheint eine harsch formulierte, harte Analyse zu sein. Dann denke ich, daß Joseph Ratzinger diese Situation bereits 1969 in einer Reihe von Radiointerviews zu Weihnachten vorausgesehen hat. Bei diesen Statements sagte Ratzinger, daß die Kirche einige der Strukturen verlieren würde, die sie in Zeiten des Wohlstands hatte. Die Kirche werde aus der Krise heraus eine kleine Kirche mit weniger Gläubigen und weniger sozialen Privilegien werden. Eine Kirche, die am Ende fast der Welt ausgeliefert ist. Das ist das Schicksal einer weltlichen Kirche, die mehr an die Wirksamkeit ihrer Strukturen als an den Glauben glaubte.

Aber Ratzinger wußte, daß die Welt früher oder später den Blick auf diese kleine Gruppe von Menschen richten würde, die immer noch glauben. Die Kirche wäre dann auferstanden, spiritueller, lebendiger als zuvor. In diesem Moment der Krise, in dem unsere Kirchen leer sind, ist dies eine echte Botschaft der Auferstehung. Frohe Ostern!

Quelle: Monday in the Vatican, A. Gagliarducci

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