Samstag, 9. Januar 2021

Das Schwerste am Christentum

 sind nicht die üblichen Gähnthemen rund um den Unterleib, auch nicht die Themen, die sich von der unterschiedlichen Ausstattung dortselbst ableiten, und es sind auch nicht die ernsthafteren Themen rund um Macht und deren immer falschen Gebrauch, es sind auch nicht die Themen, die sich um das drehen, was ich den "Fußballvereinsaspekt der Kirche" nenne, also das Ganze wo es um Amt und Gebäude und den ganzen Orgakarm geht, und noch  nicht einmal liturgische Themen. Das Schwerste am Christentum ist etwas, was in der ganzen Diskussion, soweit ich das überblicke, überhaupt nicht zur Sprache kommt, aber dessen falsches Verständnis hinter oder unter all den öffentlich diskutierten Themen liegt.

So ich hoffe ich nun  mich  kryptisch genug ausgedrückt zu haben, um den Leser zum Weiterlesen zu animieren :-))

Das Schwerste am Christentum ist meiner Ansicht nach, dass es so einfach ist, man einfach nur annehmen muss, dass Christus einen erlöst hat!

 

Und das, was sich auf den ersten Blick, so banal, so poppelig anhört, ist bei Licht betrachtet, total schwer. Dieses Schwere ist aber nichts als biblisch! Wenn Christus heilt, macht er kein Gedöns, keine komplizierten Gesten, braut keine Tränke mit exotischen Zutaten, zerreibt keine teuren Materialien und schmiert sie auf die Geschwüre, nein, er sagt "Geh!". Das komplizierteste zu was er sich hinreisen lässt ist, in den Staub spucken und  den mit Spucke vermischten Staub auf das blinde Auge legen.

Man versteht die Enttäuschung des Syreres Naaman, dem Elischa sagt "Geh und wasch dich im Jordan" und nachdem die Heilung erfolgt ist, nichts, aber auch gar nichts dafür will, weil, im Gruned völlig logisch, er hat ja nichts gemacht. Dennoch und auch das ist wichtig, es wird nicht jeder der zu Elischá kam geheilt und außer von Naaman ist von keinem anderen Kranken berichtet den das Jordanwasser geheilt hat.  Auch und wenn sich die Tuafe des Johannes im Jordan wohl genau darauf bezieht.

Also es ist alles total easy, fast billig, was auch nicht weiter verwunderlich ist, sagt doch Christus selber, "Umsonst habt ihr bekommen!" 

Nun aber das aber: man muss es "nur" wirklich annehmen, dazu gehört als allererstes dass man sich selber annimmt und zwar nicht so wie man gerne wäre, sondern so wie man ist.

Daraus folgt dann die frustrierende Erkenntnis, dass  man so wie man ist, nicht nur nicht so ist, wie man selber gerne wäre, was schon, wie gesagt recht frustrierend ist, Nein es kommt noch schlimmer, man erkennt dann leider auch, dass  weder das eine noch das andere, also das so sein wie man ist, und das so sein wie man gerne wäre, das Sein ist wie einen Gott gerne hätte.

Ist man soweit, so kommt die sehr schmerzhafte und total uncooole Erkenntnis dazu, dass man, zwar bei allen anderen recht schnell herausfindet wie die doch bitte zu sein haben, und dass es doch für andere  eigentlich ganz einfach wäre, so zu sein, wie sie vor Gott richtig wären. Sobald  man aber die Loge des "kritischen Zeitgenossen" verlässt und bei sich selber anfängt, so dräunt da sehr schnell die frustrierende Erkenntnis am Horizont, "Es geht nicht!"

Das beste was man hinkriegt ist das Oszillieren zwischen verschiedenen Ansprüchen, die man an sich selber stellt, gerne auch komplett unvereinbarer Natur.Aber es gibt auch noch den Nächsten, dem es auch nicht besser geht, egal ob er nun so sein will, wie der liebe Gott will, oder nur so sein will, wie er selber gerne wäre, und mit dem man, trotz gutem Willens doch das eine oder andere mal aneinandergerät, weil so sagt man, mea culpa,  zu schnell, der ja echt blöd ist.

Auch jeder, der nicht ganz empathielos  ist und sich schon mal mit dem Helfen versucht hat, wird festgestellt haben, sooooo einfach ist das alles überhaupt nicht, Man meint es gut und scheitert volle Kanne, Und dazu kommt, dass man sich in einer stillen Stunde auch eingestehen muss, dass man selber auch so seine Fehler, Ecken, Kanten und Grenzen hat.

Dann kommt das eigentlich noch schwierigere dazu. Man sieht also ein, dass man geholfen kriegen muss und schreitet in die Kirche seiner Kindheit, oder sogar in die sich selber ausgesucht habende Kirche. Nun ja, man schafft es vielleicht wirklich neu zu werden, erfährt die Gnade, Dinge klären sich, Probleme lösen sich auf, aber dennoch bleibt in einer ruhigen Stunde die gleiche Grundkonstellation. Wie es halt so ist, man lernt dann den einen oder anderen der durch Christus ebenfalls Erlösten  näher kennen, und es fällt einem doch immer wieder Nietzsche ein mit seinem "Sie müssten erlöstere Gesichter haben, wenn ich an ihren Gott glauben sollte!. Meine Tante sagte das so: "Im lieben Gott seinem Tiergarten gibt es eine Menge höchst merkwürdiger Exemplare!". Christus äußert sich auch zu dem Thema und zwar sagte  er "die Kranken brauchen den Arzt" und deshalb ist es, eigentlich völlig logisch dass die die krank sind, oder besser die die es sich selber eingestanden haben und aufgehört haben, so zu tun, als wären sie gesund und hätten keine Erlösung nötig; nun ihre Masken fortgeschmissen haben und zum Heiland gekommen sind. In so einem Arztwartezimmer trifft man ja auch lauter Leute die was haben. 

Nun gibt es in der Kirche auch noch das Personal und hier wird der Unterschied zum normalen Doktor schnell deutlich. Das  Personal vom lieben Gott ist  leider nicht vom Himmel herabgeschwebt,  sondern rekrutiert sich  aus den Gläubigen. Es sei hier, im einen langen Blogbeitrag abzukürzen, nur der alte, aus tiefer, persönlicher Erfahrung gespeiste Spruch meines Onkels, der nicht nur mit dem Pfarrhaus verwandt war, sondern auch "fer die Kersch" gearbeitet hatten zitiert, der  da lautete: "Kind, wer mit dem Pfarrhaus verwandt ist, der braucht einen tiefen, tiefen, ganz tiefen Glauben"

Ich denke, aber das nur als Einschub, dass viele der Probleme die wir derzeit haben, aus dem nicht mehr Wahrhabenwollen obiger Binsen herrühr, also aus  diesem Anspruch,  dass die Christen die besseren Menschen zu sein hätten, die so gut sind, dass sie dem lieben Gott bei seinem Erlösungswerk helfen können oder sollen, oder sogar müssen. Letzteres eigentlich der Subtext vieler, weil sie meines  es besser zu wissen als der liebe Gott,. wie man sowas zu machen hat. Diese Idee findet sich auf allen Seiten, bei den mehr konservativen wie bei den ganz modernen und allen ist gemeinsam dass sie meinen das tun zu können, ohne am Kreuz zu landen, bzw selbiges auch nur mit sich herumzuschleppen. 

Und nun sind wir, beim zweiten Aspekt des schwersten am Christentum angelangt, Nicht nur dass Christus uns erlöst hat, als wir noch Sünder waren, ist  schwer anzunehmen, sondern auch wie er das gemacht hat, ist fast noch schwerer.

Ich meine wenn er gekommen wäre, ein bisschen mit Wasser getauft, dann die Statuten eines guten Gemeinwesens verkündet, dazu noch den Heiligen Geist so gesandt, dass man das permanent merkt, also sich alle Streitereien, wie denn das und das gemeint sei, sofort unter Rosenduft und dem Gefühl tiefen Friedens auflösen und ansonsten die einen zur Räson, die anderen zur Einsicht gebracht hätte und dann unter Engelsgesang wieder in den Himmel entschwebt wäre und dazu noch sichere Zeichen gegeben wen er zu seiner Nachfolge durch die Generationen erwählt hätte.. ja, so hätten wir es gerne.

So ist es aber nicht gewesen! Er, der Christus ist am Kreuz gelandet und er ist auferstanden, aber auch das nicht so, dass alle die daran schuld waren, auf ihr Angesicht gefallen wären und sich augenblicklich bekehrt hätten. Nein das Gerücht er sei nicht auferstanden hält sich durch die Jahrtausende und mittlerweile gibt es viele die meinen er sie deshalb nicht auferstanden weil er nie gelebt habe.

So bleibt eigentlich nur sich nicht großartig wundern über das was derzeit in Kirche und Welt los ist und selber eben festhalten am Glauben, dass man durch die Erlösungstat Christi gerettet ist, man das vielleicht nicht in der Welt so merkt, was auch logisch ist, weil er einen doch aus der Welt gerettet hat. Wir fassen zusammen: das Schwerste am Christentum ist das Einfachste, sich erlösen lassen!

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