Mittwoch, 6. Januar 2021

Weihnachtslieder, oder ein möglicher Grund warum es den Hirten egal ist, dass die Schäfelein keine mehr singen dürfen

 Ich singe ja nicht gut, aber gerne und so habe ich vorhin, im Walde, als ich so ganz alleine vor mich hin ging, angefangen Weihnachtslieder zu singen.

Dabei sind mir mehrere Dinge klar geworden, zum eine, dass ich es fast körperlich vermisse nicht mehr singen zu dürfen und das ausgerechnet in der Kirche!

Als ich Kind war bin ich überhaupt nicht gerne zur Kirche gegangen, und wenn ich ehrlich bin, aus dem gleichen Grund warum es mir heute auch noch oft und  oft schwer fällt, wegen dem vielen Gerede.  Ich hatte damals den Gottesdienst für mich folgendermaßen eingeteilt: Zuerst ist gut, da wird gesungen, dann kommt der dicke, langweilige Teil da wird geredet (Lesung, Evangelium, und Predigt mitsamt Fürbitten), dann kommt ein seltsam, faszinierender Teil wo feierlich da vorne geredet wird und feierlich immer ähnliches gesungen wird, dann wird es wieder langweilig, weil die Erwachsenen zur Kommunion gehen, das ewig lange dauert, man aber brav in der Bank sitzen muss, nix machen darf, noch nicht mal singen  und dann wird es wieder schön, weil dann darf man wieder singen. Gut ich sehe da mittlerweile manches anders als als Kind, aber Singen das war für mich immer das Schönste in der Kirche, besonderes in der Advents- und Weihnachtszeit!

Wie gesagt es ist wie es aktuell ist, aber als ich, wie schon geschrieben, so im Walde vor mich hin ging, und auf einmal angefangen habe laut zu singen, habe ich, da das ganze feierliche Drumherum fehlte und ich auch kein Gesangbuch zur Hand hatte, auf die Texte mehr geachtet als sonst.

Diese Texte haben es, im Grunde, in sich, und zwar so, dass man fast erschreckt.

Sie künden samt und sonders von harten, bösen Zeiten, sie künden davon, dass diese Welt ein Jammertal ist, sie künden vom kalten, harten, kein Stück romantischen Winter, der alles ist, was die Welt zu bieten hat, sie künden von der Finsternis die alles ist was die Welt als Licht anzubieten hat! Dazu aber  künden sie auch noch von der Liebe Gottes der zwar allen Grund hätte sich um uns kein Stück zu scheren, der es aber dennoch tut, sich um uns scheren und der deshalb, weil auf dem Weg von IHM zu uns immer soviel verloren geht, selber gekommen ist in seinem Sohn!

 

Die Texte wirken nur nicht so in ihrer vollen Härte, weil sie eingebunden sind in viel Romantik, in viel Kindheitserinnerung, die nur das Gute behalten hat und das Schlechte vergessen, wir haben das Schlittenfahren behalten, aber dass wir danach zwei Wochen lang mit Erkältung im Bett lagen, das haben wir vergessen und überhaupt ist es ein Unterschied ob man in ein warmes Hotelzimmer von der Piste kommt, oder durchgefroren in einem kalten, zugigen Häuslein ins kalte Bett kriechen muss und für die Wärmeflasche erst mal Holz hacken muss und das Feuer in Gang bringen muss, und hinter einem steht ein besorgter Opa der was von "Verschwendung von Brand" brummt. 

Das ganze Drumherum in einer anständigen Kirche, die ganzen Figuren, die Gemälde, der Weihrauchduft, das dämmerige Innere, das Brausen der Orgel all das schafft eine gute Atmosphäre und soll,. so habe ich das immer verstanden zeigen dass es hier einen Ort gibt, wo ein Strahl des Himmelslichtes geblieben ist.

Die Sache ist nur die, dass wir und hier an vorderster Front die Kirche, so drauf fixiert sind, Not und Elend rein materiell zu sehen, das uns das Gefühl für das Elend dieser Welt irgendwie verrutscht ist. Das Elend ist aber genau nicht nur in einer Favella Hütte zu finden und nicht nur bei den Schäfern die sich vor dem Wetter in einen Unterstand flüchten, der irgendwann einmal zur Geburtsstätte des Christus wird, das Elend ist überall zu finden, nicht nur dort wo es nicht zu übersehen ist! Das Elend in das Christus gekommen ist, ist bei den Reichen, wie bei den Armen, und manchmal denke ich mir bei den Reichen ist es noch schlimmer als bei den Armen, weil die Reichen von allen beneidet werden und sich dann einbilden sie wären es.Und weil sie so nur schwerlich auf die Idee kommen, dass sie es genau nicht sind, deshalb kommen sie nur schwerlich in das Himmelreich, weil sie gar nicht auf die Idee kommen, dass ihnen etwas entscheidendes fehlt!

Man könnte auf die Idee kommen, dass unsere Ober- und Unterhirten auch zu den Leuten gehören, denen leider das Gefühl für das eigentliche Elend der menschlichen Existenz abhanden gekommen ist und es ihnen deshalb nichts ausmacht, dass sie nun keinen Ort mehr zur Verfügung stellen, wo der einzelne Mensch sich seiner eigenen Realität stellen kann. Also einen Ort wo man der eigenen Wahrheit  ins Gesicht schauen kann und aus der Annahme dieser Wahrheit sich zunächst der eigenen Unfreiheit, die mehr ist als die Todverfallenheit, bewusst werden kann, um sich von da aus aufzumachen hin zur Freiheit der Kinder Gottes, die wir aber nur erlangen können, weil Christus sie uns erworben hat.

Und diese Möglichkeit ist so wundervoll, so göttlich, so unglaublich fragil und zerbrechlich, dass man, wenn man mal soweit ist, begreift wie tief das Lied vom Röslein dass da blüht im Winter, eigentlich ist.

Es ist völlig unmöglich dass dieses Blümelein dass da zur halben Nacht erblüht ist, am nächsten Morgen, nach der Nacht mit ihrem Frost, ihren absinkenden Temperaturen, überhaupt noch blüht, es blüht aber in alle Ewigkeit.

Ja es sind schlimme Zeiten wo man noch nicht mal mehr in der Kirche singen darf und man kann, es leider verstehen, dass den Ober- und Unterhirten das gerade recht ist, sind ihnen diese Lieder ja eh nur noch peinlich. Oder um es andersheurm zu sagen, dass die Welt an verzweifelter Innerweltlichkeit leidet und darauf sogar noch stolz ist, das kann man verstehen, dass aber die Kirche auch daran leidet und darauf stolz ist, das ist, im Grunde nicht zu verstehen. Das ist wie wenn ein Restaurantbesitzer seinen Gästen genüsslich erzählt, dass sein Essen ungesund ungesund und überteuert ist. Aber so ungern ich das Gerede von der Krise als Chance habe, so muss ich doch sagen, es ist gut sich mit dem Texten zu beschäftigen, in den Wald zu gehen, im eigenen Wohnzimmer zu singen und mal nachzuspüren was man da eigentlich singt und warum es einem so ins Herz geht!

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