Samstag, 25. Februar 2012

Ein neues „Weinlokal“ im Münchener Osten.

Nach langer Klagezeit hat sich das Team der bekannten Münchner Innenstadt-Tränenbar „EssZett“ nun doch mit der Verbannung abgefunden. Aus den schönen Räumen in der Innenstadt gings hinaus an den Stadtrand, ins Industriegebiet Zamdorf.  Eine kulinarische Wüste sozusagen, was einem Redakteur mit Anspruch natürlich gar nicht schmeckt.

Was liegt da näher, als ein eigenes Lokal aufzumachen? Ein Lokal, das nicht nur hervorragenden Service bietet, sondern sich vor allem um die kümmert, denen sonst niemand mehr zuhört.
Schnell wurde eine „Weinstube“ konzipiert und schneller als erwartet wurde sie Realität. 


SZ-Gebäude
Fernab des Zentrums, aber mit einem guten
Wein-Angebot: das Update der Tränenbar
"EssZett"
©von Harald Bischoff (Eigenes Werk) [GFDL 
(www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-3.0
(www.creativecommons.org/licenses/by/3.0)], 
via Wikimedia Commons
Es begann mit der „Münchner Stube“, die als „Pilotprojekt“ bereits im Januar eröffnet wurde. Der Erfolg war durchschlagend. Die sog. Kirchenmodernisierer und Teilnehmer des "Zukunftsforums" des Erzbistums München und Freising waren die ersten Gäste. Sie mussten dringend ihren Frust loswerden, weil der Kardinal von all ihren tollen „modernen“ Vorschlägen gar nix wissen wollte. Er lehnte sowohl die Frauenordination als auch die Abschaffung des Zölibat ab und von der Kommunion für Wiederverheiratete Geschiedene wollte er auch nix wissen. Zum erstenmal durfte kräftig geweint werden und die Leser der SZ wurden Zeuge, wie schlecht die Welt ist.

Das hat die Augsburger natürlich nicht ruhen lassen: „Wir wollen auch ein Weinstüberl“, tönte es von den Gestaden des Lech, denn das eigene war ihnen zu klein geworden.
Und schon ging das Weinstüberl auf Expansion und richtete eine Augsburger „Weinecke“ ein. Hier findet man nun fast täglich neue Weiner, die sich über ihren Bischof beklagen, der ihren Forderungen (s.o.)  einfach nicht nachgeben will und dann auch noch ohne sie zu fragen die Wortgottesdienste am Sonntag verboten hat. Häppchenweise wird nun im Weinstüberl täglich eine Portion Augsburger Weinerlei serviert, allerdings trifft es im Moment noch nicht so den Geschmack des Publikums und steht deshalb noch ganz versteckt auf der Karte. 

Aber die Expansion des Geschäfts läuft auf vollen Touren. Inzwischen hat sich die Qualität des Weinlokals bis ins Allgäu herumgesprochen und deshalb will man mit einer eigenen Spezialität auf die Weinkarte: die „Kemptener Erklärung“  hat die gleichen Zutaten wie die „Pfingsterklärung“, hat aber wegen des Allgäuer Käses doch etwas Eigenes mit eingebracht. 

Das konnte sich natürlich Niederbayern nicht gefallen lassen. „Die Schwaben sind überrepräsentiert“ war die einhellige Meinung der Passauer. „Auch wir wollen eine eigene Ecke im Weinlokal“. Inzwischen ist aus der Ecke ein ganzes Stüberl geworden: Etwa zwei Dutzend Pfarrer haben sich vor zwei Jahren zur Gruppe „Passauer Priester im Dialog“ zusammengeschlossen Und auch sie wollen es jetzt wissen: Dem Bischof schmecken ihre Rezepte (s.o.) nicht. Da ist es natürlich gut, dass es das Weinstüberl in München gibt, wo man immer willkommen ist, wenn man sich gegen die Kirche mal so richtig ausheulen will. Besonders willkommen sind natürlich die „Insider“, denn die verleihen der Weinkultur eine besondere Intensität und Glaubwürdigkeit. Das hat man gerne, denn schlechte Nachrichten über die Kirche sind für die Betreiber des Weinhauses immer ein besonderer Leckerbissen. 

Der Chefkellner der Passauer Gruppe hat denn auch besonders viel Weinpotential im Angebot: Pfarrer Andreas Artinger hat viel Trost erfahren, seitdem er in der Weinstube mitarbeiten darf. Denn er ist nicht nur traurig, dass er die Kirche nicht nach seinem Rezept (s.o.) verändern kann, sondern ist auch noch mit einem österreicherischen Virus infiziert. Das wird ihm wohl lebenslang Arbeit als Weinspezialist einbringen, denn die Gefahren lauern für ihn von allen Seiten.
Die Zeit, glaubt Artinger, spricht nicht für die Reformer, viele frisch geweihte Priester und Kapläne sieht er "im traditionellen Kirchendenken verhaftet". Wenn der Trend also zum Reaktionären geht, stellt sich für Artinger eine Frage: "Was wird nach uns?" Die Antwort könnte die bisherige Gelassenheit von Bischof Wilhelm Schraml erklären.

Ja wenn das so ist, dürfen wir alle bald Gast dieser Weinstube werden: Zum Dessert, denn da gibt’s Freudentränen!

1 Kommentar:

  1. Man kann den EssZettlern und ihrer Klientel, auch besonders den Kirchenrebellen und Wir-wären-so-gerne-Kirche-Adepten eine Weintherapie nur wärmstens empfehlen.
    Gemeinsames Weinen, auch Heulen und Zähneklappern in der trauten Stuhlkreisrunde im Kerzendämmerschein schafft Entlastung und Entschlackung -besonders wenn Heribert P. der erste der Weinenden ist ( und nicht der letzte Heuler).

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