Mittwoch, 22. Februar 2012

Kehraus

Der Fasching in München neigt sich dem Ende zu. Der letzte der „tollen Tage“ ist angebrochen und in der Innenstadt wird der Straßenfasching gefeiert.
Am Morgen tanzten die Marktfrauen auf dem Viktualienmarkt – ein bekanntes Spektakel, das seitdem es auch von den Medien gewürdigt wird, viele Tausend Menschen anzieht. Die Reste dieses Spektakels ziehen am Mittag durch die Straßen der Innenstadt und genießen das eine oder andere Glas Prosecco, Wein oder Bier, je nach Geschmack und werfen Konfetti.

Heute war ein Traumwetter, so dass auch am Nachmittag noch viele unterwegs waren. Als ich in die Neuhauser Straße einbog, spielte eine Band auf der Bühne am Richard-Strauß-Brunnen die bekannten Hits der letzten 30 Jahre und viele in bunten Kostümen tanzten dazu.  Bevor man die Bühne erreicht, kann man auch an diesem Tag „abbiegen“, in die Kirche St. Michael, die in diesen Tagen ein ganz besonders „Programm“ hat und ein Triduum mit besonderen Predigten hält. Dieses Jahr waren die Predigten zum Thema „Gebete für jede Jahreszeit“. Deshalb mache ich mich früh auf den Weg, um einen der begehrten Sitzplätze zu bekommen. Als ich die Kirche betrete, sind viele  Plätze schon besetzt. Die himmlische Ruhe, die man an diesem Ort gewohnt ist, wird heute von den Klängen der Band vor der Tür unterbrochen. Die alten Hits tönen durch die dicken Mauern und man möchte leise mitsingen.
   
Doch ab 17:30 ist alles ganz anders. Zu den ersten 3 Strophen „Nun preist den Herren alle Welt“ wird das Allerheiligste, das seit Montag morgen in der Kreuzkapelle ausgesetzt ist, in einer Prozession durch die Kirche getragen. Das geht nahtlos über in Mozarts „Te Deum Laudamus“. Wir singen anschließend „Gottheit tief verborgen“, darauf folgt Mozart’s „Ave verum corpus“. Dann beginnt einer der Jesuitenpriester mit dem Gebet für die Welt, für das Land, für die Stadt – wir beten anschließend die Litanei zum Namen Gottes. Eine halbe Stunde dauert die Andacht, und sie schließt mit Mozarts „Tantum ergo sacramentum“. Die Dienste ziehen aus und kommen zurück zum „Kyrie“ aus Mozarts „Krönungsmesse“, die jetzt die Feier der heiligen Messe begleitet. Zum letzten Mal erklingt das herrliche Gloria, das wir erst in der Osternacht wieder hören werden. 



Die Kirche ist inzwischen nicht nur bis auf den letzten Platz gefüllt, sondern auch die Treppen der Seitenaltäre sind besetzt und in den Gängen stehen sie dicht gedrängt.
Wir hören eine wunderschöne spirituelle Predigt über das Gebet „Anima Christi“, das Lieblingsgebet des heiligen Ignatius.
Mit dem Abschluss der Messe wird die Fastenzeit eingeläutet.
    
Als die Messe zu Ende war, waren die Musikbands verschwunden und die Speisen- und Getränkebuden wurden abgebaut. Es schien, als ob tonnenweise Confetti über die Neuhauser Straße geschüttet worden wäre. Und aus vielen Kneipen klang fröhliche Musik und immer noch eine Menge Leute unterwegs. Auch wir sind noch in ein Restaurant gegangen und als wir rauskamen, stand eine Armada von Kehrmaschinen auf dem Marienplatz. Confetti und Luftschlangen waren verschwunden, als ob es nie einen Fasching gegeben hätte.
   
Wir durften mit dieser wunderbaren heiligen Messe noch einmal aus dem vollen schöpfen. Das wird uns über die kommende Fastenzeit tragen und erfreuen. Denn am Aschermittwoch ist doch nicht alles vorbei.

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