Donnerstag, 29. März 2012

Pastorale Räume und die Gemeindetheologie

It isn't that they can't see the solution. It is that they can't see the problem. (Chesterton)
Mittlerweile kommen sie überall, die pastoralen Räume, die  Superseelsorgeeinheiten, kurz der ultimative Aufbruch hin zu neuen und deshalb selbstverständlich besseren  Ufern.
Mir fällt da immer wieder der alte Kalauer ein der da lautet
"Gestern standen wir am Rande des Abgrundes, heute haben wir den entscheidenden Schritt vorwärts gemacht"
Schon schizophren das Ganze.
Da heißt es einerseits seit Jahrzehnten: "Die Gemeinde", "die Gemeinde ist alles, der Priester ist dagegen nix"
Kirche bedeutet, in der modernen Logik,  in erster Linie Gemeinde vor Ort, die sich versammelt und aus deren Mitte alles Mögliche kommen soll, und auch angeblich kommt, nur scheinbar  keine Priester, aber auch das ist ein anderes Thema.
Nun, aktuell interessiert die Gemeinde, die Pfarrei keinen mehr, alles wird aufgelöst umgewandelt,
Plötzlich lautet das Gebot der Stunde Leitungsteam und alles wechselnd, Mobilität und Auflösung.
Selbst dem eingefleischtesten progressiven Priester dämmert langsam, dass da was schief läuft!
Offensichtlich führt die jahrzehntelange Betonung der Gemeinde (die de facto,  so schon lange nicht mehr existiert), in einem dialektischen Prozess dazu, das sie sich selber negiert.
Nur wie alle dialektischen Prozesse der letzen 200 Jahre kommt mir das doch sehr von "oben" aufoktroyiert vor.



Nun werden all diese Ergebnisse der Verdunstung und Verweltlichung des Glaubens, also die Errichtung neuere Seelsorgeeinheiten, meist gebührend gefeiert meist kommt ein Großkopferter aus dem Ordinariat (den man vorher nie gesehen hat) und singt ein Loblied...........
Eigentlich kommt es mir so vor, wie wenn die Familie Schlecker sich positiv über die Schließung vieler ihrer Filialen äußern würde (die Angestellten werden nun frei für andere Aktivitäten, den Kunden eröffnen sich neue Wege, auch andere Einkaufsalternativen können nun in den Blick genommen werden, und überhaupt ist Stillstand immer verkehrt und alles gaaanz toll).
Das Loblied  der Gemeinde (die ja aktuell aufgelöst werden) ging vor gerade mal 3 Jahren, noch soweit, dass unsere Pastoreuse mir mal gesprächsweise eröffnete, dass so ein  Kind nicht in die Weltkirche hineingetauft würde, nein in die Gemeinde vor Ort und auch bei der Erstkommunion, es um die Aufnahme des Kindes in die Mahlgemeinschaft der Gemeinde ginge, weswegen sie streng genommen  Zweifel daran hätte, ob man das meinige Kind zur Kommunion zulassen könne.
Dieses, je nach Sichtweise, gesegnete oder geplagte Kind geht zwar (bzw wird getragen) seit seiner Geburt regelmäßig in den Sonntagsgottesdienst, aber im Zuge der Kommunionvorbereitung hatte das Gemeindeleitungsteam drei oder vier Eventgottesdienste verpflichtend vorgeschreiben und weil meine Nerven das einfach nicht aushalten, sind wir an diesen Tagen einfach woanders hin gegangen...........

Ich kenne  einige Eltern die ihren Kinder die Sakramente woanders (Gemeinschaften, in einer Pfarrei, wo man noch hingehen kann, oder so) haben spenden lassen und sich anschließend, mit dem Hinweis auf die Gemeinde vor Ort, von ihrem Ortspfarrer eine Menge Vorwürfe eingefangen haben.
Vielfach haben diese Eltern, damit 'a  Ruh' is, das Kind halt nochmal zur zweiten Erstkommunion in der Heimatpfarrei gehen lassen.(was ich immer komisch fand).
Warum diese lange Vorrede?
Im Zuge dessen dass alles besser, schöner, neuer, toller, engagierter wird, wird natürlich auch die eine oder andere Kirche zweckentfremdet.
Auch das wird, wie uns das neueste Konradsblatt mitteilt, keineswegs als Drama gesehen, sondern als eigentlich gaaaaaanz toll, insbesondere da der neue Besitzer der Kirche , der darin eine Kunstgalerie eröffnen will, Wert darauf legt, dass da auch Sonntags "Betrieb" ist.
Das im selbigen Konradsblatt  auf die demografische Katastrophe (die sich oh Wunder groß langsam herumspricht, auch in Kirchenkreisen, könnte man zynisch feststellen) mit den beruhigenden Worten,  reflektiert wird, dass nicht alle Alten dement und pflegebedürftig sind, verwundert nun gar nicht, sondern erinnert an das böse Wort von den "Beschwichtigungshofräten".

Es gibt 2 Arten Hoffnungslosigkeit zu erzeugen, und jede Aktivität zu lähmen das eine ist die Drohung mit dem übermächtigen Feind, das "da kann man eh nix machen"
Das andere ist das man dem Menschen beibringt er braucht nicht zu hoffen, weil ja alles, super wundervoll Klasse, toll und auf dem besten Weg ist.
Letzteres wird in dieser Kirche seit Jahrzehnten praktiziert und der geneigte, gläubige Laie, also ich, fragt sich immer wieder "ist das nun Dummheit, Blauäugigkeit, Elfenbeinturm, oder steckt da ein böser Wille dahinter?"



1 Kommentar:

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