Samstag, 31. März 2012

Räte und ihre Tücken

Ich wollte das ja schon immer mal schreiben und aktuelle Entscheidungen bzw Nichtentscheidungen aus dem nicht mehr ganz so glücklichen Österreich Austria (von wegen Tu felix Austria....) haben mir jetzt den letzten Schubs gegeben.
Das erste Mal, dass mir diese Räte begegnet sind, war in der Schule (nein, jetzt nicht diese Klassensprecher, die von den Lehrern ausgeguggt werden)
Ich meine einen Text von Rudi Dutschke über "Berlin als Räterepublik", der mich damals als 16 jährige Schülerin total begeistert hat.
Es war eine relativ ausgefeilte Idee von Räten der Häuser die dann wieder Delegierte in den Straßenrat und dann in den Bezirksrat u.s.w  entsenden, dazu Räte in den Schulen und Fabriken..........
Bei Tisch abends war  ich völlig am schwärmen und diskutieren...
Mein Vater, ehemaliger begeisterter Junge Unionler,, immer noch aktiv in der CDU, politisch sehr interessiert, (als Kinder konnten wir immer drohende väterlichen Donnerwetter besänftigen,wenn wir ihn was politisches gefragt haben), zunächst völlig begeistert, dass sich in seiner Familie jemand mal ernsthaft für Politik interessiert, auch wenn Dutschke nun nicht gerade sein Fall ist, lässt sich auf die Diskussion ein und schließt sie mit den Worten:
"Ist ja echt gut, was der Dutschke da ausgearbeitet hat, das Ganze hat nur einen Fehler, es funktioniert nicht, weil es von  Menschen ausgeht, die es so nicht gibt."



Seitdem muss ich immer wieder feststellen, mein alter Herr hat da ein wahres Wort geschwätzt;  obwohl mittlerweile ja die Beiräte, egal wo und weshalb und besonders in der Kirche als das NonplusUltra gehandelt werden, und suggeriert wird, allein durch das gewählt sein, egal wo, würde der Rat (also der Laie) es schon besser wissen als Leute, die ihre Brötchen mit einem bestimmten Beruf verdienen.
Ich meine, einerseits legt man in unseren Breitengraden gesteigerten Wert auf die richtige Ausbildung, andererseits sollen die Laien es dann richten. .
Ich erlebe es immer hier in der Siedlung, da gibt es einen Beirat, der es immer besser weiß, als die Architekten und Baustatiker und wenn der Beirat es dann eingesehen hat, das man zum Fassadestreichen ein Gerüst stellen muss, kommt irgendein Mieter und weiß wieder alles besser, weil er im Internet einen Bericht gesehen hat.............
Mal von der Frage der Kompetenz abgesehen, spielt sich die Sache mit den Beiräten immer so ab:
Irgendwo muss ein Elternbeirat oder sonstiger Beirat gewählt werden:
Ich sage dann immer "Hier zeigt sich die Schwachstelle der Demokratie!"
"Wir kommen nun zur Wahl des Elternbeirats."
Alle guggen weg. Der ,der immer mal was gefragt hat und sich des Hochdeutschen mächtig erwiesen hat, wird gefragt "Würden Sie??"
Antwort entweder:
"Ich bin schon bei meiner Tochter....."
"Ich bin beruflich so eingespannt......................"
"Ich bin freiberuflich und habe abends keine Zeit..................."
"Wir ziehen demnächst um.................................."
Naja jeder weiß, irgendwer wird dann überredet, breitgeschlagen, ausgeguggt und macht es halt.
In der Kirche ist es auch nicht anders, händeringend werden Leute gesucht...........
Ausreden siehe oben!
Jeder ist froh, wenn die Kandidatenliste voll ist.
Würde man auf Qualität (also regelmäßiger Gottesdienstbesuch z.B) achten, bekäme man die Liste nicht voll!
Auch die Wahlbeteiligung ist eine Karikatur auf das, was man unter Demokratie versteht.
Die, die dann gewählt sind, sind meistens nett, engagiert, und wollen ja den Anforderungen gerecht werden.
Gleichzeitig verbringen diese Leute dann viel Zeit auf Sitzungen und stellen fest: "Keinen interessiert's" und wenn man sich im pfarrgemeindlichen trauten Gremium irgendwas ausgedacht hat, was die Leute motivieren soll, sich in der Gemeinde zu engagieren, dann siehe oben!
Um das alles zu toppen, werden dann die Leute in den Räten bistumsseitig auch noch mit Engagement und Forderungen überhäuft. "In St Soundso machen die aber das und das und das ist gaaaaaanz toll" (Subtext macht´s halt auch)
Dass die Pfarrei St Soundso lediglich einen guten PR'ler im Pfarrgemeinderat hat , das verschweigen wir lieber.
Langer Rede kurzer Sinn, beziehungsweise mein Ceterum Censeo, nein nicht die Räte müssen zerstört werden, aber es wäre hilfreich, wenn wir ehrlich sein könnten.
Wenn wir sagen könnten unser Pfarrgemeinderat besteht aus mir und drei alten Damen ,denen all diese Sitzerei nix sagt, die da drin sind, weil ihnen keine Ausrede eingefallen ist.
Unsere Gemeinde besteht auf dem Papier aus ein paar tausend Leuten, Sonntags kommen immer weniger und der Werktagsgottesdienst ist eine Ü70 Party.
Selbst für den Blumenschmuck haben wir die örtlichen Floristin beauftragen müssen.
Wir sind so müde des ewigen Neuanfangs und würden gerne von unserem Hirten verbunden werden, anstatt immer neue Lasten aufgebürdet zu bekommen.
Ich sag ja immer, das mit den Laien und der Beteiligung hört sich ja immer Klasse an, nur hat der normale Laie einen Beruf und eine Familie, ist normalerweise geplagt wegen des "lacrimarum vallee" (dem Tal der Tränen) und dann wären wir wieder am Ausgang und meinem Vater, der Recht hatte.
Auch für die Räte gilt das, was für den Sabat gilt.
Das sollen nämlich Hilfen sein und keine Lasten.
Mir kommt die Kirche immer vor wie eine verarmte englische Adelsfamilie aus einer Father Brown Geschichte, die unbedingt die Form wahren will und deshalb alle Beteiligten überfordert, anstatt ins Gärtnerhaus zu ziehen und so wie die Altvorderen von vorne und neu anzufangen und mit dem zu arbeiten, was da ist.
Im Gegensatz zu linken APO Führern sollte die Kirche doch, als der mystische Leib Christi wissen, was im Menschen ist, wer der Mensch ist und wissen, dass er gefallen, aber durch die Gnade Gottes, die sich zeigt im Kreuzestod Christi, geheilt werden kann, wenn er (der Mensch) das denn will.
"Durch seine Wunden sind wir geheilt" singen wir in einer Woche wieder.
Durch seine Wunden -nicht durch unser Tun!



3 Kommentare:

  1. Zu Dutschke & Co. ... das ganze linke Weltbild gründet auf Menschen, die es schlicht nicht gibt und auch nie geben wird. Deswegen neigen Linke dazu, die Gesellschaft "verändern" zu wollen, was in der Regel mit Ach und Krach auf Umerziehung hinausläuft und ebenso in der Regel in irgendwelchen Totalitarismen endet, die jede vermeintlich gute Absicht korrumpieren.

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  2. Ich weiss nicht, was Sie genau unter "das ganze linke Weltbild" verstehen, aber den Menschen bzw. die Gesellschaft nach ihrem Weltbild schaffen wollte die letzten tausend(e) Jahren in erster Linie Religöse Gruppierungen, etwa die RK unter anderem...

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  3. Weil Gründonnerstag ist, empfehle ich nur
    http://www.youtube.com/watch?v=0OdWMUYQcwk

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