Samstag, 16. Juni 2012

Darf der das?


Wie aus einem religiösen Gelöbnis ein normales Theater wird.

Als sie im Jahr 1633 von der Pest verschont wurden, hatten die Oberammergauer feierlich gelobt, regelmäßig ein Passionsspiel aufzuführen.
Das erste mal im Jahr 1634, danach ein paar mal jährlich, bis man sich auf einen 10 Jahres-Rhythmus einigte. Dieser Rhythmus gilt noch heute.

Und noch heute berufen sich die Oberammergauer darauf, dass das Passionsspiel das Gelöbnis als Hintergrund habe und kein gewöhnliches Theater sei.



Doch mit Christian Stückl wurde ein Regisseur und Leiter gewonnen, der so katholisch ist, dass er in Interviews grundsätzlich gegen Papst und Kirche wettert und damit dokumentiert, dass er eigentlich nicht katholisch ist. Und mit "Erfolg" im Münchner Volkstheater das Hochhuth-Märchen "Der Stellvertreter" wieder auf die Bühne brachte.

Deshalb reicht es ihm auch nicht mehr aus, dem Gelöbnis zu folgen und die Passionsspiele nur alle 10 Jahre aufzuführen, damit die Gemeinde in der Zwischenzeit ihrem normalen Leben nachgehen kann.

Der neue Intendant hat schon im letzten Jahr das Gelübde zur Seite gewischt und ein „normales Theater“ aus dem Passionsspielort gemacht.
Zur Aufführung kam ein alttestamentlicher Stoff: „Josef und seine Brüder“.

Aber in diesem Jahr gibt’s kein Halten mehr.

BR Online stellt erstaunt fest:
Das ist ja gar keine heilige Geschichte mehr!

In diesem Sommer bringt Christian Stückl Shakespeares "Antonius und Cleopatra" auf die Bühne des Passionsspielhauses.
Ein schwerer Stoff sei es, "aber nicht so schwer, wie die Bibel manchmal ist".  Ihn interessiere die Geschichte des Stückes. Stückl setzt, wie auch schon bei den Passionsfestspielen, auf Massenszenen, um die Ortsbevölkerung mit einzubinden.

Nix gegen Shakespeare, aber gibt es nicht genügend Festspielorte in Deutschland, wo man ihn aufführen kann?

Und ein kleines Zuckerl hält Herr Stückerl dann auch für die gläubigen Katholiken parat, die ihren Passionsspielort auf ein gewöhnliches Theater herunterreduziert sehen.
Denn es gibt auch Musik. Der "ägyptische" Chor wird Arabisch singen, der "römische" Lateinisch. "Also doch wieder katholisch", sagt Stückl.

Schön, dass der Herr Stückl wenigstens weiß, was katholisch ist.

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