Dienstag, 31. Juli 2012

Die Jesuiten – Oh, Schreck

... das war meine erste Reaktion, als ich, um in die katholische Kirche einzutreten, mit der Katholischen Glaubensinformation in Frankfurt Kontakt aufgenommen hatte. Meine erste Anfrage „Was muss ich tun, um in die katholische Kirche einzutreten“ endete in einer e-mail mit der Adresse und Telefon der Glaubensorientierung  in St. Michael in München, die von den Jesuiten geleitet wird. Eigentlich hatte ich ja gar keine Ahnung, wer oder was Jesuiten sind oder was sie tun. Aber in jungen Jahren hatte ich ein großes Faible für die irischen Autoren entwickelt, die ja fast überwiegend von Jesuiten erzogen wurden. Denen hat es, wie vielen, in der Schule nicht gefallen und deshalb haben sie in ihren Büchern ihre negativen Erfahrungen mit den Jesuiten verarbeitet. Allen voran James Joyce, der in vielen Werken seinen Hauptfiguren die jesuitische Erziehung übergestülpt hat . Sowas prägt, auch wenn man es fast vergessen hat. Und so begann ich, mit zitternden Fingern eine e-mail an die Münchner Glaubensorientierung zu formulieren und ich war fest davon überzeugt, dass ich wahrscheinlich gar nicht in die Kirche aufgenommen werde, weil die Jesuiten ja so streng sind.
Schon am nächsten Tag hatte ich einen Anruf von Pater Hartmann, der damals für die Glaubensorientierung zuständig war. Wir vereinbarten ein persönliches Gespräch in den Räumen von St. Michael, der Termin war ca. zwei Wochen später. Ich werde hier nicht wiederholen, was ich mir in diesen zwei Wochen alles ausgemalt habe, was mit mir dort passiert – und je näher der Termin rückte, umso aufgeregter war ich. Dann war aber doch alles ganz anders.
Mit zitternden Knien betrat ich die Räume der Glaubensorientierung. Ich war etwas zu früh dran und saß dann noch eine Weile im Wartebereich des Flurs. Da begann das vorgefertigte Bild schon etwas zu verschwimmen. Die jungen Männer, die dort auf dem Flur  an mir vorbeigingen, wirkten allesamt sehr fröhlich, grüßten freundlich, ich hörte, dass sie sich über Computer und Netzwerkprobleme unterhielten. Also Mittelalter war hier schon mal nicht. Das Gespräch mit Pater Hartmann wurde ein wunderbar offenes Gespräch und er lud mich ein, am nächsten Glaubenskurs, der dann im Januar teilzunehmen. Die Steine, die mir damals vom Herzen gefallen sind, liegen sicher immer noch irgendwo in der Maxburgstraße –es war ein erhebendes wunderbares Gefühl, diesen ersten Schritt hinter mich gebracht zu haben. Nach dem Ende des Glaubenskurses wurde ich mit den anderen Teilnehmern des Glaubenskurses in der Kreuzkapelle von St. Michael in die Kirche aufgenommen. Wir erhielten die erste heilige Kommunion und wurden gefirmt.
Mein Bild von den Jesuiten wurde also innerhalb von 4 Monaten auf den Kopf gestellt. Seitdem ist St. Michael meine "Heimatkirche" und das sonntägliche Hochamt ist jedes Mal wieder ein großes spirituelles Erlebnis. Dafür stehe ich gerne jeden Sonntag um 6:30 auf und fahre die 12 km in die Innenstadt. 

Jesuitenkolleg st michael 6
Das Jesuitenkolleg in München
Public domain via Wikimedia commons
Die Jesuiten haben München geprägt und vielleicht auch den Münchnern ihren katholischen Glauben gerettet, denn nach den Aktionen Luthers fing es auch in München an, zu gären. Die Zugroasten (das sind die, die heute links wählen) sangen damals verbotene evangelische Lieder, wie: „Erhalt uns Herr bei Deinem Wort und stör des Papst und Türken Mord, die Jesum Christum, deinen Sohn, wollen stürzen von Deinem Thron“. Wer erwischt wurde, ging ins Gefängnis oder wurde zumindest aus der Stadt verwiesen. Herzog Albrecht, der fest zu Papst und Kirche stand, holte die ersten 4 Jesuiten-Padres nach München, die zunächst in die Augustinerkirche einzogen. Der Orden wuchs und Albrechts Nachfolger Wilhelm V, schenkte ihnen 1583 das Jesuitenkolleg in der Neuhauser Straße mitsamt der Kirche St. Michael. Die Renaissancekirche war die erste nördlich der Alpen und war Vorbild für viele Kirchen in Bayern. Das Tonnengewölbe von St. Michael ist das zweitgrößte nach dem Petersdom in Rom.  St. Michael entsteht als Bollwerk gegen die „Ketzerei“.

St.-Michael-München-1
Bild über dem Hauptportal von St. Michael
© Janiwan [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)
oder CC-BY-SA-3.0
(http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)],
via Wikimedia Commons
Über dem Hauptportal ringt der Erzengel mit dem Satan und zeigt sehr deutlich, wer siegen wird. 1)

Und alles fing an, mit dem heiligen Ignatius von Loyola, dessen Tag wir heute feiern. Und das haben wir damals über ihn im protestantischen Hessen in der Schule gelernt: Ignatius hatte in einem langen Krankenlager eine innere Wandlung durchgemacht und sich ganz dem Dienst der Kirche verschrieben. Als ehemaliger Ritter bezeichnete er diesen Dienst als Kriegsdienst und legte besonderen Wert  auf die Pflicht des Gehorsams: „Wer in unserer Gesellschaft, die wir mit dem Namen Jesu bezeichnet wissen wollen, unter dem Banner des Kreuzes Gott Kriegsdienste leisten und allein dem Herrn und Seinem Statthalter auf Erden, dem römischen Bischof, dienen will, soll .... sich vor Augen halten, dass er einer Gesellschaft angehört, die .... auf Ausbreitung des Glaubens durch öffentliche Predigt und Dienst am Worte Gottes, durch geistliche Übungen und Werke der Liebe und namentlich durch Unterweisung der Knaben und Ungelehrten im Christentum sowie geistliche Tröstung der Christgläubigen beim Beichtehören vorzüglich hinzuarbeiten......“ 2)

Ein anderes Geschichtsbuch berichtet davon, dass während Luther auf der Wartburg an der Übersetzung der Bibel arbeitete, Ignatius eine Wallfahrt zu einem Kloster in der Nähe von Barcelona unternahm. Dort hängte er seine Waffen am Bild der Gottesmutter auf und gelobte, sein künftiges Leben ihr und dem Sohn Gottes zu weihen. Nach Jahren des Studiums schloss sich Ignatius mit sieben Gleichgesinnten zusammen und gründete in Paris die Gesellschaft Jesu, die den „Kampf für Papst, Kirche und Glauben aufnahm“.  Die Gesellschaft Jesu wuchs rasch und mit ihrer Hilfe konnte dem Abfall von der Kirche entgegengewirkt werden. Nicht nur der Protestantismus in Deutschland konnte zurückgedrängt werden, im Süden Europas kam er erst gar nicht zum Zuge. Und der stark wachsende Orden der Jesuiten wirkte auch verstärkt bei der Missionierung mit und brachte den Glauben in die „entlegensten Winkel“ der Welt. 3)

Danken wir Gott, dass er uns immer wieder Menschen auf die Erde schickt, die seine Kirche lebendig erhalten.

Heiliger Ignatius bitte für uns, dass das Feuer des Glaubens auch in unserer Zeit weiter lodert und dass wir stark bleiben gleichermaßen gegen Zeitgeist und Protestantisierung.

Quellen:
1) Die Geschichte der Stadt München (Süddeutsche Edition)
2) Heerdt-Heumann „Unser Weg durch die Geschichte“, Hirschgraben Verlag 1965
3) Bauer-Müller: „Der Mensch im Wandel der Zeiten“ Geschichtsbuch für die deutsche Schule, Georg-Westermann Verlag, 1954.

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