Mittwoch, 11. Juli 2012

Terra Benedicta = Terra Benedictina

In Dankbarkeit - zum Tag des heiligen Benedikt am 11. Juli.

Bei seinem Besuch auf dem Münchner Marienplatz sprach auch Papst Benedikt von der "Terra Benedicta", dem gesegneten Land, das Bayern auch für ihn sei.
Woher aber kommt der Name „Terra Benedicta“ wirklich? 
Zurückgehen soll der Begriff auf Papst Pius VI. , der 1782 „Terra benedicta“ ausgerufen haben soll, angesichts der Schönheiten des Landes.

Selbstbewusst wandelten die zu dieser Zeit in Bayern wirkenden Benediktiner-Mönche diesen Begriff in ein „Terra Benedictina“ – das benediktinische Land um. Und ein benediktinisches Land war Bayern in der Tat.
Teilweise über 1000 Jahre wirkten die Nachfolger des heiligen Benedikt von Nursia in Bayern. Sie haben die Landwirtschaft aufgebaut, Bewegung in Bildung und Erziehung gebracht. Sie waren in vielen Orten geistliche, geistige und wirtschaftliche Zentren.
Benediktbeuern und Benediktenwand
Die Kirchtürme des Klosters Benediktbeuern, dahinter erhebt sich die Benediktenwand
© von Joe MiGo (Eigenes Werk) via Wikimedia-Commons
Der Ort Benediktbeuern erhielt sogar seinen Namen vom gleichnamigen, 725 von Benediktinern gegründeten Kloster, das auch eine Reliquie des Heiligen beherbergt.
Er wird beschützt von der imposanten Benediktenwand, die sich als wahrer Fels über Ort und Kloster erhebt.

Weitere Beispiele sind das Kloster Weltenburg, das 617 gegründet, als ältestes Kloster Bayerns gilt. Die Mönche übernahmen im 8. Jhd. die benediktinischen Regeln. Die Abtei Metten gehört zu den bayerischen Urklöstern. Sie wurde um das Jahre 766 gegründet fast zeitgleich mit Ottobeuren (764). Etwas jünger sind die wohl berühmtesten bayerischen Klöster, nämlich Scheyern, in das die Mönche 1119 einzogen, Ettal, gegr. 1330 von Kaiser Ludwig dem Bayern, ebenso wie Andechs, der „heilige Berg“, das 1392 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Natürlich gab es noch viele weitere Klostergründungen in Bayern, die man hier gar nicht alle aufzählen kann. Bayern blühte auf unter „Ora et labora“ – bis im Jahr 1803 alles anders wurde. Die von Napoleon aufoktroyierte Modernisierung des Staatswesens führte zur Säkularisation und beendete das kontinuierliche Wirken. Klöster und Kirchen wurden zerstört, die kostbaren Bücher vernichtet. Mönche und Nonnen mussten sich andere Tätigkeitsfelder suchen.

Metten Klosterhof 1
Kloster Metten, nahe Dingolfing (Diözese Regensburg)
©  Andreas Praefcke (Own work) via Wikimedia-commons
Erst König Ludwig I. erkannte den Wert, den die Klöster Bayern gebracht hatten und „holte das Klosterleben“ nach Bayern zurück. Unbeirrt, gegen massive Widerstände im Landtag, setzte er die Wiedereröffnung des Klosters Metten 1830 durch, unter der Auflage, sich verstärkt um die Bildung der Landbevölkerung zu kümmern, da der Staat dies nicht leisten konnte. Fünf Jahre später ließ er den Benediktinern, denen er sich besonders verbunden fühlte, das Kloster St. Bonifaz in München bauen und gab ihnen das leerstehende Kloster Andechs als Wirtschaftsraum mit dazu. 1838 wurde Scheyern wiedereröffnet und 1842 folgte Weltenburg. 
Basilika St. Bonifaz in München
Die Abtei St. Bonifaz im Zentrum von München
© By High Contrast (Own work) [via Wikimedia-commons
In Ettal wirken die Benediktiner seit 1900 wieder, Ottobeuren wurde erst 1918 wieder eine selbständige Abtei. Niederaltaich gar erst 1949. 


Neu hinzu kamen die Missionsbenediktiner, die
1884 von dem Schweizer Andreas Amrhein gegründet wurden und in St. Ottilien ihr Mutterhaus haben. Der Ottilianer Kongregation gehören 1100 Mönche in 19 Ländern an. Etwa 110 leben in St. Ottilien.
Monastery scheyern
Kloster Scheyern, in der Nähe von Pfaffenhofen, wo auch
Kardinal Ratzinger oft zu Exerzitien verweilte.
© By Marcel (Own work)via Wikimedia-commons
Auch die beiden großen Frauenklöster Frauenwörth auf der Fraueninsel des Chiemsee sowie das Kloster der Missionsbenedikterinnen in Tutzing am Starnberger See wirken weiterhin im Namen ihres Gründers.


Einzig in Benediktbeuren, das den Namen seines Gründerordens trägt, wirken heute keine Benediktiner mehr, sondern dieses Kloster gehört den Salesianern Don Bosco, die dort auch ein großes Internat beheimatet haben.

Natürlich kann ein solch kurzer Beitrag nur eine Übersicht über die Klöster in Bayern vermitteln, die aus unserem Land nicht nur eine Terra benedicta, sondern immer noch auch eine Terra benedictina machen. Da verwundert es nicht, dass der Abtprimas der Benediktiner ebenfalls ein Bayer ist: Notker Wolf, der ehemalige Erzabt des Klosters St. Ottilien lenkt von Rom aus die Geschicke des Benediktinerordens weltweit.







Es hat eine Riesenfreude gemacht, die Webseiten der Klöster durchzuforsten und mir ist manchmal der Mund vor Staunen offen stehen geblieben, über all die Pracht zur Ehre Gottes, aber auch über all dieses Wissen, das dort gesammelt und weitergegeben wurde. Bayern ist ja nur ein kleiner lokaler Ausschnitt über das Wirken der Benediktiner in ganz Europa, das in erster Linie dazu führte, dass Europa zu solch kultureller Blüte kam.


Deshalb ist der heilige Benedikt von Nursia, dessen Tag wir heute feiern, ja auch der Schutzpatron Europas. Schade, dass das so viele vergessen haben und tatsächlich glauben, dass Europa seinen heutigen Status auch ohne das Wirken von Kirchen und Klöstern erreicht hätte


Unser Papst konnte sich also gar keinen anderen Namen als Benedikt geben! 





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