Sonntag, 15. Juli 2012

Überirdisch!

ist wahrscheinlich noch untertrieben. Ich und noch viele andere hatten heute in unserer Kirche das Gefühl, dass wir bereits im Himmel sind – wenn nicht nach kurzen 10 Minuten der Choral zu Ende gewesen wäre. Viele hatten feuchte Augen, denn es war wirklich engelsgleich, was wir heute zum Auszug zu hören bekamen.

Das Collegium Monascence ist ein professionelles Ensemble innerhalb der Kirchenmusik von St. Michael. Sie feierten heute ihr 5jähriges Bestehen und gestalteten deshalb heute das Hochamt.
Zur Messfeier gab es die „Missa Alleluja“ von Heinrich Ignaz Xaver von Biber, einem böhmischen Komponisten  (1644 – 1704), der lange Zeit in Diensten des Erzbischofs von Salzburg stand.

Das war wunderschön und ein völlig neues Klangerlebnis, eine Verbindung aus Spätrenaissance und Frühbarock eine wahre Fest-Messe mit Pauken, Trompeten und Posaunen Chor und Solostimmen. Sie wurde damals in Salzburg nur aufgeführt, wenn der Erzbischof die Messe zelebrierte.
Zur Feier des Tages durften Chor und Orchester aus dem Chorraum heraus singen, was den Klang nochmals intensiver wirken ließ.

Das wurde besonders dann deutlich, als vor der Entlassung der Chorleiter nochmals das Wort ergriff und uns etwas über Thomas Tallis erzählte. Ich – und wahrscheinlich viele andere hatten vorher noch nichts von ihm gehört – obwohl seine Musik auch während des Papstbesuches in Westminster Abbey erklang.
Bevor es also losging erfuhren wir, dass Thomas Tallis Hofkapellmeister unter Heinrich VIII. und Elisabeth I. war. Er arbeitete zunächste für ein Kloster in seinem Heimatort Waltham, wurde dann aber aufgrund der Abspaltung von Rom zum protestantischen Kirchenmusiker. Allerdings fühlte er sich durch die festen Regeln eingeengt und komponierte deshalb weiterhin katholische Motetten. Dazu zählt auch „Spem in alium“, eine Motette auf den Text des Buchs Judith, die im Ursprung 40stimmig angelegt war und mit 8 Chören gesungen wurde. Das schaffen auch heutzutage nur noch die Engländer. Für „normale“ Kirchenchöre gibt es eine 11stimmige Version, die wir heute hören durften. Nach dem Ende des Chorals herrschte erstmal stilles Staunen, danach aber bekam der Chor  langanhaltenden Beifall – zur Feier dieses Tages auch verdient!

Das Video gibt natürlich nicht das Klangvolumen in der Kirche wieder, die durch ihre besondere Akustik die Töne „schweben“ ließ. Aber es ist trotzdem wunderschön. Und bei der Suche nach einem passenden Video bin ich auch auf diesen Kommentar gestoßen: „I think I know now what heaven sounds like.“. Dem ist nichts hinzuzufügen. 




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