Sonntag, 19. August 2012

Betroffenheitsunterricht an der Straßenkreuzung

Sonntagnachmittag, 31 Grad - da braucht es einen Lacher zum (Eis-)Kaffee:

Ein paar Jahre ist es jetzt her, dass sich der Spiegel während des Sommerlochs in einem Artikel der deutschen Kolonialgeschichte annahm. Es ging dabei um ein paar Hereros, die in "Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia) ein paar deutsche Siedler hingemeuchelt hatten und dafür vom deutschen General von Trotha in die Wüste gejagt wurden. Hat eigentlich dann auch niemanden weiter interessiert, außer den Hereros, die von den Deutschen flugs Entschädigungen forderten.

Aber ein paar Grünen im Münchner Stadtrat gab dieser Artikel die Idee, wie sie sich profilieren können: Sie hatten nämlich herausgefunden, dass es im Münchner Osten ein Viertel gibt, wo die Straßen nach Gebieten, Städten, Ländern in ehemaligen deutschen Kolonien benannt sind. Das reicht von der Tsingtauer Straße bis zur Togostraße. Aber es gab auch mal eine "von-Trotha-Straße" und dieser Herr von Trotha musste nun auf Geheiß der Grünen posthum geschmäht werden, indem man die "von-Trotha-Straße" vor ca. zwei Jahren in "Herero-Straße" umbenannte.

Offensichtlich haben aber nicht genug Menschen Betroffenheit gezeigt und das Schild "Hererostraße" entsprechend gewürdigt und den Hut gezogen oder sich etvl. sogar beschwert, dass ihre Straße umbenannt wurde. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass an diesem Straßenschild jetzt plötzlich ein zweites Schild prangt:

Kein Witz: Das Bild wurde heute von mir an der
Einmündung Hererostraße/Tangastraße
aufgenommen und ist selbstverständlich ohne ©

Jetzt kann jeder im vorbeifahren lesen, wie böse die Deutschen mal wieder waren. Gott sei Dank gab es 1904 noch ein Königreich Bayern mit eigenem Heer, so dass wir Bayern daran gänzlich unschuldig sind. Der böse General von Trotha war ein Preißn-General, geboren in Magdeburg.

Warum der Aufstand "untedrückt" und nicht "untedückt" wurde, habe ich allerdings noch nicht herausfinden können. Vielleicht ein diskreter Hinweis, dass die "Verbesserung des Bildungssystems" in Bayern nur langsam Formen annimmt und sich die Rechtschreibreform nicht durchsetzen konnte?
Ich würde vorschlagen, ein weiteres Schild anzubringen, mit der Erklärung, dass auch das "r" eigentlich böse ist und deshalb von dem oberen Schild verbannt wurde.

Schilda, dein Name ist Grün

3 Kommentare:

  1. Zum Lachen finde ich das leider gar nicht.

    So fraglich es sicherlich ist, ob diese Art von "Betroffenheitsunterricht an der Straßenkreuzung" ein taugliches Mittel ist, um das Geschichtsbewusstsein zu fördern, so - gelinde gesagt - problematisch finde ich es, einen Kolonialkrieg, dem nach Schätzungen zwischen 65.000 und 85.000 Herero und rd. 10.000 Nama, einschließlich Frauen und Kindern, zum Opfer fielen und der bereits 1948 von den Vereinten Nationen als Völkermord eingestuft wurde, darauf zu reduzieren, dass "ein paar Hereros [...] in die Wüste gejagt wurden", als anscheinend gerechte Strafe dafür, dass sie "ein paar deutsche Siedler hingemeuchelt" hatten. Die Einstufung als Völkermord entspricht übrigens vollkommen dem Umstand, dass Generalleutnant v. Trotha nach eigener Aussage die Absicht verfolgte, die Herero-Nation "als solche zu vernichten".

    Daran zu erinnern, bedeutet nicht, zu insistieren, "wie böse die Deutschen mal wieder waren"; selbstverständlich haben sich auch andere Kolonialmächte in Afrika und anderen Teilen der Welt nicht unbedingt wie Weihnachtsengel aufgeführt. Aber ist es nicht sinnvoller und, wenn man so will, gerechter, an das vom eigenen Volk begangene Unrecht zu erinnern, als mit dem Finger auf andere zu zeigen?

    (Und wenn ich vom "eigenen Volk" spreche, schließe ich da die Bayern durchaus mit ein!)

    Grüße
    KingBear von "Huhn meets Ei..."

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    1. Bayern waren weder in Afrika, noch in Tsingtau, noch in Samoa dabei. Die ganzen Generäle, nachdem in diesem Stadtteil die Straßen benannt wurden, lassen sich alle ergoogeln: Alles Preußen. Das liegt daran, dass der Stadtteil relativ "jung" ist. Gegründet wurde der Stadtteil Ende des 18. Jhd. Er wuchs aber erst in den 30er Jahren und von dort stammen diese ganzen seltsamen Straßennamen. Bayern war bis 1918 ein eigenes Königreich und hat lediglich den Krieg 1870/71 mitmachen müssen. Danach war Frieden. 1899 wurde der "Friedensengel" eingeweiht, wegen 25 Jahre Frieden. Erst 1914 änderte sich das.
      Der Krieg ist immer von Berlin ausgegangen. Und da haben die Grünen mit ihrer Betroffenheitspolitik genug zu tun. Sie müssen nur mal auf die Mauerreste gucken. Das ist sogar jüngste Geschichte und da gibt's noch sehr viel aufzuarbeiten.

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    2. ach cinderella, das versthst Du nicht. Es geht doch nicht um historische Tatsachen sondern um "gefühlte" Geschichte mit "gefühltem"Unrecht und all die armen - äh- ja POCs , da haben die Grünen jedenfalls viel Wiedergutmachungsbedarf.
      Wer von Trotha heißt oder sonst von Adel ist, ist gefühlt ihr natürlicher Feind, weil sie immer noch davon ausgehen, daß die Franz. Revolution nie im neuen Kaisertum Napoleons endete sondern , daß immer noch
      munter geköpft wird , wer ein Adelsprädikat vor dem Namen trägt, Schuft der er ist.
      Ob und was er getan hat oder nicht- das interessiert nicht. Tut nichts- der Junker wird geköpft. Was widerspricht er auch mit seiner Existenz dem Gleichheitsdiktat?

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