Sonntag, 12. August 2012

Germanische Sagen und ihre aktuelle Relevanz

Bei uns sind Ferien und die verbringen wir ganz untypisch auf der Couch und irgendwie hat der Trend zum Zweitbuch alle Rekorde geschlagen, unser Wohnzimmertisch ächzt unter der Last diverser Literatur, nix weltbewegendes, ein wildes Sammelsurium von Mickey Mouse- und Asterix  Comics, diversen Märchen und Sagen Bücher, dem Herrn der Ringe , Harry Potter (to improve the student's English) und diversen poulärwissenschaftlichen Schinken über antike und echte mittelalterliche Geschichte. (Üblicherweise , wenn die Rede vom Mittelalter ist, dann denkt Lieschen Müller an den Beginn der Neuzeit, also die Zeit nach dem 30jährigen Krieg,  mit ihrem Rückfall ins Heidnische von wegen der Hexenverbrennungen oder an irgendwelche höfischen Feste am Hof des Sonnenkönigs, oder so. Während das echte Mittelalter die Zeit zwischen dem Untergang des
(west-) römischen  Reiches und dem fest im Sattel sitzenden  "Heiligen römischen Reich deutscher Nationen" meint)
Auf jeden Fall meinte mein kleiner Sohn, als wir bei Tisch drüber sprachen was jeder so liest , dass die Leute die die Sagen geschrieben haben wohl bei Tolkien und Rowling abgeschrieben haben, er sah dann aber ein, das es umgedreht ist.

Nun gibt es in der germanischen Sagenwelt eine seltsame Geschichte und zwar die über den Untergang, nicht des Abendlandes, nein über den Untergang des Gottes Baldur, der für alles Gute und Edle, nach anderen Quellen auch für den Frühling,  zuständig ist und wodurch sozusagen der Untergang der Welt eingeläutet wird..
Dieser Untergang resultiert nicht aus Verrat oder dem Einmarsch der gefürchteten Eisriesen, oder sonstiger Feinde, auch kommt er nicht aus einer Notwendigkeite, die in der Konstruktion der Welt liegt, nein, er kommt aus der Dummmheit der Asen.


Wie das so üblich ist, gibt es verschiedene Versionen der Sage, ich will das mir Wesentliche kurz zusammenfassen.
Es wird also klar, das das Leben Balurs des Frühlingsgottes, bzw, dem für alles Edle und Schöne und Gute zuständige, bedroht ist.
Man trifft Vorsorge, für was ist man den schließlich ein germanischer Gott? Man (in manchen Versionen Baldurs Mutter) lässt alle Bäume und Sträucher, alle Steine und überhaupt alle Dinge schwören, dass sie Baldur nicht verletzten werden.
Allerdings vergisst man die Mistel.
Und dann probiert man es aus. Man schießt mit Pfeilen aus allen möglichen Materialien auf Baldur und nichts passiert.
Und jetzt macht man daraus eine riesen Gaudi.
Und dann kommt der listenreiche Gott Loki, (der eine reichlich zwielichtige Figur ist.) und gibt dem blinden Bruder Badurs einen Pfeil aus Mistel in die Hand, führt diesem die Hand und Baldur ist tot.
Das ist zwar noch nicht das Ende der Welt, aber nun fängt es an.
Es geht um Rache und List und Betrug und wiederum Rache und alles Edle, und Gute ist ja nun mit Baldur dahin und so kommt es zur Götterdämmerung.

Das Thema der Prophezeiung, die verhindert werden soll und sich dadurch erst recht erfüllt, ist Thema in vielen Sagen.
Aber der spezielle Punkt ist, das sich eine Gaudi draus machen,
Also sozusagen nochmal Glück gehabt zu haben, dem Untergang entkommen sein und jetzt das Schicksal herausfordern.
Also sozusagen im Vertrauen auf die Grippeschutzimpfung im nebligen Herbst in Sommerkleidung herumlaufen, oder eben im Vertrauen auf den höheren Schutz leichtsinnig werden.

Als wir so drüber sprachen über die ollen germaischen Götter und wie die sich einen Spaß draus machten auf Baldur (der ja für das Schöne, Edle, Gute, steht)  zu schießen, meinte mein Mann, wenn man die Geschichte der Germanischen Reiche, der Goten, der Vandalen und auch nur die Geschichte Preußens nähme, so wäre darin das gleiche Muster erkennbar.
Irgendwann kommt der Punkt, wo die Völker anfangen, wider alle Vernunft auf ihr Glück zu spekulieren und dann kommt immer der Untergang.
Mein Lieblingszitat ist ja immer das von Hegel, dass man aus der Geschichte nur lernt, dass man  aus der Geschichtes nichts lernt,
Hegel war übrigesn der Ansicht durch die Aufklärung würde das nun besser, bekanntlich hat er sich geirrt.
Nun aber wir sind im Prinzip auch nicht besser als die ollen Asen.
Ich meine der großen Bedrohungen der Menschheit durch Seuchen sind wir, dank Hygiene und Medizin, (die bösen, bösen Antibiotika zum Beispiel) Herr geworden, auch die Geheimnisse des Kinderkriegens haben wir entschlüsselt und erklären es jedem Kindergartenkind.
Und wenn auch die Geburtswehen immer noch ihren Namen Wehen zu Recht haben, all die früheren Schrecken der Geburt, die hohen Kindersterblichkeit, das Kindbettfiebers und all das, das kennen wir nur noch aus den Büchern.
Ja und jetzt tritt der seltsame Effekt ein, das man auf Teufel komm heraus an der Fruchtbarkeit herummanipuliert. Also Frauen im optimalen Alter werden bewusst unfruchtbar gemacht, und wenn die Natur sich dann doch als stärker als alle Gummiprodukte und noch so raffinierte, regelmäßige Hormongaben erweist, dann gibt es immer noch den schon von Hippokrates eidlich ausgeschlossenen Eingriff,.aber, sind die Damen dann jenseits der Menopause, dann wird wieder versucht mit allen Mitteln eine Schwangerschaft herbeizuführen.
Jetzt ist die Sache schon soweit, das alle von der demografischen Katastrophe sprechen.
Ich habe keine Ahnung ob und wann und wie und ob überhaupt das alles was unsere Zivilisation und Kultur (sofern es echte Kultur ist) ausmacht zusammenbricht, aber so wie es sich nicht gehört auf irgendwelche Leute mit Pfeilen zu schießen und das nur schief gehen kann, so gehört es ich ebensowenig an der Fruchtbarkeit herumzumanipulieren, oder wie Paul VI sagt "den Zusammenhang von Sexualität und Fortpflanzung zu trennen" und so wie sich die Asen wahnsinnig Klasse und cool vorkamen bis irgendein dummer, banaler, unbeachteter, vergessener  Vorfall den Untergang einleitetet, so, denke ich, wird es uns, wenn wir nicht vorher umkehren auch gehen.

Noch ein kleiner Satz zu all der oben erwähnten pseudo- und nicht pseudoheidnischen Kinder und Jugendliteratur, die seit Jahrzehnten die Kinderzimmer überflutet, ich finde ja immer, das ist auch so eine Spielerei.
Im Prinzip wird bei der weitaus meisten derartigen Literatur Christliches vorausgesetzt, so dass das Gute siegt und gerade auch durch die Schwachen. Es geht meist darum das die gute, selbstlose Tat dem Helden, schlußendlich zum Sieg verhilft, und irgendwie zieht sich trotz aller böser Mächte, überwältigender feindlicher Heere und der absoluten Übermacht sowie der überragenden Intelligenz des Bösen doch die Hoffnung durch fast alle derartige Literatur.
Je weiter der Autor sich vom Christentum entfernt umso negativer werden die Gestalten, auch die Guten und um so mehr nähert sich das Werk der Hoffnugnslosigkeit germanischer Sagen an.

Jedoch trotzdem verstehen diese Sagen mehr vom gurndlegenden Wesen der Menschen, als macher sich christlich schimpfende Politiker.
Und es wäre wirklich empfehlenswert sich mal mit der Wirklichkeit des Heidnischen, die gerade in diesen Sage sehr gut zum Ausdruck kommt, all der Hoffnungslosigkeit des unerlösten Menschen zu befassen, bevor man das Christentum leichtfertig über Bord wirft.

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