Sonntag, 12. August 2012

Grüß Gott aus der Nachbarschaft (5)


Der Hauch der Geschichte - St. Ottilie in Möschenfeld

St. Ottilia Moeschenfeld Grasbrunn-4
St. Ottilie in Möschenfeld, Ansicht von Norden, bevor man in das Gut hineinfährt
© Rufus45 via Wikimedia Commons
Vor 10 Jahren gingen Freunde von mir für 6 Wochen nach USA und damit ich nicht so einsam bin, durfte ich für diese 6 Wochen seinen Mini fahren. Ich war total verliebt in den Kleinen, hatte aber wenig Zeit, einfach so mit ihm durch die Gegend zu fahren. Da nutzte ich die Gelegenheit, die Fahrten ins Büro und zurück entsprechend auszudehnen und hatte so jeden Tag meine kleine Freude.  Meine Lieblingsstrecke waren so ca. 20 km Umweg. Sie führten Richtung Wasserburg, durch den Baldhamer Wald über
Möschenfeld, Harthausen, Putzbrunn zurück auf den „normalen“ Weg ins Büro. Es gab viele schöne Kurven und einige Kreisel auf der Strecke. Es war nicht viel los und man konnte überwiegend Vollgas fahren. Aber immer, wenn ich durch Möschenfeld fuhr, hielt ich inne. Ein winzig kleiner Ort mit einer Kirche und einigen großen Häusern, von dem eine ganz besondere Energie ausging. Ich fuhr ehrfürchtig und langsam durch das Zentrum und gab erst wieder Gas, als ich den Ort längst hinter mir hatte. Heute weiß ich, warum das so ist. Denn Möschenfeld ist wirklich ein ganz besonderer Ort:

St. Ottilia Moeschenfeld Grasbrunn-7
St. Ottilie - Westfront.
©Rufus46 via Wikimedia Commons

Das Gut Möschenfeld wurde um das Jahr 819 gegründet. Der Besitzer war ein großzügiger Mann und schenkte schon kurz darauf  einen Teil an die Kirche. Im 11. Jahrhundert wurde das Gut Eigentum des Klosters Ebersberg. Die dort ansässigen Benediktiner errichteten dort eine Kapelle zu Ehren der hl. Ottilie, die sich schon bald zu einer Wallfahrtsstätte entwickelte. Trotz viel „Ora et labora“ war das Benediktinerkloster 1596 wirtschaftlich und personell am Ende, so dass die Besitztümer veräußert werden mussten.  Die Jesuiten griffen zu. Sie hatten gerade in München das Jesuitenkolleg eröffnet und hier ihren Hauptsitz. Unter ihrer Führung wurde Möschenfeld weiter ausgebaut.
„Habt keine Angst“ war wohl das Motto, dass sie 1632, mitten im Dreißigjährigen Krieg, eine neue Kirche errichteten. Sie entstand als frühbarocker Saalbau mit Blendarkaden, stark eingezog
enem Polygonalchor mit Chorflankenturm und zwei Treppentürmchen an der Westfassade.  Baumeister war Balthasar Wölkhamer, der Stukkator ist unbekannt, Konstantin Pader aus München könnte der Architekt gewesen sein, aber genau weiß man es nicht.
Beachtenswert sind auch die frühbarocken Altäre. Die Skulpturen entstanden möglicherweise unter Mitwirkung Weilheimer Bildschnitzer. Besonders eindrucksvoll wirkt der Hauptaltar mit der Darstellung der Aufnahme der hl. Ottilie in den Himmel.

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St. Ottilie von innen, geschmückt für eine Hochzeit, wofür die Kirche sehr oft genutzt wird.
©Rufus46 via Wikimedia Commons
Das Klostergut Möschenfeld kam nach Auflösung des Jesuitenordens erst in die Hände der Malteser, wurde danach „privatisiert“ und gelangte nach mehrfachem Besitzerwechsel zusammen mit dem ganzen Weiler 1895 an den Reichsrat Wilhelm von Finck, dessen Familie, obgleich evangelisch, vorbildlich für den Erhalt der Kirche sorgt. Von der Zornedinger Pfarrei aus finden Bittgänge nach Möschenfeld statt, ferner Messen jeweils an den zweiten Feiertagen zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten. In erster Linie wird die Kirche aber heute für Hochzeiten genutzt, wie man an der Innenaufnahme sehen kann.
Und ich weiß heute, warum ich dort schon immer so gerne innegehalten habe. Mit dem schnell Hinfahren ist es inzwischen vorbei. Denn die schöne Strecke durch den Wald ist zum Dorado der Radlfahrer geworden, da heißt es, geduldig hinterherschleichen. Und es ist ohnehin besser, anzuhalten und den Anblick zu genießen und wenn man Glück hat, ist die Kirche sogar offen.

Fortsetzung: St. Nikolaus in Haar

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