Donnerstag, 16. August 2012

Grüß Gott aus der Nachbarschaft (6)

St. Nikolaus: 
Das Wunder in Haar oder Was Gott erhalten will, erhält er auch.


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Trotz vieler "Beinahe-Tode" immer noch am Leben: St. Nikolaus in Haar
©AHert via Wikimedia Commons

Jahreszeitlich passt es jetzt nicht so ganz, aber lange wird's auch nicht mehr dauern, bis die ersten Lebkuchen in den Regalen der Supermärkte liegen. Deshalb habe ich St. Nikolaus auch ans Ende meiner "Reise durch die Nachbarschaft" genommen:

Ganz unscheinbar versteckt sich in meiner Nachbargemeinde Haar ein echtes Wunder – Ein Kleinod aus der Romanik, das man von der Hauptstraße aus nur ganz kurz sehen kann, aber ansonsten  hinter den Bürogebäuden und großen Wohnhäusern verborgen ist.
Man muss schon in eine Seitenstraße hereinfahren, um St. Nikolaus zu sehen. Die kleine Kirche steht inmitten eines Friedhofes und ist eine Filialkirche von St. Konrad, der großen Hauptkirche des Ortes, die in den 30er Jahren gebaut wurde.
Die bewegte Geschichte von St. Nikolaus aber müsste den Ort eigentlich zu einem Wallfahrtsort machen.
Denn hier zeigt sich ganz deutlich, dass Gott über die Jahrhunderte seine schützende Hand über diese Kirche gehalten hat –  Sie ist ein schönes Beispiel, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, dass  Gott unsere gesamte Kirche nicht in der gleichen Art und Weise erhält:

Die Kirche wurde 1272 auf Bitten eines Abtes des Klosters Rott erbaut, Später wurde die Kirche dem Bistum Freising unterstellt. Und obwohl zu dieser Zeit nur ganz wenige Menschen in Haar lebten, schafften sie es, die Kirche bis zum Ausbruch des 30jährigen Krieges zu erhalten. Während der Kriegswirren verfiel die Kirche zusehends. Und wieder machte sich der Abt des Klosters Rott für die Kirche stark. Noch während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Kirche erneut dem Kloster unterstellt, mit der Auflage die Kirche zu erhalten. Dies geschah aber nicht, denn 50 Jahre später sollte die Kirche von Haar abgetragen und das gewonnene Baumaterial für den Bau einer neuen Kirche im Nachbarort Gronsdorf genutzt werden. Ihre Rettung verdankt die Kirche den Toten, denn für den sie umgebenden Friedhof musste die Kirche nach damaligem Recht erhalten werden. So investierte der Abt des Klosters eine Menge Geld, um der heruntergekommenen Kirche wieder neues Leben einzuhauchen. Die Renovierung wurde zum Umbau, und St. Nikolaus erstrahlte nun im barocken Glanz. Sogar ein neuer barocker Turm kam hinzu. 1803 ging mit der Säkularisierung auch für St. Nikolaus die schützende Hand des Klosters Rott verloren. Der Pfarrer der Gemeinde Trudering (heute München) schlug 1812 vor, dass die Einöde Haar mit ihren 16 Einwohnern keine eigene Kirche brauchte und stellte die Feier der Gottesdienste ein. Erneut war die Kirche dem Verfall preisgegeben, sollte nun endgültig abgerissen, und die noch verwertbaren Steine anderweitig verwendet werden.
Die wenigen Einwohner von Haar protestierten. Am lautesten der Wirt Biberger, der versprach, alle Kosten für Neubau und Erhalt zu übernehmen. Wieder wurde umgebaut, diesmal der Turm abgerissen und durch einen Glockenträger ersetzt. 1830 erteilte der Oberhirte die Erlaubnis, in der Kirche wieder Gottesdienste zu feiern. Das ging 100 Jahre gut. Aber die Gemeinde wuchs und brauchte eine größere Kirche. 1933 war St. Konrad fertig und dort fanden dann die Messfeiern für die Gemeinde Haar statt.
St. Nikolaus wurde verschlossen und 40 Jahre lang passierte erst mal gar nichts.

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Die Innenansicht von St. Nikolaus, so wie sich heute darstellt.
©AHert via Wikimedia Commons
Erst 1971 entdeckte ein Kaplan der Gemeinde das Gebäude neu. Wieder mal war die Kirche in einem desolaten Zustand und musste komplett renoviert werden. Dem Engagement der Haarer Bürger, insbesondere der Pfarrjugend ist der Erhalt der Kirche und ihr heutiger guter Zustand zuzuschreiben.

Die Kirche zeigt Spuren der Jahrhunderte, in denen sie immer wieder neu aufgebaut wurde. Man erkennt den romanischen Grundriss, Elemente der Gotik und des Barock. Der Innenausbau verblieb im barocken Stil bayerischer Landkirchen. Der Hochaltar vereint Stilelemente von Renaissance und Barock. Die Holzrelief-Figur des heiligen Nikolaus stammt aus dem Jahr 1520, vier Engel aus dem späten 16. Jdh. Das Bild des heiligen Benedikt stammt aus 1720, ebenso die Figur von Johannes dem Täufer.

Ich war wirklich total ergriffen, als ich den Text zur Geschichte dieser kleinen Kirche auf der Seite des Erzbistums München las. Mein Text ist eine Zusammenfassung, das Original gibt es hier.
Aber offensichtlich hat man beim Verfassen der Chronik nicht bemerkt, dass diese kleine Kirche doch eine unglaubliche Kraft ausstrahlen muss, wenn sie von Gott so oft vor der endgültigen Zerstörung gerettet wurde. Sie ist ein schönes Beispiel, wie der Geist Gottes in der Kirche wirkt, wie auch hier nachzulesen ist.

Nach den Sommerferien gibt es wieder jeden Sonntag abend eine gesungene Vesper. Da werde ich bestimmt öfter hingehen, denn in dieser Kirche kann man die Kraft Gottes sicherlich mit den Händen greifen. 

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