Montag, 27. August 2012

Zauberhaft!

Jeannie, Bibi, Samantha und ihre Mutter freuen sich:

Der Bamberger Erzbischof Schick hat sie rehabilitiert.
Endlich dürfen alle weiterhexen, denn Erzbischof Schick hat sich nicht nur bei den Hexen entschuldigt, die von neidischen, bösartigen Zeitgenossen denunziert und als Hexen verurteilt wurden.  Nein - er hat ausdrücklich darauf bestanden, auch die Verfolgung von Hexen in der Gegenwart auf's schärfste zu verurteilen.
Aber Spaß beiseite:
Weiß Erzbischof Schick eigentlich nicht, dass die meisten Hexen in den evangelischen Gegenden ermordet wurden? Und die letzte Hexe in der Calvinistischen Schweiz verbrannt wurde?
Weiß Erzbischof Schick eigentlich, dass Herr Luther ein großer Verfechter der Hexenverfolgung war?

Dass die Hexenverfolgung auch ein Phänomen während der kleinen Eiszeit vom 16./17. Jahrhundert war, als im Mai noch die Teiche zugefroren waren und es demzufolge fast keine Ernten gab, sollte inzwischen zur Allgemeinbildung gehören. Das kann man bei Wiki oder Planet Wissen nachlesen. 

Hier ist ein Auszug aus einem 3sat-Artikel, der einiges gerade rückt.

"Kirche wusch ihre Hände in Unschuld - oft zurecht!

... Unwahr ist auch, dass die Kirche treibende Kraft hinter den schrecklichen Entwicklungen steht. Die Kirche steckte durchaus hinter der Inquisition im 11. bis zum 14 Jh., wo sie mit schrecklicher Härte gegen Abweichler vorging, so zum Beispiele gegen die Katharer. Doch die Inquisition und die Hexenverfolgung hängen nur in sofern zusammen, das die menschenverachtenden Methoden, die Rechtfertigungsmuster und die unnachgiebige Härte eine bisher verschlossene Tür öffneten....
.

.. Die überwiegende Meinung bei den Historikern geht von der Hexenverfolgung als einem komplexen sozialen Prozess mit starken regionalen Unterschieden aus. Vor allem soziale Konflikte wurden über die Hexenverfolgung aufgerollt. .... Der Historiker Walter Rummel führt am Beispiel der Pfalz aus, dass unliebsame Gegner im Kampf um Wirtschaftsinteressen ihre Nebenbuhler denunzierten, dass Bürger sich so unliebsame Landvogte entledigten...."

Das typische deutsche Denunziantentum, basierend auf Neid und Missgunst war verantwortlich für die Hexenprozesse. 
Da sind die Historiker wohl doch weiter als der Bischof.
Die Kirche muss sich also höchstens dafür entschuldigen, dass sie den Menschen nicht die Todsünde Neid ausgetrieben hat und daran leiden wir heute noch!!

Der Fall des Dortmunder Hexendenkmals zeigt auch mehr als deutlich, wie sich die evangelische Kirche vor der Verantwortung drückt und diese auf die Stadt abschiebt. 

Trotzdem sollten wir für die zu unrecht verfolgten und ermordeten Frauen und Männer beten, genauso wie wir es heute für die Opfer der modernen Hexenjagden tun, die nicht von sondern gegen die Kirche gestartet werden oder gegen in Ungnade gefallene Politiker oder sonstige Prominente. 





4 Kommentare:

  1. Ein wichtiger Grund für die Stellungnahme Schicks könnte auch die Sache sein, dass Bamberg gerne als "Hochburg der Hexenverbrennung" in Diskussionen hinzugezogen wird, vor allem weil man den Namen eines Fürstbischof hat: Johann Georg Fuchs von Dornheim ( http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Georg_II._Fuchs_von_Dornheim ). Was jedoch nicht immer beachtet wird ist die Sache, dass die Hexenverfolgung nicht nur mit dem Tod dieses Fürsten endete, sondern auch Bürger und Verwaltung das berühmt-berüchtigte "Trudenhaus", wo die angeblichen Hexen verhört und gefoltert wurden, sofort abrissen. Historisch gesehen war auch die Hexenverfolgung Bamberg mehr an einzelne Persönlichkeiten (auch Denunzianten spielten eine große Rolle in der Bischofsstadt) als an die Kirche selbst gebunden.

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  2. "'sisch ja immer wieda de Kiache, de Kiache is imma dabei" sagt ein Herr auf dem Video des BR aus dem Juli. Da gab es in Bamberg eine anonyme Anzeige und daraufhin einen Beitrag in der bayrischen Sendung "quer". Man sieht steter Tropfen höhlt den Stein beim Fernsehpublikum.
    http://www.youtube.com/watch?v=waPhB3FMjLA

    Hexenjagden der Gegenwart finden vor allem - wer hätte es geglaubt- in muslimisch dominierten Ländern und in Südamerika statt und sie haben laut Wikipedia nur in einem einzigen Fall in Osttimor einen offiziellen, katholischen "Hintergrund".

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung#Hexenverfolgung_heute


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    1. und das größte Hexenjagdrevier der Gegenwart überhaupt -das virtuelle nämlich - sind unsere Medien. Da haben die, wenn es um die Sünden anderer geht, immer ach so sensiblen Moderatoren und Meinungmacher nicht die allerleisesten Hemmungen, ihren politisch korrekt und mehrheitsmeinungsfähig auserkorenen Sündenbock ohne Möglichkeiten zur Gegenwehr an den medialen Pranger zu stellen- ihn mit Häme zu überschütten und zumindest zu versuchen ihn medial zu vernichten.

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    2. Auch quer hätte vorher mal nach Dortmund schauen sollen. Dann hätten die sich den Bericht sparen können.
      Der Herr Seehofer sollte sich entschuldigen, bei den jährlich abgetriebenen 100000en unschuldigen Kindern. Und wenn wir schon dabei sind, die anderen Politiker, insbes. die aus dem sog. "Naturspektrum" gleich mit.

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