Mittwoch, 22. August 2012

Moderne Ehen - Die Rolle rückwärts?

Um das Fazit an den Anfang zu setzen, wenn ich schwul wäre, würde ich mich dagegen verwahren,  wehren und beleidigt sein, wenn man wollte, dass meine schwule Beziehung der normalen Ehe gleich gestellt würde.

Warum?
Ich plaudere mal ein bisschen aus dem Nähkästchen.
Als ich Ende der 70er an die Uni kam, hingen überall in den Klos so Aufkleber, da stand drauf :
"Es gibt viele Arten Menschen einzusperren: in Heim, Ehe Psychiatrie, Knast...."
Ich muss sagen, als kleines, naives Landei, war mir nicht unmittelbar einsichtig, dass Ehe und Knast gleichzusetzen sind, aber mit der Zeit habe ich das dann schon begriffen, wie das gemeint war.

Das große Begehren der studentischen Politszene war "nur nicht bürgerlich leben!"
Ehe, Keuschheit war bürgerlich, pfui bäh, eben.
Es waren noch die Restausläufer der APO mit ihrer Idee, dass mit der Entfesselung der Sexualität, deren Fessel eben die "bürgerliche" Ehe war, alles besser, schöner, freier, kreativer werden würde.
Ich will jetzt nicht auf all die Irrtümer und Wirrtümer, die hinter der Idee stecken, eingehen, darum geht es in diesem Beitrag nicht.



Es gab  eine starke, feministische Szene mit diversen Abstufungen.
Da waren die zu Bekehrenden, eben die, die  in einer bürgerlichen Beziehung steckten,
dann die mit progressiver Beziehung, die, eben nicht heirateten, wenn sie es dann doch taten, mit Doppelnamen und wegen der Steuer und was weiß ich warum,  aber eher verschwiegen.
Dann die absoluten Obergureusen, eben die Lesben.
Lesbisch sein, galt als besonders feministisch, als sozusagen echte Überwindung der kleinbürgerlichen Prägung, absolute Überwindung der subkutan vorhandenen christlichen Konditionierung.
Ich kann das anhand diverser Literatur beweisen, will es aber nicht, weil ich das Zeug nicht mehr lesen will.

Ich versteh, nebenbei gesagt, schon,  dass die entsprechenden Männer der Kategorie 2, aus lauter Frust einfach schwul geworden sind, einfach weil sie die endlosen Diskussion über Benutzung der Toiletten und darüber dass es frauenfeindlich ist, wenn er den  Hund Gassi führt und sie solange Essen kocht, satt hatten.
Aber auch diese Männer hatten die Idee "nur nicht bürgerlich" total verinnerlicht.

Deshalb ist es mir einfach ein Rätsel, komplett schleierhaft, warum die Schwulen- und Lesbenverbände nicht kollektiv aufschreien, weil man sie staatlicherseits, mit Unterstützung der Kirche, in das Korsett der bürgerlichen Eheform zwängen will.

Dass ich nebenbei bemerkt nicht kapiere, was der Staat von  der Homoehe hat, außer einen Haufen Papierkram, weil ja auch so eine Scheidung, den Ämtern viele Möglichkeiten gibt, Formulare ausfüllen zu lassen und Dokumente zu ändern und damit die Beamten halt was zu tun haben, steht auf einem anderen Blatt.
Und dass ich erst recht nicht kapiere, wie die Kirche dafür sein kann, dürfte klar sein.


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