Samstag, 22. September 2012

Der Papst in Deutschland - ein Jahr danach (2)

Petrus bei den Heiden: Lost in Berlin

Endlich! 
Der Zug läuft ein im Berliner Hauptbahnhof! Und die ganze Stadt scheint aus dem Häuschen. Überall hängen große Poster mit dem Text „Willkommen, Heiliger Vater“ und die ganze Stadt ist in weißgelbe Flaggen gehüllt.... Doch dann, der Zug bremst sich in den Bahnhof ein, stoppt abrupt und ich komme an und wache auf .... Alltag in Berlin!
Nichts deutet auf den Besuch des Papstes hin. Die Stadt hat viel getan, damit man den hohen Besuch gar nicht erst wahrnimmt. Es gibt schon am Montag Gerüchte, dass die Kartenzuteilung nach „Gutsherrenart“ erfolgt und papsttreue Gruppen das Nachsehen haben werden. Deshalb wird nach dem Eintreffen im Quartier der PC eingeschaltet und die Hiobsbotschaft springt uns ins Auge: Keine Karten für Papsttreue Pilger und kein Zutritt ins Olympiastadion!!!
Doch das Wunder geschieht!
Die Meldung wird kurze Zeit später revidiert. Plötzlich sind doch noch Karten aufgetaucht .... Irgendjemand im Ordinariat hat sie wohl in einer Schublade „vergessen“. So kann man erst mal beruhigt einschlafen und sich auf den kommenden Tag freuen. Der beginnt mit Papstwetter und lockt uns nach draußen, um ihm am Schloss Bellevue zuzujubeln.
Doch als wir unser Quartier verlassen, finden wir die ganze Straße abgeriegelt vor. Der Papst wird hier vorbeikommen. Wie schön! Eine Chance zum Winken und Jubeln bekommen wir trotzdem nicht. Die Polizei achtet streng darauf, dass der Papst durch eine Geisterstadt fahren muss. Alle, die ihm zuwinken wollen, werden vom Straßenrand verbannt. Welches Bild Berlin ihm wohl vermitteln will?




Zum Vergleich noch mal zwei Videos aus Cuba und Mexiko. Hier war das Sicherheitsrisiko offensichtlich nicht so hoch wie in Berlin:






Den Empfang in Schloss Bellevue verfolgen wir im Fernsehen.
Ich denke an die Bilder von 2006 in München und resigniere...
Nach dem Mittagessen erhalten wir endlich unsere Karten. Jetzt geht’s los! Und in der U-Bahnstation hängt doch tatsächlich ein kleines Poster mit dem Bild des Heiligen Vaters und einem Willkommensgruß! Die Protestierer, die uns vor dem Einlass ins Olympiastadion noch belästigen, schütteln wir kaltlächelnd ab und betreten kurze Zeit später die "Arena". Dort herrscht bereits Partystimmung. Ein Moderator „heizt“ das schon anwesende Publikum an. Ein buntes Showprogramm soll die Besucher bis zur Übertragung der Rede aus dem Bundestag unterhalten .. Offensichtlich hat man im Organisationsteam ganz vergessen, dass nicht Thomas Gottschalk demnächst ein paar lustige Wetten präsentieren wird oder dass nicht Hertha BSC gegen Bayern München spielt, sondern dass das Oberhaupt von 1,2 Mrd. Katholiken mit 70.000 Menschen eine heilige Messe feiern wird.
Es gibt keine Andacht, keine Gebete – aber wir dürfen die Bundestagsrede des Papstes via Videowand verfolgen. Leider ist die Tonqualität so schlecht, dass man fast nichts versteht. Dann geht es weiter mit dem Showprogramm. Woher soll so ein Moderator auch wissen, wer der Papst ist, wie man einen Rosenkranz betet und dass um 18:00 Uhr traditionell der Angelus gebetet wird. Das Stadion ist zwischenzeitlich gefüllt – und es ist augenscheinlich, dass ein kompletter Block leer bleibt.

Das sind wohl die Plätze die für „Deutschland Pro Papa“ und andere papsttreue Gruppen vorgesehen waren . Diese Karten schlummern wohl immer noch in der Schublade eines Ordinariats-Mitarbeiters oder konnten bei ebay nicht mehr verkauft werden.

Doch dann ist alles vergessen. Das Papamobil mit dem Papst an Bord rollt ein. Frenetischer Jubel erfüllt das Stadion und steigert sich, wenn dem Papst Kinder zum Segnen in den Wagen gereicht werden. Was für wundervolle Bilder!


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