Montag, 24. September 2012

Der Papst in Deutschland - ein Jahr danach (4), Petrus bei den Seinen

Ich verkneif mir das jetzt, zunächst darauf hinzuweisen, dass damals von offizieller Seite aus  alles getan wurde, um den Leuten das Fahren nach Freiburg zum Papstbesuch, madig zu machen.
Ich spar mir auch den Verweis auf die unseligen Luftwürste und das grausame Vorprogramm bei der Jugendvigil.
Ich weiß nur noch, dass die Rede des Helligen Vaters über Licht, Taufe, Ostern und die Finsternis in der das Licht leuchtet, genial war.
Auf jeden Fall sind wir früh morgens nach Freiburg gefahren, es war gut organisiert und es waren wahre Volksmassen, die sich zum Flughafengelände bewegten, sogar ein Fahrservice für Fußkranke war organisiert worden.
Lassen wir all die Merkwürdigkeiten beiseite und erinnern uns, dass der Heilige Vater in seinem Papamobil direkt an uns vorbei fuhr.
Meine Tochter sagte "Der hat mich angeguggt" und war ganz ergriffen.
Als sie das sagte, sagte ein Junge "Mich hat er auch angeguggt! Soll ich vielleicht Priester werden?"
Ich kann es eigentlich gar nicht erklären, was das ist. Aber den Papst so nahe sehen, ist, ich kann es nur ganz altmodisch ausdrücken, einfach eine Gnade, eine große Gnade.
Man merkte der Messe an, was auf dem Mist des Ordinariats gewachsen war und auf was Rom bestanden hatte.
Es kam die Predigt und da fiel ein Satz der mir zumindest durch und duch ging.
Der heilige Vater sagte nämlich:
Agnostiker, die von der Frage nach Gott umgetrieben werden; Menschen, die unter ihrer Sünde leiden und Sehnsucht nach dem reinen Herzen haben, sind näher am Reich Gottes als kirchliche Routiniers, die in ihr nur noch den Apparat sehen, ohne dass ihr Herz davon berührt wäre, vom Glauben.


Interessanterweise stand dann am Abend und am nächsten Tag in allen möglichen Presseberichten und   Dokumentationen was ähnliches  aber prinzipiell anders, nämlich
Agnostiker, die von der Frage nach Gott umgetrieben werden; Menschen, die unter unserer Sünde leiden und Sehnsucht nach dem reinen Herzen haben, sind näher am Reich Gottes als kirchliche Routiniers............
ja und da war es wieder dieses typisch deutsch katholische  sich beständig schuldig fühlen
Diese beständige Betroffenheitsrhetorik, die humorlos und freudlos ist, die der Kirche den Ruf von "Gemeinschaft der Nieselprieme und Langweiler" eingebracht hat.
Eine Sache die die entsprechenden Apologeten nicht kapieren, dass sie unattraktiv in ihrem Glauben sind.
Bei so einer Grundhaltung, kommt  man  sich ungeheuer demütig vor und will dabei geflissentlich nicht wahr haben, dass das ein ganz gemeiner versteckter Hochmut ist.
Ich bin ja so böse und weil ich so böse bin, (aber doch nichts richtig Böses mache, ich bin ja kein Mörder oder Ehebrecher oder Zöllner, nein, da sei Gott davor,. dass ich sooooo böse bin wie die richtig Bösen)  aber ich bin doch soooo wichtig, das wegen mir, und meinem Pipifax  (Heul schluchz) die anderen leiden
Der Papst sieht das anders, zentral ist, dass ich erkenne, wer ich bin, dass ich mein Unvermögen wirklich "edel hilfreich und gut" zu sein, erkenne, dass es gar nicht darauf ankommt, alles richtig zu machen, nein es kommt darauf an, sich in aller persönlicher Schwäche, der eigenen! an Christus zu wenden.
Vielleicht haben all diese gerne zelebrierten öffentlichen Empörungshypes, wo man so schön mit dem Finger zeigen kann und sich selber auch soooooooooooo gut vorkommen kann, ihren Grund im Niedergang des Beichtsakramentes,
Der Mensch erfährt sich nicht  als Sünder, er erfährt sich als der, der "edel, hilfreich und gut" zu sein hat und wenn er es nicht  ist, dann können wir ihn in unserer Kirche nicht brauchen, das ist zwar donatistischer Unfug, und seit über 1600 Jahren als Irrlehre erkannt, aber was soll´s.

Die Messe ging weiter und lassen wir diese merkwürdigen Gestalten, die die Kommunion austeilten mal weg.
Stellen nur fest, es wären genug Priester da gewesen, die die Kommunion hätten austeilen können, aber in Deutschland müssen das ja, obwohl in Redemptroris Sacramentum was anders steht, die Laien machen!
Trotzdem war nach dem Kommunionempfang ein kurzer Moment, der hätte genial werden können.
100.000 Menschen waren kurz davor, in Stille und Anbetung zu versinken.
Ewigkeit., Wahrheit, Göttliches, wehte heran.
Da spielte die Musike eines dieser seichten Lieder.
Trotzdem es hat sich gelohnt.
Danke Heiliger Vater, dass Sie bei uns waren!

Und damit der Deutschlandbesuch nicht nur eine nostalgische Angelegenheit bleibt, scheint zumindest mir so, als habe der Heilige Vater die Grundprobleme der Katholiken in Deutschland in sein Ankündigungsschreiben zum Jahr des Glaubens einfließen lassen.
Da heißt es nämlich:
Nun geschieht es nicht selten, daß die Christen sich mehr um die sozialen, kulturellen und politischen Auswirkungen ihres Einsatzes kümmern und dabei den Glauben immer noch als eine selbstverständliche Voraussetzung des allgemeinen Lebens betrachten. In Wirklichkeit aber besteht diese Voraussetzung nicht nur nicht mehr in dieser Form, sondern wird häufig sogar geleugnet

Ja genau, das isses und das ist der Punkt den Kardinal Ratzinger in seinem Interviewbuch "Salz der Erde" beschreibt.
Wie er als junger Theologe an Hans Urs von Balthasar eine kleine theologische Arbeit schickte und der mit einer Postkarte antwortete:
Den Glauben nicht vorraussetzen, sondern vorsetzen!

Ja, darin liegt das Problem, die Kirchenfunktionäre (wobei die Krankheit auch bei den unbezahlten Funktionären in vielen PGR's endemisch ist) bereiten den Raum, damit die, die Glauben, glauben können,. aber weil sie selber nicht glauben, verstehen sie nix vom Glauben und versperren die Tür, weil sie eben nicht hineingehen.






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