Dienstag, 4. September 2012

Warum in München seit 1684 der Frauendreißiger gebetet wird

Information zum Frauendreißiger an der Tür
der Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf
In den letzten Tagen habe ich einige Artikel zum Frauendreißiger geschrieben, der ja als Wallfahrt in zwei Münchner Kirchen gefeiert wird.
Da ist es gut, dass mir letztens ein Schul-Geschichtsbuch aus dem Jahr 1951* in die Hände gefallen ist, das die Situation in Wien während der Belagerung durch die Türken sehr gut beschreibt. Dem Sieg der christlichen Europäer am 12. September 1683 gegen die Türken war ein Gebetssturm vorausgegangen. Und eben auch ein Gelübde von  7 Münchner Tuchmachern, eine 30tägige Marienverehrung zu stiften, wenn die Türken vor Wien besiegt werden und das christliche Europa gerettet wird. Dieses Gelübde hat bis heute Bestand.

Doch wie sah es 1683 in Wien aus? Ich denke, das ist eine gute Gelegenheit, zu zeigen, dass ich auch gut abtippen kann. Die "Vor-Ort-Reportage" aus dem belagerten Wien ist doch etwas spannender, wenn man die "Originalsprache" aus den 50ern übernimmt:

"Die Türken vor Wien

1. Was gab es zu sehen, als die Türken auf Wien losrückten?
Ludwig XIV. hatte das Elsaß besetzt und Straßburg genommen, als von Osten her eine noch größere Gefahr drohte: die Türken rückten gegen die Reichshauptstadt Wien vor! Es war nicht das erste Mal; schon 150 Jahre vorher hatten sie einen Sturm auf Wien gemacht. Damals hatte sich die kleine Besatzung der Übermacht erwehrt; nach einigen Wochen waren die Türken abgezogen; aber der größte  Teil Ungarns war in ihrer Hand geblieben. Und nun kamen sie wieder in gewaltigen Scharen. Den Truppen voraus schwärmten die Reitervölker der Tataren, raubend und plündernd. Dann kamen die Krieger, Männer aus drei Erdteilen, höchst verschiedenartig an Aussehen, Kleidung und Bewaffnung. Bei der Vorhut ritt der Quartiermeister, weithin kenntlich an dem Roßschweif, der neben ihm getragen wurde. Der Quartiermeister bestimmte, wieviel Stroh, Heu, Verpflegung und Zeltpflöcke die Dörfer zu liefern hatten, die am Wege lagen. Den Zug des Sultans und des Oberfeldherrn, des Großwesirs, deckten ausgesuchte Reiterscharen. Dem Großherrn zur Seite ritten seine vornehmsten Ratgeber, hinter ihm die Leibwächter, Tausende von Männern in weißen Jacken und roten Hosen, hohe Mützen auf dem Kopf, die krummen Säbel an der Seite. In hundert Wagen und mehr fuhren die Frauen und Kinder des Sultans. Die Räder hatten silberne Speichen; Sättel und Zuggeschirr waren mit Samt gefüttert. Wachen sorgten dafür, daß kein Dorfbewohner das Weite suchte, bis dieser Zug vorüber war. Dann stand es den Leuten frei, ins Gebirge zu entweichen, um nicht den Truppen in die Hände zu fallen, die nun nahten: Regiment auf Regiment, mit einem unabsehbaren Troß von Wagen und Lasttieren. Wo dieses Heer durchmarschiert war, blieb eine Wüste zurück. Brennende Dörfer, Klöster und Schlösser bezeichneten seinen Weg."

Fortsetzung "Was taten die Wiener beim Nahen der Türken?" folgt.

* 1951 gab es weder ein ZDF und deshalb auch keine Knopp'schen "Historienpornos." 



2 Kommentare:

  1. Das haben die Wiener. Ein Rüdiger von Starhemberg der den Laden zusammenhält;-)

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    1. Der Ernst Rüdiger hat aber erst morgen seinen Auftritt ! ;-) ,
      wenn der zweite Teil folgt.

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