Donnerstag, 4. Oktober 2012

Los von Rom?


Wirklich?

Seit Ende des Dialogwochenendes und mit dem Ende der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz, geht ja wieder mal das Gespenst der deutschen Los-von-Rom-Nationalkirche durch die katholischen Medien und Blogs.
Man muss sich die Sache schon sehr genau angucken, um sich zu fragen, ob das wirklich so ist?

Natürlich finden die provokanten Auftritte einiger Politiker, die gerne „deutscher Papst“ sein möchten (als Politiker wird man halt nicht so beachtet und bejubelt) oder die Versuche „Ökumene jetzt!“ zu befehlen, in den links-grünen Medien einen großen Widerhall.


Und natürlich schrecken Aussagen, wie „die deutschen Bischöfe fahren nach Rom und stellen Forderungen“ oder „sagen dem Papst ihre Meinung“ die gläubigen Katholiken hier in Deutschland auf.

Schöne Phantasie, doch was sagen die Facts?

Wir alle wissen, dass unser heiliger Vater ein großer Mensch ist, der aber trotz allem ein offenes Ohr für die großen und kleinen Anliegen seiner Herde hat.

Da ist es doch ganz selbstverständlich, dass er in einem Gespräch mit dem Vorsitzenden der DBK nicht einfach schroff „nein“ sagt, wenn Erzbischof Zollitsch die deutschen Befindlichkeiten und Wünsche an ihn heranträgt.
Wir können es uns doch regelrecht vorstellen, wie so ein Gespräch abläuft,  mit einem netten Wort des Papstes, dass man sich zu gegebener Zeit um die Anliegen der Deutschen kümmern wird. Da mag jetzt ein Deutscher Bischof etwas anderes heraushören, als zum Beispiel meine Wenigkeit.
Ganz sicher ist jedoch, dass der Erzbischof nach Deutschland zurückkommt, dort vor die Presse tritt und mit stolzgeschwellter Brust verkündet: „Dem habe ich’s jetzt aber mal tüchtig eingeschenkt, wie schwerwiegend die Probleme in Deutschland sind und dass wir uns hier dringend den Deutschen Befindlichkeiten ergeben müssen.“  Er sagt in der Regel aber nicht, was der Heilige Vater dazu gesagt hat. Braucht er auch nicht, Hauptsache, die Medien jubeln. Ein nachträglich hingeworfenes „Falls Rom zustimmt“, wird so gerne überhört und alle haben mal wieder die Wahrheit gesagt.
Weiß eigentlich jemand, was mit den Deutschen Konzepten in Rom passiert, sobald der DBK-Tross sich wieder Richtung Heimat verabschiedet hat?
Ich habe noch nie etwas von einer Pressekonferenz gehört, in der darüber (weder mit  noch ohne Papst) berichtet wurde, dass Rom den Deutschen Forderungen nachgeben würde.
Wir vermuten demzufolge: „Archiv“ oder eher „Rundablage“.
Wie wichtig Rom die 2% (in Bezug auf die Weltkirche) Deutschen Katholiken sind, sieht man an den Taten:
Es gibt seit mehreren Monaten eine Website zum „Jahr des Glaubens“. Zuerst eine italienische Version, kurz darauf eine englische Version, seit einigen Wochen ist die spanische Version Online. Offensichtlich traut man dem Großteil der Deutschen Katholiken schon gar nicht mehr zu, dass sie  sich überhaupt im großen Stil dafür engagieren werden. Deshalb gibt es keine deutsche Version.

Das gleiche ist zu beobachten beim Nachrichtenportal „news.va“, wo alle relevanten Informationen und Medien aus dem Vatikan gesammelt und publiziert werden.
News.va. gibt es in italienisch, englisch, französisch, spanisch, portugiesisch, aber nicht in deutsch.
Ebenso verhält es sich mit dem Vatican YouTube Channel. Naturgemäß sind hier die aktuellen Videos zuerst auf italienisch „onboard“, es dauert dann ein paar Stunden, bis die englischen, französischen und spanischen Versionen geliefert werden. Die deutschen Updates gibt es dann immer ein paar Tage später (auch dann, wenn es deutsche Themen betrifft, wie z.B. letztens der Besuch aus Würzburg). Manche Videos werden überhaupt nicht auf Deutsch übersetzt.

Das sieht doch eher nach Nichtbeachtung seitens Roms aus und nicht so sehr danach, dass die Deutschen dort mal „auf den Tisch hauen dürfen.“

Fühlt sich das deutsche Espikopat etwa von Rom zu wenig beachtet und will deshalb in eine Deutsche Nationalkirche flüchten?

Nur was würde eine solche „Flucht“ dem einzelnen Kirchenmann denn wirklich bringen?

Sie wären de facto, genau wie die evangelische Kirche, dem Staat ausgeliefert. Wen würde aber eine solche staatshörige Kirche noch interessieren? Was liest man denn z.B. in den Medien über die evangelischen Landesbischöfe? Kennt man die überhaupt? Und den katholischen würde es dann genauso gehen: „Schal gewordenes Salz, das man zertritt“.
Sie hätten sich mit einer Abspaltung von Rom sehr klein und unbedeutend gemacht.

Die deutschen Katholiken würden sich dann entweder den bestehenden Personalprälaturen und anderen katholischen Verbindungen anschließen und weiter römisch-katholisch sein, der nur noch kirchensteuerzahlende Rest irgendwann austreten und immer kleiner werden. 
Was wäre also erreicht? Die deutsch-katholische Nationalkirche würde schneller schrumpfen, als es den meisten lieb ist und irgendwann würde man – so wie es ja manche Politiker schon von oben anordnen – mit den Protestanten fusionieren.
Das gesamte Deutsche "Los von Rom"-Episkopat würde in der Bedeutungslosigkeit versinken. Sogar dann, wenn jeder sein eigener Papst sein dürfte. Denn auch eine Deutscher-Papst-Inflation kann nicht ihr Ziel sein, zumal ja dann die Möchtegern-Laien-Päpste und -Innen auch noch wichtig sein wollen! Die Bild-Schlagzeile "Wir sind Papst" würde dann gleich eine neue Bedeutung bekommen!
Die meisten deutschen Bischöfe wissen das!
„Los von Rom“? Alles nur Show!

5 Kommentare:

  1. Alles schön und gut. Aber warum wird denn von der DBK so nachhaltig darauf hingearbeitet?

    Beispiele gefällig?

    Wandlungsworte:
    Warum folgt nicht unmittelbar nach der päpstlichen Klarstellung Ostern 12 die sofortige Umsetzung (ist nur ein Wort; kann man im Meßbuch notfalls überkleben) und die angeordnete Kathechese der Gläubigen? Mein Pfarrer sagt mair, daß es noch geraume Zeit brauchen wird und er diesbezüglich von seinem Bischof noch kein Sterbenswörtchen vernommen hat. Stattdessen erlaubt sich Kardinal Lehman noch im März trotzig nachzutreten.

    Kirchensteuer:
    Angebliche Durchsetzung eines Sonderrechtes: Sakramente nur gegen Geld. Ohne jegliche Anknüpfung an den Glauben.

    ZdK/BdKJ/Frauenunion usw.:
    Keinerlei je vernommene Rüge deutscher Bischöfe gegen protestantische Bestrebungen. Kein Vorgehen gegen "WisiKi"

    Reformationsjubiläum:
    Die DBK wird die 500 Jahre (Lostrennung) gemeinsam mit den Protestante "feiern" und Glück- und Segenswünsche aussprechen. "Brüderlich" natürlich. Wetten?

    Ein Blick rückwärts in die Zeit um 1515 zeigt klar das Wiederholungschema. Ein deutscher Virus im Christentum.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Man kann die doch rumhampeln lassen. Unterschriften sammeln, Konzepte machen usw. Da sind sie beschäftigt und fühlen sich wichtig ... Die meisten Menschen brauchen das eben.
      Der Kardinal Marx hat das in München auch so gemacht. Da haben viele "Reformierer" viele Papiere mit den üblichen Vorschlägen ausgearbeitet und sie dann dem Kardinal vorgetragen. Anschließend haben sie sich in der SZ ausgeheult, dass nix passiert ist ... Warum sich mit diesem Kindergarten anlegen?
      Beschäftigen und dann ignorieren, das ist das beste. Und die Strategie scheint gut zu klappen. Und was 2017 angeht: Wir in Bayern feiern da "100 Jahre Patrona Bavariae". Ob bei diesem Thema auch was für die Protestanten abfällt? Schaun mer mal...

      Löschen
  2. "Man kann die doch rumhampeln lassen.."

    Nee, kann man nicht. Es geht bereits um Subtantielles: Wandlungsworte, Sakramente gegen Geld, Herumfummeln am Sakrament der Ehe usw.

    Das sind nicht etwa Laien, es sind Bischöfe!

    Vor 500 Jahren (gut, die Nachrichtenverbindungen und die Verkehsmittel gaben nicht mehr her) hat Rom ebenfalls zulange gezögert und laviert und viel Geduld bewiesen. Aber dann war es plötzlich zu spät. Auch damals liefen die Bischöfe davon. Ohne die hätte das alles in einer klitzkleinen Sekte enden können und wäre längst vergessen. Damals wie heute gilt: Laufen die Hirten davon, rennen die Schafe in alle Richtungen. Immer den bequemsten Weg.

    Die Laien: Schauen Sie sich "Donum vitae" an. Die stellen auch "Scheine" wg. Beratung aus. Wer führt den Verein? Katholische Laien. Keine Exkommunikation in Sicht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich denke eher nicht, dass ich mir dadurch die Freude am Glauben nehmen lasse!
      Die wissen alle, dass sie sich eines Tages dafür verantworten müssen. Und da kommt niemand aus. Bei katholisch.de gibt es sogar einen Artikel, dass auch sie jetzt vom demographischen Faktor eingeholt werden.
      Und es werden andere nachkommen, die es wieder besser machen, weil sie was draus gelernt haben. Die Alt68er Spießer sterben aus und dann ändert sich das auch wieder...

      Löschen
    2. Auch ich will standhaft bleiben. Obwohl ich eher ein nachlässiger Katholik bin. Aber ich weiß immerhin woran und warum ich (unerschütterlich) glaube.

      Natürlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Deshalb: Ihr Wort in Gottes Ohr. Meine besondere Beschwernis rührt wohl daher, daß ich mich als Historiker nicht blind stellen, oder zwingende Konsequenzen ausblenden kann.

      Löschen

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.