Donnerstag, 18. Oktober 2012

Meckern statt Beten – ist das katholisch?


Oder: merken die sogenannten „frommen“ Katholiken gar nicht, dass sie eigentlich schon protestantisch sind?

Wenn man die Bücher des Papstes liest, wenn man seine Enzykliken liest, wenn man seine Predigten liest – nirgends zweifelt er an der Wahrheit am Wort unseres Herrn. Mit großer Geduld vermittelt uns den wahren Glauben und wirkt auf die ein, die so ihre Probleme damit haben und am liebsten alles ändern würden. Den einen ist er zu "fortschrittlich", den anderen zur "rückschrittlich". Aber: es waren seine Bücher und seine Predigten, die mich in die Kirche brachten.
Papst Benedikt lehrt uns glauben, so wie Jesus es getan hat. Er lehrt es uns so, dass wir die Liebe Gottes spüren und dass es eine unumstößliche Wahrheit gibt.

Wie kann es aber sein, dass viele Leute glauben, er müsste diese Wahrheit mit dem „Holzhammer“ in die Menschen "hineinprügeln"?

Ist es wirklich nötig, den Menschen die Glaubenswahrheiten mit Drohungen und Zwang zu vermitteln?

Wenn man manche Leute so reden hört, gewinnt man den Eindruck, Gott persönlich habe sie eingestellt, um hier in seinem Namen „Racheengel“ zu spielen.
Doch ist die Kirche beauftragt, Racheengel zu sein? Ist sie nicht eher dazu da, im Namen Christi den Menschen die Liebe Gottes zu vermitteln und über das Bußsakrament ihre Sünden zu vergeben?
Gibt es nicht zwei wunderbare Gleichnisse, die uns genau dieses Wort und Versprechen unseres Herrn deutlich machen?

  • Das Gleichnis von der Rückkehr des verlorenen Sohns soll uns zeigen, dass sich der himmlische Vater über jeden freut, der reuevoll zu ihm zurückfindet.
  • Oder das Gleichnis von den Tagelöhnern im Weinberg, die am Ende alle den gleichen Lohn erhalten? Das zeigt uns, dass Gottes Gerechtigkeit eine andere ist, als das, was viele Menschen als Gerechtigkeit empfinden.
Geht man aber durch die diversen Internetforen, Blogs oder Leserkommentare in katholischen Internetmedien, gewinnt man immer mehr den Eindruck, dass die Protestantisierung der Katholiken durch den Glauben an die „Bestrafung durch Gott“ schon sehr weit fortgeschritten ist.
Man liest es aus einigen Kommentaren fast heraus: Wer nicht so ist, wie „ich“, der soll von Gott bestraft werden.
Als evangelisch getaufte Konvertitin klingen mir diese Worte immer noch in den Ohren. Das ist die evangelische Selbstgerechtigkeit, die viele Landstriche in Deutschland geprägt hat, und zwar diese Orte, wo es heute fast gar keinen Glauben mehr gibt, aber dafür viel Neid und Missgunst.

Durch Gebet kann man viel bewegen. Das beweist uns ja gerade der Rosenkranzmonat Oktober. Es gibt sicher viele Dinge, die in unserer Kirche nicht so sind, wie viele es gerne hätten. Natürlich wäre es schöner, wenn alle Bischofssitze mit einem „Benedikt XVI“ besetzt wären. Die Umwandlung unseres Glaubens in eine Wellnessorganisation ist ebenfalls nicht richtig. Was man hier in der Blogozese liest über Liturgiemissbrauch oder „Kindergottesdienste“ ist erschreckend. Aber trotz allem, ist es zuerst einmal an jedem selbst, durch eigenes Tun, durch starkes Gebet, durch Vorleben, durch Glaubensstärkung im Glauben zu bleiben. Wie Dorothea es schon sehr beeindruckend beschrieben hat, kann man auch in solchen schrecklichen Gottesdiensten mit komplett unpassenden Liedern dem Herrn ganz nah sein, Gott erfahren und beten. Und auch darum beten, dass sich wieder was ändert und lieben wir unsere Kirche so wie sie ist. Vertrauen wir IHM!

Kommentare:

  1. Wunderbarer Artikel ... man verfällt leicht in unkatholisches Meckern und Besserwissen, da dürfen wir uns alle, ich mir jedenfalls auch selbst, an die eigene Nase fassen!
    Danke dafür!

    AntwortenLöschen
  2. Danke, das freut mich.
    Mir ist das Licht gestern in der Diskussion mit "quer" unter dem "Christenheit"- Artikel aufgegangen. Es ist einfach schade, wenn an unserer Kirche so viel rumkritisiert wird und da ist es erst mal egal von welcher Seite es kommt.
    Ich liebe meine (seine) Kirche und habe eine Riesenfreude am Glauben und das will ich mir einfach nicht nehmen lassen.
    Diese ganze Politik, die in die Kirche eingedrungen ist, werden wir auch wieder los, wenn wir uns auf das konzentrieren, was den Glauben ausmacht.
    Und wir müssen ja nur die Geschichte verfolgen, um zu sehen, wie viel über die Jahrhunderte durch Gebete bewegt wurde. Warum sollte es jetzt anders sein?
    Und wir können auf unseren Herrn vertrauen und auf unseren "Felsen" in Rom.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "...in solchen schrecklichen Gottesdiensten mit komplett unpassenden Liedern..."

      ...verspüre ich zunächst Scham und Trauer. Dann bekomme ich ein schlechtes Gewissen, dies durch meine Anwesenheit befördert zu haben.

      Und ich glaube, daß dies Gott nicht gefällig ist. Es kommt nicht wieder vor.

      Löschen
  3. Ich muss zunächst feststellen, ich meide seltsame Gottesdienste, wenn es geht.
    Ich bin dankbar und fühle wie es mir gut tut, neue Kraft und Energie gibt, wenn ich in einem schönen Gottesdienst war.
    Ein guter Gottesdienst, erhebt die Seele zu Gott, ist Balsam für allgegenwärtige Kümmernisse und all das.
    Es gibt Gottesdienste, da komm ich grantig und unzufrieden, innerlich zerschlagen raus, weswegen ich selbige meide.
    Trotzdem ist Gott da auch und wenn man es schafft (was schwer ist, ohne Frage) auch dort die Stimme Christi zu hören, dann hat man bei seinem Kreuz mit ausgeharrt.
    Oder wie fromme alte Frauen zu sagen pflegen "Ich kann den Herrn doch nicht mit all denen alleine lassen!"
    Leider bin ich keine fromme alte Frau!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "...in einem schönen Gottesdienst...."

      Es kommt m.E. nicht darauf an, ob man einen Gottesdienst (Messe?) "schön" findet. Es kommt darauf an, daß die Eucharistie das Opfer Christi nachvollzieht.

      Ein Gottesdienst, welcher als Event erscheint (sog. "Narrenmessen", Ringelrein um den Altar, und sonst noch was), ist keiner.

      Eine tridentinische Messe ist vor solchen Entgleisungen relativ geschützt. Und damit auch die Seele.

      Löschen
  4. Lieber quer die Kirche hat schon im 4ten Jahrhundert entschieden, dass aus dem Gnadenschatz der Kirche ergänzt wird, was der Priester am Altar fehlt.
    So gilt hier wohl im Umkehrschluß, dass es schon im 4ten Jahrhundert liturgische Fehlleistungen von Priestern gab und das lange vor dem NOM.
    Wie schon häufig geschrieben, nervt mich so ein Eventgottesdienste so sehr, das es mir fast körperlich weh tut.
    Aber gültig ist so eine Messe schon.
    Nur die Schuld dafür trägt der Priester und sonstige Aktivisten, die es von Amts wegen besser wissen müssten.
    Nicht ich!
    Im übrigen bin ich der Ansicht, das Gott der Herr erst dann seiner Kirche in D zu Hilfe eilt, wenn wir anfangen zu ihm zu Flehen und so sehr es mir persönlich gut tut, ab und an mir den Frust von der Seele zu schreiben, so sehr glaube ich das Gott der Herr will, das wir mit ihm leiden um mit ihm aufzuerstehen.
    Es ist immer Christus, der von den eigenen Leuten gekreuzigt wird, und es kommt darauf an, darob nciht an ihm zu zweifeln.
    Auch und gerade dann, wenn es zum Verzweifeln ist.

    AntwortenLöschen

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.