Mittwoch, 21. November 2012

Buß- und Bettag

Als ich Kind war, war Buß- und Bettag immer der "traurige graue Feiertag" - raus konnte man nicht und das Fernsehprogramm war auch ganz langweilig. Buß- und Bettag lag zwischen dem Volkstrauertag und dem evangelischen Totensonntag und damals war das in unserer evangelischen Welt grau und trostlos.
Als ich dann aus Hessen nach Bayern zog, war der Feiertag erstmal ganz weg - ein ganz normaler Arbeitstag für das katholische Südbayern. Da die Zentrale unserer Firma aber in Frankfurt saß, hatten wir einen "Nichts-tu-Tag" in unserem Büro in München. Zum Glück hatten wir damals schon einen Fernseher im Büro, so dass es nicht ganz so langweilig wurde.

Das wäre auch alles gar nicht erwähnenswert, wenn es nicht diesen einen ganz besonderen Buß- und Bettag gegeben hätte - den ganz und gar katholischen nämlich:

Es war der Buß- und Bettag 1980 - kalt und grau wie jeder Buß- und Bettag, den ich bis dahin erlebt hatte. Johannes Paul II kommt nach München, erstmals als Oberhaupt aller Katholiken. 
Die SZ schreibt dazu:
"Es ist ein kalter Novembertag des Jahres 1980, als der ehemalige Erzbischof von Krakau erstmals als Papst die Stadt München besucht. Die bayerische Landeshauptstadt ist die letzte Station einer fünftägigen Deutschlandreise. Johannes PaulII. kommt in Begleitung von Kardinal Joseph Ratzinger mit einem Sonderzug aus Altötting, am Hauptbahnhof empfangen ihn Kinder mit Blumen sowie Oberbürgermeister Erich Kiesl und Ministerpräsident Franz Josef Strauß.
Im Konvoi fährt der Papst zur Theresienwiese, wo 600.000 Menschen auf ihn warten. Von einer mit Chrysanthemen und Koniferen geschmückten Altarinsel aus feiertJohannes Paul II. eine Messe. In seiner Predigt wendet er sich an die Jugend, die er davor warnt, sich in Resignation zurückzuziehen oder sich in Drogen und falsche Heilslehren zu flüchten."

Wir hatten damals unser Büro direkt gegenüber und konnten den ganzen Tag verfolgen, wie sich die Besucher der heiligen Messe auf der Theresienwiese einfanden. Allerdings hatten wir keinen direkten Zutritt, so dass wir die heilige Messe über den Fernseher verfolgen konnten. 
Keiner in unserem Büroteam war katholisch, so dass wir das ganze eher als eine Art Spektakel verfolgten und der Kardinal Ratzinger, der wegen seiner "altmodischen" Ansichten bei uns eher negativ besetzt war (schääääm!), war uns ohnehin suspekt.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren zu dieser Zeit noch nicht so hoch, wie es heute ist, aber trotzdem waren wir in unserem Büro mehr oder weniger gefangen, da doch das Gelände weiträumig abgesperrt war. Also harrten wir in unserem Büro aus, bis alles vorbei war und durften dann auch den "legendären Auftritt" der Diözesanvorsitzenden des BDKJ erleben:

"Als nach dem Gottesdienst ein paar Jugendvertreter Gelegenheit haben, mit dem Papst zu sprechen, kommt es zu einem "Zwischenfall". Barbara Engl, Münchner Diözesanvorsitzende des Bundes der Katholischen Jugend, trägt überraschend eine kirchenkritische Erklärung vor, in der es unter anderem heißt: "Für Jugendliche ist aber die Kirche der BRD schwer zu verstehen. Sie haben den Eindruck, dass sie ängstlich an bestehenden Verhältnissen festhält."
Johannes Paul II. quittiert die kritischen Worte mit Schweigen. "Er hat gelassener darauf reagiert als wir alle", sage einer der Mitglieder des Organisationsteams aus der Erzdiözese München"

Aber an diesem Beispiel sieht man auch sehr gut, dass schlechtes Benehmen beim BDKJ Tradition hat und dass diese Frau Engl mit ihrem penetranten Auftritt wohl die Vorläuferin aller Luftwurstaktionen war. Eine davon war ja dann auch dem Nachfolger Johannes Pauls II gewidmet: Wir erinnern uns an die Vigil in Freiburg und dass unser Papst dort sowohl auf die Luftwürste als auch die "demokratisch.amen"-T-Shirts genauso gelassen reagiert hat, wie sein Vorgänger in München. Von der BDKJ-Dame hat man übrigens nichts mehr gehört....
Aber wer hätte damals gedacht, dass der Mann hinter JPII einmal sein Nachfolger werden würde.


Kommentare:

  1. Als ich Kind war, war Buß- und Bettag immer der Tag, an dem die ganze Familie mithalf Spekulatius zu backen.

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  2. Weihnachtsplätzchen wurden bei uns in der Adventszeit gebacken, damit wir sie Weihnachten essen konnten. An Buß und Bettag hätte meine Mutter niemals die Zuckerdose ausgepackt ...

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  3. Bei uns hieß der Tag Bus- und Bett-Tag, und man tat genau das: faulenzen und alte Schwarz-Weiß-Filme gucken oder Einkaufen gehen (das Grauen!). Schön war, daß er immer auf einen regnerischen Mittwoch fiel.

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  4. Deswegen hat wahrscheinlich auch keiner (außer den Sachsen) protestiert, als er abgeschafft wurde. Mit einem katholischen Tag wäre das sicher nicht so leicht gegangen. Irgendwie denkt man ja schon fast nicht mehr dran, wenn nicht immer genau in dieser Woche dieses ewig graue Wetter wäre ... und man sich doch als Kind schon so nach Weihnachten gesehnt hat, obwohl ja der 1. Advent noch ganz lange hin war.

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