Dienstag, 13. November 2012

Die Fußballreligion und ihre Gläubigen

Wir hatten das Thema ja heute schon mal - aber inzwischen ist es derart eskaliert, dass man sich wirklich fragen muss, wie es sein kann, dass die Kirche vor einem derart tobenden Mob aus der Fanclique eines Dortmunder Fußballvereins eingeknickt ist. Wie kann es sein, dass sich gläubige Katholiken mit Sprüchen beleidigen lassen müssen, wie:

"....Natürlich denke ich auch das ich eher so nen Prister den Schädel einschlage bevor der Hand an den 
[Fußball] legt, aber ich denke auch das die Eltern mittlerweile die schnute voll haben von den Rummel."

oder

"Meiner Meinung nach sind die selber Schuld - Weiter so Leute , machen wir die Kirche platt und Mundtod !!!!"

Diese beiden Texte habe ich einer Facebook-Gruppe entnommen, die sich für den Fußball-Grabstein eines ungetauften Kindes auf einem katholischen Friedhof in Dortmund stark machen. 


Erschreckend, dass so ein paar durchgeknallte Fußballfans einen solchen "Shitstorm" auslösen können. Kann es sein, dass der Fußball-Gott in den Hirnen seiner Gläubigen derartige Reaktionen auslösen kann? Wie soll dieses Kind in Frieden ruhen, wenn es einen solchen Hass hervorrufen konnte?

Wie sollen die anderen Toten auf diesem katholischen Friedhof ihre Ruhe finden, wenn die Atheo-Eltern dieses Kindes auf Krawall aus waren?
Sicher wird der Friedhof mit dem "durchgesetzten" Grabstein für die Pöbler der Facebook-Gruppe jetzt zu einer Art Wallfahrtsort werden - die dort - ohne Rücksicht auf die dort ruhenden Toten - ihren Sieg gegen die Kirche feiern werden.

Beängstigend, wie leicht es in Deutschland immer noch möglich ist, eine derartige Hexenjagd-Stimmung  hervorzurufen. Es waren über 100.000 Facebook-Einträge und der Stil weitgehend wie oben geschildert. Und alle haben mal wieder mitgemacht, incl. der Medien. 
Dieses Land hat nicht nur seinen Glauben verloren. 

Wir vom Beiboot meinen, dass es dem BVB gut zu Gesicht stünde, sich bei der Kirche und der Gemeinde für die emotionale Inkontinenz ihrer Fans, die derartige Ausmaße annahm, zu entschuldigen.

Kommentare:

  1. Ich glaube nicht, daß die Ruhe des Kindes davon abhängt, wie hahnebüchen irgendwelche Fans oder auch seine Eltern (für die der Junge nichts kann) sich benehmen.
    Abgesehen davon stimme ich zu. Unbegreiflich ist mir bei der ganzen Sache auch der Steinmetz, der die Friedhofsordnung in der Ausbildung gelernt hat und den Auftrag trotzdem angenommen hat.

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    1. Also wenn auch der Steinmetz die Friedhofsordnung kannte, könnte man hinter der ganzen Geschichte Vorsatz vermuten, so nach dem Motto "Wir probieren das einfach mal, und wenn die Kirche nicht mitmacht, gehen wir an die Medien" ... Und die Medien machen natürlich gerne mit. Erschreckend ist aber auch, dass es die Eltern waren, die die Facebook-Gruppe gegründet haben. Die wurde dann zwar heute abend abgeschaltet, aber wenn der Mob erst mal losgelassen ist, will er auch Blut sehen ... es entstanden dann auch flugs 3 - 4 neue Facebook-Gruppen, wo munter weiter gehetzt wurde.

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  2. Das Erschreckende liegt für mich auf einer anderen Ebene.
    Ich halte es für normal, dass man, wenn man von jemandem was will, sich müht, bei demjenigen, von dem man was will, einen positiven Eindruck zu hinterlassen.
    Ich halte das für normal, egal ob es sich um Kinder handelt, die Süßigkeiten wollen, Teenies, die auf einer Party länger, als normal bleiben wollen, einen verliebten jungen Mann, oder auch ein Vorstellungsgespräch wegen eines Jobs.
    Selbst, wenn ich einen Termin beim Zahnarzt will schnauze ich die Sprechstundenhilfe nicht an.
    Nur, wenn es um die Kirche geht, da meint alle Welt je wüster man sich aufführt, desdo erfolgreicher ist das Unterfangen.
    Die einzig mögliche Erklärung liegt in den flächendeckend, fehlenden Autoritätsfiguren und das sozusagen all der nicht stattgefundene pubertäre Aufstand gegen die Väter, sozusagen verspätet und auch an der falschen Person, an der katholischen Kirche ausgelebt wird. (die These stammt von Manfred Lütz)

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  3. und abschließend kann man sagen: hoffentlich macht dieses Beispiel nicht Schule. Wenn man liest, daß die Mutter von Jens Pascal ( gnädigerweise) den tobenden Facebook-mob von einer Demo, sprich einem Flash-mob gegen die Gemeinde abgehalten hat, was ja wohl Stufe 2 des Planes war- dann kann man nur sagen, hoffentlich macht dieses Beispiel nicht Schule.
    Ich sehe schon wütende wiederverheiratete Geschiedene und weihesüchtige Priesteramtsanwärterinnen & eucharistiebegehrende Protestanten, die per Facebook mobilisierungsfähige Prekariatler und intellektuell andersartige Inhaber von Strickleiternervensystemen ( deren schriftlich gestammelte Wortmeldungen-so sie denn überhaupt lesbar waren- wir gestern wegen des Grabsteines lesen durften)zu shitstorm und Demos aufstacheln.
    Sakramente nur für Katholiken ? Shitstorm ! 10 Gebote? Shitstorm!

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