Sonntag, 11. November 2012

Jahr des Glaubens, Gemeinschaftsblog

Teile der Blogozese trafen sich vor einiger Zeit in Freiburg und riefen dort den Gemeinschaftsblog zum "Jahr des Glaubens" ins Leben.
Jeder Monat hat ein vorgegebenes Thema,  einen Artikel des Glaubensbekenntnisses und die Blogger sind eingeladen, dazu, also themenzentriert, was zu schreiben.
Das ist für uns Blogger eine interessante Sache, weil so ein Blog normalerweise eine spontane Sache ist.
"Ich blogge über das, was mir gerade im Kopf herumgeht" um es flappsig auszudrücken.

Trotzdem sind die Beiträge dort absolut empfehlenswert und auch wir beteiligen uns daran, weswegen ich an dieser Stelle meinen Beitrag dort, einfach noch mal veröffentliche.

Credo, Gedanken dazu


Fast wage ich es nicht, nach dem beeindruckenden und wahrhaft tiefen Beitrag von Stanislaus, noch meine Gedanken in die Tastatur zu tippen.
Aber irgendwie passt das, was ich vorbereitet habe, auch dazu.
Zunächst, weil es ja um Bloggerbekenntnisse geht,  die Frage “Warum glaube ich?”
Um es kurz zu machen: ich weiß es nicht.
Es war ein Weg durch die Linke Szene, ein Suchen und ein Finden, ein immer wieder feststellen, das taugt nix, was ich gefunden habe, eine immer neue Suche, irgendwann  geführt durch unseren alten, Pfarrer R.I.P. und die Lektüre von Guardini und Joseph Ratzinger.
Was mich am Pfarrer absolut  faszinierte war “er hat geglaubt!”  Er hat geglaubt., das er durch die Taufe aus diesem Kind, (das wir haben taufen lassen, weil vielleicht ja doch was dran sein könnte am längst abgelegten Glauben unserer Kindheit, und wenn da was dran ist, dann ist es doch was Gutes und wir wollen doch für das Kind “alles Gute”) ein Gotteskind würde.
Dazu das Zeugnis meiner Großmutter, die bei all den intellektuellen, hochgebildeten, nachkonziliaren, kritischen Tischgesprächen, die in der Verwandtschaft so üblich waren, immer irgendwie verloren wirkte, weil sie nicht mithalten konnte.
Aber auch sie hat geglaubt., auch an meine Gotteskindschaft, als all die superschlauen, studierten, kirchlich schwer engagierten älteren Verwandten,  schon lange die Hoffnung, mit der glaubensmäßig missratenen Enkelkindergeneration, die  in den Strudeln der 68′er untergegangenen war, aufgegeben  hatten.
Das folgende sind Reflexionen die sich auf das Erstlingswerk unseres derzeitigen Papstes, “Einführung in das Christentum” von Professor Ratzinger  von 1968, beziehen.
Ich finde einfach er sagt vieles, sehr gut und besser, als ich es könnte:


Credo = Ich glaube,
So fängt das Glaubensbekenntnis an und schon im ersten Wort steckt eine ungeahnten Tiefe.
“Ich glaube” heißt es und nicht “wir glauben”, oder “die Kirche glaubt” oder “meine Kirche glaubt” oder “es ist Konsenz in unserer Gesellschaft., dass man zu glauben hat (oder wenigstens so tut., als ob)”.
Es heißt auch nicht, frei nach Kant, “es ist gut, wenn  die Menschen so leben, als wenn sie glaubten”
Nein es heißt “Ich glaube!”
Also nicht wir, oder die, oder viele, oder alle
Dies Betonung des Ich’s beim Credo ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen, nein ich habe sie von dem Theologieprofessor Joseph Ratzinger der sich in seinem Erstlingswerk “Einführung in das Christentum” damit auseinandersetzt.
Ganz am Anfang reflektiert der Professor über ein Buch, das ich nie gelesen habe, Titel “Der seidene Schuh” von Claudel.
Die Schlüsselstelle ist, wo ein schiffbrüchiger  Missionar, an einen Balken gebunden auf dem Ozean treibt.
Und der zugehörige Schlüsselsatz lautet:
Ans Kreuz geheftet – das Kreuz aber an nichts geheftet – treibend über dem Abgrund”
Das sei, so Professor Ratzinger, die Situation des Glaubenden.
Und damit ist das ganze Drama und die ganze Wahrheit und das berühmte katholische “et”  oder auch das Zusammenfallen der Widersprüche, die eben das Wesen des Katholischen  ausmachen, beschrieben.
Man definiert Glauben üblicherweise als “festes Fürwahrhalten dessen was Gott geoffenbart hat“.
Das hört sich irgendwie gut und solide und sicher an und nicht nach “an einem Balken gebunden auf den Wellen schwankend”.

Nur je nun  wie sag ich es nur? Das was geoffenbart ist, das weiß man eben nur aus der Offenbarung und eben nicht aus der Anschauung, der Erfahrung, dem wissenschaftlichen Experiment, oder kann es ausrechnen.
Nehmen wir irgendwas “kritisches”: dass in  Christus Gott Mensch geworden ist, indem er Fleisch angenommen hat, aus Maria der Jungfrau.
Sowas kann ich nicht vorherberechnen, oder auch nur erwarten.
Das habe ich zu glauben.
Wenn ich es glaube, dann geben eine Menge Stellen des AT einen zusätzlichen Sinn, bekommen eine zusätzliche Tiefe, also all diese zunächst kinderlosen, Mütter wie Sara,  Hannah und Rahel, werden dann zu Vorausbildern von Maria.
Auch hier hat Professor Joseph Ratzinger das besser gesagt als ich. In dem Büchlein “Tochter Zion” deutet  er diese hmh, wie sag ich’s? Frauen mit seltsamen Ruf, wie eben die ob ihrer Kinderlosigkeit schief angeguggten Sara, Hannah und Rahel oder auch die Witwe Judith und die Haremsdame Ester, als   Vorausbilder Mariens.
Die Tochter Zion, die  doch verlassen wurde, geworden ist wie eine Hütte im Feld, all das vollendet sich in Maria, ist Maria und all das was nichts ist in den Augen der Welt, -auch wenn eine christliche Erziehung einen verleitet, all das verklärt zu denken, als ob all diese Patriarchinnen  immer mit einem sichtbaren Heiligenschein herumgelaufen seien und von allen Leuten tief verehrt worden wären,- das wählt Gott um das Heil für alle zu wirken.
Also nochmal, zu glauben habe ich, und kann es  nicht beweisen.
Wobei der Umkehrschluß nicht gilt., das alles was nicht bewiesen werden kann, in den Bereich des Glaubens (der ja auch was mit Wahrheit zu tun hat ) fällt .
Ja und da sind wir beim anderen Punkt. Glaube hat was mit Wahrheit zu tun, und irgendwie hat alles was wahr ist, einen gewissen “Geschmack. Und deshalb kommt der, der die Wahrheit tut, zunächst, seine Wahrheit, auch wenn die zunächst  nicht der Fülle des Christlichen entspricht, aber wenn er seinem Gewissen konsequent folgt, dann kommt so einer, der die Wahrheit sucht und geschmeckt hat, ans Licht, das ja Christus ist. Wenn ich dann zum Glauben gekommen bin, sehen auch die Dinge dieser Welt anders aus. Alles bleibt wie es ist, auch dem Gläubigen werden die widrigen Umstände des Lebens nicht genommen (seufz) Nachdem ich nach meiner Bekehrung gefühlte 3 km Heiligengeschichten gelesen hatte, drängte sich mir der Gedanke auf, das Gott seinen Gläubigen ganz schön viel zumutet und sie von einer Katastrophe in die nächste stürzen lässt.
Meine Großmutter meinte dazu nur “Ach ja, mit dem Kreuz ist das halt so, kaum ist das eine fertig getragen, so kommt schon das nächste” und die große Heilige Therese sagt zu Christus “Weil du alle deine Freunde so behandelst, musst du dich nicht wundern, dass du nur so wenige hast”
Also, man kann zwar und das geschieht heute ja beständig, von und mit den Methoden der Welt, den Glauben begutachten und da kommt er gar nicht gut weg,. Aber das gleicht dem Versuch mit  einer Schieblehre den Ölstand zu messen.
Weil nun aber, um die Kurve wieder zu kriegen, Glauben nicht Wissen bedeutet, so ist die Situation des Glaubenden, eben die oben beschriebene, der, der fest für wahr hält, was Gott geoffenbart hat,  gleicht einem, der ans Kreuz geheftet ist, das Kreuz, aber an nichts geheftet und treibend über dem Abgrund.
Und so sind wir abschließend beim nächsten katholischen “et” (man sagt oft, das katholischste Wort wäre das "et".  Die Forderung der Kreuzesnachfolge, und über 300mal im Evangelium die Aufforderung "freut euch" Der Gott der Philosophen und der lebendige Gott. Hochachtung für totale Askese und die Ehe als Sakrament, Kapelle und Kneipe, Hochkomplizierte, wissenschaftliche Abhandlungen und das berühmte alte, fromme, einfache  Mütterlein u.s.w.  Da wo darin kein Widerspruch ist, da ist es katholisch)
ja es hängt alles davon ab, das ich glaube, aber damit ich glauben kann, braucht es das Zeugnis derer, die bereits glauben.
Und noch was, wie “schmeckt” er denn der Glaube, nun, er schmeckt nach “zuHause” nicht nach kitschigem Heimatfilm-Oberkrainer-Romantik Zuhause, nein nach ewigem, wahrem zuHause.

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