Mittwoch, 28. November 2012

Nochmal zur Euthanasie

Ich hab schon lange den Verdacht, dass da irgendwas gesamtgesellschaftlich im Busch ist, wo die Kirche nur stört und dass man deshalb seit Jahren versucht, die Glaubwürdigkeit der Kirche komplett zu untergraben, damit man sie nicht hört.
Und ich denke, es ist die Euthanasie die kommt! Hab schon früher immer wieder geschrieben "sie dräut am Horizont"
Auf Echo Romero findet sich eine gute  Überlegung zum Thema und auf Bruder Paulus Terwitte kann man nicht oft genug verweisen und der deutsche Bundestag beschäftigt sich zur Stunde mit dem Thema.
Wenn man so Euthanasie "guter Tod" Gnadentod oder wie das immer heißt, meint, so schweben einem 3 Bilder (zumindest mir) vor Augen. Das eine ist der Tod des Philosophen Seneca, wie er in "Quo vadis" beschrieben wird.
Der Philosoph im mit duftenden Blüten bestreuten Wasser, den Arm dem Medicus hinstreckend, der mit goldenem Band den Arm abbindet und die Pulsadern aufschneidet, die Freunde drumherum, im Gespräch mit leichtem Lachen, untermalt von Harfenklängen, die Lieblingssklavin ebenfalls ihren Arm dem Medicus hinstreckend und auch im Bade liegend. Wie aus einem Kitschroman.  Naja Quo vadis ist halt auch ein Kitschroman.
Aber dem Philosophen blieb keine Wahl, er wurde ja von Nero dazu gezwungen und so konnte er wohl diese heitere Gelassenheit aufbringen, die auch ein Thomas Morus und andere, auch Nichtchristen, aufbrachten, weil sie mit sich und der Welt im Frieden waren.
Das andere Bild ist das eines Menschen, der sich absolut quält. Jemand hat mal aus dem Krieg was erzählt; ein Kradmelder vom Motorrad geholt, ans Scheunentor genagelt und drunter ein Feuer angezündet, das dem Soldaten langsam von den Füßen her verbrannte,  umgeben von bewaffneten Partisanen und johlenden Dorfbewohnern.  Den anrückenden Kameraden war klar, sie schaffen das nicht, den ncoh lebend  da runterzuholen, da haben sie einen gezielten Schuß aus der Ferne gesandt.
Das andere Bild ist der Mensch, an tausend Schläuchen hängend, halb bei Bewusstsein, halb im Dämmer und Jahr um Jahr so liegend, absolut abhängig, und irgendwie eine künstlich am Leben gehaltenen Leiche.
Ja und wie ist das nun wirklich?
Hilfreich finde ich Franziskus und seinen Sonnengesang:

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein lebender Mensch entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.


und da haben wir wohl auch den Schlüssel.
Sterbetag ist Zahltag und wohl jeder weiß, dass er das nicht kann.



Die Angst vor dem Tod ist normal und schön ist er nicht. Es war wohl selbst der Anblick des toten Seneca im Wasser auch nicht schön.
Aber ich denke, es geht um das sich dreinfinden in Gottes Willen. Immer wieder berichten Leute, wie gut und wichtig es war, sich vorher zu versöhnen, die Dinge, die im Leben schief gelaufen sind, auszusprechen.
Neulich hat mir eine atheistische Freundin mitten im vollen Supermarkt im schwer frequentierten Backzutatengang begeistert vom Tod ihres Vaters berichtet, das Hospiz gepriesen und erzählt, sie und ihr Vater hätten durch das Ambiente sich endlich ausgesprochen, sie hat ihm gesagt, was sie gemein fand und er ihr und sie haben sich versöhnt und dann ist er friedlich gestorben.
Andere sterben nicht friedlich, obwohl das Ambiente ebenso stimmt, aber das ist gar nicht der Punkt. Ich denke nämlich im Sterben brauchen wir keinen Leistungsdruck aufzubauen, das wird sein wie das Geborenwerden, geht von selber, so oder so.
Aber der Mensch erträgt es, allem Öko und Bio und 100% natürliche Zutaten zum Trotz, eigentlich nicht, wenn er was mit sich geschehen lassen muss und deshalb, behaupte ich mal, will er auch noch den Tod im Griff haben.
Ich hab es jetzt einige Male erlebt, dass Leute vom Fach sich umbringen wollten, wobei es für diese Leute unproblematisch war, entsprechende Medikamente zu besorgen und es ihnen durchaus klar war, was und wie diese zu nehmen sind.
Jedesmal hat die Person selber dafür gesorgt, dass das nix wird mit dem Suizid, durch Telefonanrufe bzw Sturmklingeln an fremden Haustüren.
Ich kenn einen alten Mann, der immer noch der Ideologie seiner Jugend anhängt und je älter er wird, desto schlimmer. Der hat, getreu der Überzeugung, dass der deutsche Mann nicht schwach und abhängig sein darf immer gesagt "wenn ich mal nicht mehr kann, dann bring ich mich um", ist deshalb Mitglied im Schützenverein geworden und hat mir immer erzählt, wie man sowas korrekt macht.
Mittlerweile kann er wirklich nicht mehr, hat Essen auf Rädern, eine Putzfrau, zitiert beständig die erwachsene Tochter herbei und hat sich neulich einen Rollator (darauf hat er immer geschimpft, würde er nie haben wollen, wenn er sowas bräuchte,  dann sei er echt über seiner Zeit..................) und hat beschlossen sich eine nettes, ihm gemäßes Alters- und Pflegeheim zu suchen.
Ja, der Mensch hängt am Leben und es ist schon so, wie im Brandner Kasper der Tod feststellt.
"Do jammern se und wollen sterben und wenn ich dann komm, dann wollen sie nicht mit" Übrigens ist der Brandner Kaspar ein gute Lehrstück darüber, dass es auch nix bringt, die einem festgesetzte Stunde hinauszuschieben.
Was man durchaus auch sehr modern sehen kann.
So wie die Sache aussieht, kann nämlich die Medizin verhindern, dass einer geht, wenn auch, und das ist wichtig, nicht unbegrenzt und im Buch Jesus Sirach steht im 38 ten Kapitel über den Arzt:
Schätze den Arzt, weil man ihn braucht; / denn auch ihn hat Gott erschaffen................dann wird der Kranke aufgefordert zu beten und es schließt sich das klare Diktum an Doch auch dem Arzt gewähre Zutritt, denn auch er ist notwendig!
Ich würde einfach mal behaupten, wir haben den Gedanken an den Tod so verdrängt, dass wir ihn nicht erkennen, dass es Ärzten, Patienten, Angehörigen schwer, fällt zu erkennen, welche Stunde geschlagen hat.Man lebt nicht mehr in der sicheren Gewissheit des Todes, man macht sich keine Gedanken über die ausgleichende Gerechtigkeit, über das gerichtet werden und die guten und bösen Taten, für die die Rechnung ausgestellt wird.
Man hört es immer wieder "Die will nicht mehr" Subtext "Eija wäre doch gut, wenn man da "helfen" könnte, ein bisschen Giftcocktail, so dass es schnell und vor allem angenehm geht.
Davon mal abgesehen, dass all diese Gifte so ihre Nachteile haben, bleibt die spannende Frage "Was kommt denn danach ?"
Alle Religionen sind sich darin einig, dass danach was kommt und man im Danach die Folgen seines Tun erntet und alle sind der Ansicht, Mord und insbesondere  Selbstmord prädestinieren für ein ganz schlechtes Leben nach dem Tod.
So bleibt als Ideologie, die es rechtfertigt, wen anderes aus "Barmherzigkeit " um die Ecke zu bringen, nur der nackige Atheismus, aber das taugt auch wenig, denn ein schlechtes Sein ist immer noch besser als gar keins und irgendwie erträgt es der Mensch doch gar nicht, die Idee, das nach dem Tod nix mehr, außer Moder und Würmern sei.

Ich versteh schon wie man auf die Idee mit der Euthanasie kommen kann.
Wir haben in der Tat ein Problem!
Demnächst ist ein Drittel der deutschen Bevölkerung über 60.
Es gibt zwar rüstige Alte, und nicht jeder über 80jährige ist ein Fall fürs Pflegeheim. Aber man wird älter und ab 40 fängt es an, dass das Gespräch im Freundeskreis immer mehr über die  Wehwehchen  geht.
Das ist auch gar nicht schlimm, im Gegenteil normal. Unnormal ist nur, das es einem oft erst dann, wenn die Gespräche sich um die Wehwehchen drehen, auffällt, das man ja keine Kinder hat, die man zum Einreiben des schmerzenden Rückens, oder zum Bringen der zu Hause, bei der Fahrt zum  Krankenhaus, vergessenen Zahnbürste, anstellen kann.
Und eigentlich kann ich es verstehen, dass man keine Kinder will (obwohl ich meine ja alle gekriegt habe und finde, das Lächeln eines Säuglings und das Urvertrauen, wenn das kleine Kind in den Amen geborgen uns süß einschläft, ist all den folgenden Ärger wert.) Kinder machen Dreck, Unordnung Radau, rauben einem den Schlaf, später kosten sie den letzten Nerv und man ist halt mit Kindern gebunden und all das ist einfach der Lauf der Welt.
Zum Lauf der Welt gehört auch, das man als Eltern sagen kann. "Die müssen zunehmen, ich muss abnehmen". Man gibt Verantwortung ab und all das.
Ich will hier nicht einer nie vorhandenen Idylle das Wort reden, Familie ist oft eine harte Schule, und die Idee dass die bürgerliche Kleinfamilie die Ursache allen Übels ist, ist schon ein Rauch mit Feuer.
Aber es ist Gottes Idee, und Gottes Wille, wie die französischen Bischöfe dankenswerterweise feststellten.
Das hier ist ein Post und kein Buch, deshalb ist hier einiges nur holzschnittartig angerissen, es geht mir aber darum, klar zumachen, es gibt ein massives Problem.
Und zu dem massiven Problem gehört auch, das es eigentlich normal ist, wenn eine Gesellschaft einen Gutteil ihrer Ressourcen in die Arterhaltung, was bedeutet, der Sorge um den Nachwuchs, steckt.
Die Sorge um Alte und kranke Alte bringt zwar eine Menge Leute in Arbeit und Brot. Aber bei uns in der Stadt verschwinden immer mehr die Babyausstattungsläden zugunsten der Sanitätshäuser. Und wenn Intensivpflege auch teuer ist, so bringt die teure Pflege ja auch wieder vielen  Leuten Arbeit und Brot.
Trotzdem bleibt, es ist einfach nicht normal.
Wir haben durch die Verhütung und die Abtreibung angefangen  an den Quellen des Lebens  herumzupfuschen und jetzt ist  die giftige Brühe halt an der Mündung angekommen.
Nur, weiteres herumpfuschen am Ende des Lebens, ist der Versuch den Teufel mit Beelzebul auszutreiben.
Helfen würde Reue, Buße und Umkehr.

Kommentare:

  1. Man schießt scharf auf die Gegner der Euthanasie. Mit allen Mitteln. Man appelliert an die Gier der Erben;

    http://www.welt.de/wirtschaft/article111559758/Pflege-im-Alter-verschlingt-deutsche-Privatvermoegen.html

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  2. Auch ohne Verhütung gäbe es einen starken demographischen Wandel, und zwar aus einem sehr guten Grund.
    Nämlich wegen des medizinischen Fortschritts. Man kann Krankheiten ganz gut überleben, die in meiner Kindheit noch unweigerlich binnen Kurzem zum Tode geführt haben. Ein Effekt ist, daß es scheinbar mehr Behinderungen gibt als früher - tatsächlich gibt es vor allem mehr Möglichkeiten, mit einer schweren Behinderung alt zu werden. (Das zu erwartende Alter von Leuten mit Down-Syndrom lag in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts bei 9, heute liegt es bei 60.)Notfallmedizin und Rehabilitation haben unglaubliche Fortschritte gemacht. Alte Leute haben bessere Möglichkeiten als früher, mobil zu bleiben.
    Wir leben selbst, wenn es ab morgen keine Verhütung mehr gibt, mit einer starken Verschiebung der Altersgruppen und mit viel mehr Schwerbehinderten, die es zu versorgen gilt, als früher.

    Das gibt selbstverständlich Probleme. Die Arbeitskräfte, die gebunden werden, um Alte und Behinderte zu versorgen und zu pflegen, sind nicht produktiv. Und so wie die Wirtschaft dieser Welt nun einmal ist, macht das Schwierigkeiten.

    Aber Mord ist wirklich die schlechteste von allen Möglichkeiten, dies Problem aus der Welt zu schaffen. Was mir als Lösungsansatz einfällt, ist schwieriger als Mord, extrem unpopulär und schwer durchsetzbar, zudem nur so eine Idee, die noch ausbaufähig ist. Es heißt Bescheidenheit.

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  3. Kalliopevorleserin; sehr ich auch so.
    Nur die Sache ist die, die Pflege alter und Schwerstkranker trägt zum Bruttosozialprodukt bei, ist also rein ökonomisch gesehen was gutes.

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