Freitag, 30. November 2012

Über das déjà vu, das mich beschleicht, wenn ich §217 höre

Es dräut, wie ich schon öfter feststellte, am Horizont und es kommt, und weit  und breit kein Graf von Galen, könnte man resigniert aufrufen.
Aber halt, egal wo man guggt, eines kann man nicht leugnen, Katholiken egal welcher Couleur und auch viele Evangelische Christen sind dagegen, fordern Zuneigung statt Giftcocktail und all das.
Es ist richtig, absolut richtig und trotzdem beschleicht mich bei der Durchsicht des katholischen, virtuellen Blätterwaldes ein seltsames Gefühl, genau das gleiche Gefühl, das mich schon immer beschleicht, wenn ich Anti-Abtreibung höre.
Nun warum?
Um die Quintessenz vorweg zu nehmen.
Zur Zeit Jesus ging man davon aus, der, den ein Unglück trifft, den trifft es wegen seiner persönlichen Sünden;  und heute geht man davon aus, den, den ein Unglück (und der Tod ist ja das größte Unglück) trifft, der ist per se ein Heiliger. Das eine ist so verkehrt wie das andere und die Wahrheit liegt keineswegs in der Mitte.
Ich finde einerseits wird von falschen Polarisierungen ausgegangen, hier die schwangere Mutter, ein modernes Gretchen, das völlig unschuldig, verführt durch zutiefst üble Tricks, aber dennoch unschuldig schwanger geworden ist und die das Kind eigentlich will.
Auf der anderen Seite irgendwelche abgrundtief bösen Menschen, Kindsvater, Beraterin bei Pro Familie und/oder Ärzte, die genau das nicht wollen.
Das blöde an dem schiefen Bild ist, dass es teilweise stimmt, auch wenn man selten unschuldig schwanger wird, so bleibt doch, dass die Natur der Schwangeren darauf abzielt, das Kind zu behalten, ja der ganze Tanz mit der Sexualität von Natur aus auf das Kind hin ausgerichtet ist.

Was verkehrt ist, ist die Frontstellung! Die Front geht nicht, hier Mutter, dort böse Welt, nein die Front verläuft in den Herzen und Seelen und Köpfen aller Beteiligten.
Damit man mich nicht verkehrt versteht, ich halte es auch für wenig hilfreich dem Schneehuhn und dem Drückeberger (Pearl S. Buck) das 6te Gebot und die katholisch Sexualmoral, mit einem arroganten "siehste!" um die Ohren zu hauen.
Aber der Konflikt ist, dass weil man selbige nicht beachtet hat und ich (das wird jetzt ganz persönlich) hab es so erfahren, dass man in der Annahme des Kindes mit all den vorhersehbaren Problemen auch ja sagt zu dem Mist, den man angestellt hat und dadurch (zumindest ich) zu der Erkenntnis kommen kann, das man in seinem Hochmut zu hoch geklettert ist und jetzt auf der Nase liegt und das aus der Annahme des eigenen Elends Gott das Heil wirkt.
Etwas weniger verklausuliert, wenn man die Suppe, die man sich eingebrockt hat, brav anfängt auszulöffeln und selbige nicht auch noch wegkippt, dann akzeptiert man die Gerechtigkeit Gottes und er schenkt einem seine Gnade.
Das ist der eine Punkt, der andere ist haariger.
Die Gnade Gottes hat also dazu geführt, das ich wieder den Weg durchs Kirchenportal fand.
Ich wusste ja nun aus meiner linken Geschichte, dass die Katholische Kirche gegen Abtreiben ist, damit einem reaktionären Frauenbild huldigt und überhaupt.
Nun war die Gemeinde vor Ort ja in der ganzen Gegend als konservativ verschrieen und hier begegnete ich zum ersten Mal Menschen, die die Abtreibung als schlimmes Verbrechen, teuflisches Unterfangen und furchtbare Sünde titulierten.
Nur, wenn ich dann mit meiner, nicht abgetriebenen, Rasselbande zum Gottesdienst erschien, der mir absolut notwendig war, um überhaupt die Kraft zu kriegen, in all dem stressigen Alltag, mit all den durchwachten Nächten und den oben erwähnten, in der Tat eingetroffenen, Problemen;
wenn ich da also fix und fertig  in der Bank saß, da bekam ich Ärger. Meine Kinder würden  stören wurde mit bedeutet. Ich solle doch kommen, wenn die älter wären, so Kommunionkindalter, früher bräuchten die ja nicht zu Messe kommen. Es wurde sogar eine Pfarrversammlug einberufen, um das Problem zu erörtern, ob man nicht den Bischof bitten solle, mir den Besuch der Messe zu untersagen und beständig der Satz um die Ohren gehauen "Also bei uns hat es das nicht gegeben" bzw. erklärt, dass Maria Simma (eine angebliche Seherin) empfehle, Kinder möglichst frühzeitig zu verhauen, dann würden die aufs Wort folgen, wenn sie älter wären, hätten ihr die armen Seelen gesagt.
Mit der Wortführerin (die selbstverständlich kinderlos ist, aber auch ihre Geschichte hat), habe ich mich längst ausgesöhnt und sie mag mich (und ich sie) mittlerweile sehr, aber das würde zuweit führen.
Warum ich das so ausführlich schreibe, ist  weil ich einen bestimmten Punkt illustrieren will.
Es ist leicht Abtreibung zu verurteilen, aber in der Realität stellt sich für die Eltern,  die Frage Streß, Geschrei, Radau, Sorgen für die nächsten 20 Jahre, und immer zurückstecken,. bei jeder Planung die Kinder berücksichtigen, oder eben das tun, was einem alle Welt empfiehlt.
Ja und da kommen nun die lieben Frommen, geisseln  richtig, die Abtreibung als die Geissel des Jahrhunderts und kommen mit frommen Sprüchen von wegen dem Häschen und dem Gräschen, wenn sie mitkriegen, es läuft, trotz des Annahme der Himmelsgeschenke, nicht alles rund.
Es gibt andere, auch das sei bemerkt, Omas die das Enkelkind mit großziehen.  kleine Gruppen die mit Rat und Tat und Geld helfen und aushelfen, Teenager die einmal die Woche das Baby spazierenfahren, nicht für Geld, sondern weil sie es gerne machen wollen und andere unscheinbare Leute, die tun was hilfreich ist.
Aber es ist einfacher, über das ungeputzte Fenster der überforderten Mutter im Bekannten-, Verwandten-  und Gemeindekreis zu lästern, anstatt mit Eimer und Lappen anzurücken.
Aber all das ist Schnee von vorgestern und die giftige Brühe ist längst an der Mündung des Lebens angekommen.
Also, wenn ich als nahestehendes Pflegepersonal, Verwandter oder Bekannter dem Schwerkranken ein Kissen auf die Nase drücke. weil ich das, was er sagt, so interpretiere, dass er das so will, dann soll ich straffrei ausgehen! So lautet, schlapsig ausgedrückt, der Gesetzentwurf, der Ende Januar wohl der Euthanasie die Tür öffnen soll.
Also Leute geht es noch ????? Tickt ihr Gesetzesentwurfentwerfer noch richtig????????????
Habt ihr noch nie gehört, dass vertrauter Umgang was mit Freundschaft zu tun hat? Dass der Freund der ist, der es gut mit dem Freund meint?
Ich finde, das geplante Gesetz,  geht gegen das Herzstück zwischenmenschlicher Beziehung, eben die Freundschaft.
Wenn ich schon dafür bin, das Euthanasie sein soll, (Man beachte den Konjunktiv!) dann bitte doch durch Fremde, abstrakt und geschäftsmäßig, das ist dann wie die langen Regale mit Tütensuppen. oder die Getränkeabteilung  im Supermarkt, die ich eh nie betrete.
Aber, wie soll ich mich, wenn es mir dreckig geht, mit dem Freund, aussprechen, mich bei ihm ausheulen, wenn ich gegenwärtig sein muss, dass der zum Kopfkissen greift?
Das ist das eine, das andere ist, was schlagen nun die Frommen vor?
Richtigerweise,  Ausbau der Hospize der Palliativmedizin und überhaupt.
Richtig und gut, aber, wer soll das leisten und wer betreut dieses Personal wieder?
Sorry, aber mir ist mal eine Ärztin mitsamt Team über den Weg gelaufen, die nur Palliativmedizin macht,  hat mir gar nicht gefallen. Hart und uneinfühlsam. Ja und irgendwie denk ich aber, wenn man nur mit Sterbenden zu tun hat, dann wird man so, muss man so werden.
Es geht also nicht,  eine zusätzliche Zusatzausbildung für Ärzte und Krankenschwestern zu etablieren,  Räume,  Morphium,  begleitenden Medikamente und die Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse zu regeln und dann können wir uns im Sessel zurücklehnen und der ganze Kram geht uns nix mehr an. Und wenn die Tante Eusebia alt und klapprig ist, dann tun wir sie ins Hospiz fühlen uns gut, und machen so weiter wie gehabt.
Um mich der Sache von der anderen Ecke zu nähern:
Neulich flatterte uns eine nette mail vom BDKJ ins Boot, wo sie anfragten, ob uns was einfiele,  wegen der Werbung für die Aktion 72 Stunden die der BDKJ jedes Jahr macht.
Es ist natürlich löblich, wenn Jugendliche (aber auch andere Leute), mal 3 Tage am Stück, was Soziales dem Nebenmenschen nutzendes, bzw ihn erfreuendes machen, ohne Frage.
Aber Mütter und Angehörige haben, wenn sie mehrere kleine Kinder, oder auch einen alten, kranken Menschen versorgen (nicht medizinisch nur ganz normal. Essen kochen, Socken waschen, sich mit der Krankenkasse rumärgern, weil die zickt wegen dem notwendigen Rollstuhl, und Brille suchen) auch einen Tag mit 24 Stunden Bereitschaft und das Woche um Woche.
Ja und jetzt komm ich mir vor wie mein Großvater, der mir, als ich auch vor 40 Jahren im BDKJ zwar keine Luftwürste aufgblasen habe, aber mir ganz toll vorkam, wenn wir  irgendwelche Aktionen planten, der hat nur gesagt "Geh haam und helf daaner Mudder,!"
Selbstredend war ich ned so amused über den Opa, und fand ihn halt blöd und altmodisch und so.
Aber irgendwie finde ich heute, er hat recht.
Es gehört zu den Prinzipien der Europapfadfinder folgendes "Die Pflicht des Pfadfinders beginnt zu Hause"
Im Gegensatz zu anderen finde ich Europapfadfinder Klasse, Ist zwar nicht mein Dinge in der freien Natur zu biwaken, aber die sind gut katholisch das ist gut so.
Nur es steht halt da und damit ist gut. Das Leben der Prinzipien ist jedoch unspektakulär. Wer es lebt, gilt oft als langweilig, kann manchmal nicht, egal wo mitmachen,  und zwar nicht erst dann, wenn die Mutter auf dem Totenbett liegt, sondern schon vorher.
Warum ich diesen superlangen Exkurs mache? Nun ich versuche unter Umgehung von hochgehenden Empörungminen zu sagen "Ist ja nett, dass ihr gegen die Euthanasie seid!" Aber es gibt so viele alte, vereinsamte, alleingelassene Alte, die nix anders wollen als unbedingt sterben.
Und, ja und jetzt wird es erst recht haarig, ich finde, viele (nicht alle!) von den vereinsamten Alten ernten nur, was sie gesät haben.
Und da bedarf es aller Liebe und Kraft sich diesen Leuten zuzuwenden, es ist unspektakulär, anstrengend und nervenraubend.
Es gibt andere, ich kenne eine alte Dame, schwer über 90, die auch nur 2 Kinder hat, aber selber so liebevoll und aufopfernd ihr Leben lang war, dass sie, immer noch selber einfach lieb, von allen bekümmert wird.
Und was die Verachtung der Familie angeht, so schreibt schon Chesterton in "Die neue Weihnacht" von denen, die zwar die Gewohnheiten, des letzten Menschenfressers im möglichst weit weg seienden Busch begeistert tolerieren und gutheißen., aber die Krise kriegen, wenn Tante Emmy aus Cheltenham jedes Jahr an Weihnachten dieselbe, alte Geschichten erzählt und da der Abscheu soweit geht, dass man an Weihnachten nicht kommt.
Also es führt wohl kein Weg an dem Lösungsweg vorbei, den mir Kalliopevorleserin  auf meinen letzten Beitrag zum Thema gemacht hat, nämlich den der Bescheidenheit.
Ist natürlich unattraktiv, altmodisch, aber wohl im Wortsinn Not wendend.
Wie empfiehlt es Paulus? "Einer trage des anderen Last" und das Psalmist ist der Anschichte, dass das Beste am Leben viel Mühsal und Beschwer ist. Das Tal der Tränen von dem der Dichter des Salve Regina singt ist zu durchwanderen und das ist manchmal eine mühseelige Angelegenheit.
Es gibt in der Tat viel zu tun und es ist unredlich so zu tun, als würde das Befolgen der Gebote Gottes, einem ein schönes  Leben garantieren, das ist nämlich Calvinismus.
Das Befolgen von Gottes Gebot kann manchmal sehr unbequem (um es vornehm auszudrücken) sein, das bezeugen die Märtyrer.
Die wenigsten Menschen kommen ohne Leid durchs Leben,  und es erscheint mir wichtig, dass man  in der Wahrheit  leidet, also Gott in die Hände zu fallen und nicht den Menschen (2Sam, 24,14).
Früher sagte  man über jemanden, der in der letzten Krankheit vorm  Sterben schwer litt "Die Hand Gottes lastet schwer auf ihm" und die Ostkirche betet sehr ergreifend in ihrer Sonntagsliturgie um "einen Tod ohne Qualen",
Die Quintessenz am Ende, dieses Posts  lautet "Es kann furchtbar sein, jemanden zu begleiten, der leidet. Es gilt  alles zu vermeiden, was einem anderen Leiden zufügt. Aber es ist nie erlaubt, das Leiden aus der Welt zu schaffen, indem man den Leidenden aus der Welt schafft"
Und es wäre wohl wichtig sich dieses Lehrschreiben, "Über den Sinn menschlichen Leidens"  JPIIten, zu Gemüte zu führen, das er übrigens ganz zu Beginn seines Pontifikats. als er noch fit und sportlich war, geschrieben hat. Und der Schlusssatz hier lautet:

Zusammen mit Maria, der Mutter Christi, die unter dem Kreuz stand,(103) halten wir an allen Kreuzen des heutigen Menschen inne.
Wir rufen alle Heiligen an, die im Laufe der Jahrhunderte auf besondere Weise an den Leiden Christi teilgehabt haben. Wir bitten sie um ihren Beistand.
Und wir bitten euch alle, die ihr leidet, uns zu unterstützen. Gerade euch, die ihr schwach seid, bitten wir, zu einer Kraftquelle für die Kirche und für die Menschheit zu werden. Möge in dem schrecklichen Kampf zwischen den Kräften des Guten und des Bösen, der sich vor uns in der heutigen Welt abspielt, euer Leiden in Einheit mit dem Kreuze Christi siegen!

Und er hat es vorgelebt wie der Christ mit Alter und Krankheit umzugehen, hat, und deshalb hier noch das Video eines seiner letzten Auftritte, beim Rosenkranz  in Lourdes





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