Mittwoch, 14. November 2012

Zur Geschichte des §218, ein Déjà-vu

Heute habe ich auf katholisch.de folgende rührselige Geschichte über eine schief gelaufene Abtreibung gelesen.
Sofort fühlte ich mich 35 Jahr jünger und in meine Jugend in den 70ern zurückversetzt.
Damals waren solche Geschichten medienmäßig an der Tagesordnung und wurden ins Feld geführt, um doch bitte, bitte, den §218 abzuschaffen, natürlich nur, um die negativen Folgen der illegalen Abtreibungen die halt dadurch, das oft unsteril und dilettantisch an der Gebärmutter rumgemurkst wurde, auch den Tod der Mutter, oder eben eine schwere Sepsis mit nachfolgender Unfruchtbarkeit zur Folge hatte.
Also solange das Kind im Mutterleib noch lebt, wie im Text ja ausgesagt wird, ist das Kind nicht Ursache einer beginnenden Blutvergiftung der Mutter.
Es hört sich so an, als habe die Mutter zur Selbsthilfe gegriffen. Es ist Usus, dass die Ärzte versuchen, bei einer drohenden Fehlgeburt die Schwangerschaft so lange wie möglich intakt zu halten. Das ist auch richtig und gut so.
Möglicherweise hat die Mutter eben zur Selbsthilfe (s.o.) gegriffen und dann so getan, als sei das alles ganz natürlich.
Ich weiß es nicht, es irritiert mich nur, das die Meldung, so wie sie ist, auf katholisch.de (das ist immerhin die Website der Deutschen Bischofskonferenz) steht und doch den Schluss nahelegt, dass katholisch.de der Ansicht ist,  die Iren sollen gefälligst mal ihre Abtreibungsgesetzgebung ändern.



Wie gesagt früher, gab es nur solche Geschichten und auch im Unterricht (ich habe in Reli (katholisch, Hessen) so oft §218 gemacht, das ich es echt nicht mehr abhaben konnte) wurden sie immer wieder ins Feld geführt.
Wie man dem Artikel von katholisch.de entnehmen kann, besteht bei dem schwierigen moraltheologischen Fall, dass das Leben der Mutter durch die Weiterführung der Schwangerschaft in unmittelbarer, sicherer, tödlicher Gefahr ist, durchaus, auch in Irland, die Möglichkeit einer Abtreibung.
Man fragt sich also erstaunt "was soll denn das" und "Cui bono?"
Und weil man es nicht oft genug verlinken kann, hier (Bundesamt für Statistik)  sieht man,  was der demographische Wandel (wie die absolute Überalterung der Gesellschaft beschönigend heißt) bedeutet.
Hier  geht es  übrigens u.a. um  das nächste Übel, das aus der Büchse der Pandora entfleucht ist, die PID.
Und hier hat sich der Papsttreue ausführlich Gedanken darüber gemacht, was Abtreibung, Fußballgrabsteine und die am Horizont dräuende Euthanasie -  die, wie die ungläubige Verwandtschaft mir immer wieder sagt, von manchen Ärzten schon "unter der Hand" und mit dem Satz "hängen Sie's nicht an die große Glocke" "zum Wohl des Patienten" durchgeführt wird -  (auch das gab es in Zeiten des intakten §218) schon, -  miteinander zu tun hat.



1 Kommentar:

  1. Sehr interessant, vielen Dank für diese Anregungen!
    Wenn jeder wüsste, in wievielen Pflegeheimen wie viele "aussichtslose und menschenunwürdig lebende" Kranke über Wochen hinweg nur noch Tee bekommen, bis sie verhungert sind... das ist längst Alltag!
    Ob die Fakten zu diesem Fall wohl jemals ans Licht der Öffentlichkeit kommen werden?

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