Montag, 17. Dezember 2012

Die letzten Dinge, der Advent oder das vergessene memento mori

Neulich  sagte unser  Pfarrer (leider umrahmt von lauter Unfug) in der Predigt, was ungeheuer Wichtiges, er sagte nämlich "Wir bilden uns natürlich nicht ein, dass Christus nochmal als kleines Kind auf die Welt kommt. Im Gegenteil, wenn wir seine Geburt im Stall von Bethlehem feierlich begehen, dann erwarten wir seine Wiederkunft in Herrlichkeit und jeder wird Christus als Richter und Erlöser begegnen in seinem, eigenen, persönlichen Tod"
Ich bin dann abends, aus liturgischen Gründen, noch mal in die Messe im außerordentlichen Ritus gegangen.
Auf dem Nachhauseweg hat mich ein älterer Bekannter mitgenommen.
Der war früher schwer aktiv, immer am Werkeln am Haus und im Garten,  und jetzt läuft er ganz langsam und mühselig.
Wir sprachen dann über das Alter, die Krankheiten und die Wehwehchen des Alters, über das Sterben und die Furcht davor.
Wir sprachen darüber, dass viele der heutigen Krankheiten des Alters früher unbekannt waren, weil die Leute einfach vorher schon starben.
Wir sprachen über den Psalm 90 wo es heißt:
Unser Leben währt siebzig Jahre, / und wenn es hoch kommt, sind es achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer, 
Wir sprachen über den Tod seines Sohnes, der jung an Krebs starb und seine Frau mit 3 kleinen Kindern hinterliess, wir sprachen über den Willen Gottes und die Schwierigkeiten des Menschen, sich drein zu finden.
Wir sprachen über Leute, die sich einfach nicht damit abfinden können, halt alt zu werden und deshalb Ärzten, Heilpraktikern und  Therapeuten zu gutem Verdienst verhelfen.
Wir sprachen darüber, dass die Medizin schon viel kann, aber der Mensch immer noch sterblich ist und wenn er nicht stirbt, er nicht zu Gott kommen kann.



Wir sprachen über Leute, die anstatt froh zu sein, dass ein naher Mensch von schwerer Krankheit endlich erlöst wurde, nach Jahren immer noch anklagend "den Ärzten" vorwerfen nicht diese oder jene Therapie oder diese oder jene intensivmedizinische Methode angewendet zu haben.
Und so näherten wir uns dem Problem. Ist man aufmerksam und blättert im Arztwartezimmer nicht in "Schöner Wohnen" sondern in Medical Tribune oder auch dem Ärzteblatt, so weiß man, es kommt.
Es kommt unmerklich, heimlich und besser vorbereitet  als die Abtreibung.
Ich meine den geplanten Tod, den künstlichen Tod, kurz die Euthanasie.
Ja, es ist schizophren, einerseits will der moderne Mensch nicht gehen, es fällt ihm schwer, loszulassen und den Angehörigen fällt es noch schwerer.
Guareschi, der Erfinder des Don Camillo, hat irgendwo (finde die Stelle aktuell nicht) folgenden Gedanken entwickelt.
Der Landbewohner findet es auch nicht schön, wenn er keine Luft mehr kriegt und sterben muss, aber er weiß, dass es so sein muss, der Stadtbewohner betrachtet das Sterben als persönlichen Affront.
Andererseits dräut die Euthanasie am Horizont, heimlich, still, leise, aber immer bestimmter werden die Weichen gestellt.
Dorothea hat hier einen Beitrag der Tagespost zusammen gefasst.

Und der Titel ihres Beitrags "Sind wir wirklich schon wieder so weit?" drückt genau das aus, was mir schon lange, immer und immer wieder, im Kopf herumgeht.
Ich zitiere hier mal aus einer  Predigt des seligen Clemens August Graf von Galen:
Seit Monaten hören wir Berichte, dass aus Heil- und Pflegeanstalten für Geisteskranke auf Anordnung von Berlin Pfleglinge, die schon länger krank sind und vielleicht unheilbar erscheinen, zwangsweise abgeführt werden. Regelmäßig erhalten dann die Angehörigen nach kurzer Zeit die Mitteilung, der Kranke sei verstorben, die Leiche verbrannt, die Asche könne abgeliefert werden.

Allgemein herrscht der an Sicherheit grenzende Verdacht, dass diese zahlreichen unerwarteten Todesfälle von Geisteskranken nicht von selbst eintreten, sondern absichtlich herbeigeführt werden, dass man dabei jener Lehre folgt, die behauptet, man dürfe so genanntes ‚lebensunwertes Leben’ vernichten, also unschuldige Menschen töten, wenn man meint, ihr Leben sei für Volk und Staat nichts mehr wert, eine furchtbare Lehre, die die Ermordung Unschuldiger rechtfertigen will [...].“

Klar sind die Begleitumstände heute anders, Geschichte wiederholt sich bekanntlich nicht eins zu eins, aber irgendwie ist es heutzutage fast noch perfider als damals.
Es ist ein Unterschied, ob ich Leute umbringe, die das nicht wollen, oder ob ich die Leute solange unter Druck setzte, sie zutexte und überrede, bis die darum bitten, umgebracht zu werden.
Eigentlich ist sowas nur von Folteropfern bekannt,  bzw, der Schurke in irgendwelchen Psycho- oder Fantasygeschichten sagt das zu seinem Opfer "Du wirst um den Tod betteln!"

Nee Leute, wir erhalten jeden alten Baum und jeden Krötentümpel. Jede Biegung am Bach gilt als schützenswert, alle Welt hat es mit der Natur und steht irgendwo "natürlich" drauf, so ist das gleichbedeutend mit gut. Alle Welt fordert Achtsamkeit für Juchtenkäfer und Wölfe. Es gilt heutzutage fast als Verbrechen Stämmen, die immer noch unter Steinzeitbedingungen leben, ein bisschen mit den Segnungen der Zivilisation wie Christentum und Zahnbürsten zu beglücken, weil das ja gegen die Natur sei.
Aber an der eigenen Natur da dilettieren wir herum und wundern uns, das man zum Freuen Animateure braucht und den Kindern von Therapeuten das Spielen beigebracht werden muss.

Und das ganz Schlimme ist, es interessiert keinen so richtig. Neulich las ich irgendwo den Satz  "Die Kirche hat seit dem 2ten Vatikanum die Fähigkeit zu Trösten in Not, Krankheit, Leid und im Sterben eingebüsst"
Ja dem ist definitiv so. Klar geht es schon darum, zu helfen wo ich kann und korrekt ist auch, dass die Nächstenliebe oft fehlt.  Aber ich habe oft in der katholischen Kirche Deutschlands, besonders bei den Fürbitten, das Gefühl, ich hab da eigentlich  nix zu suchen in der Kirche.
Ich bin nämlich wer, der eigentlich immer in Schwierigkeiten steckt, meine Kinder sind zwar manchmal genial, aber rauben mir häufig den letzten Nerv.  Ich habe auch noch keine sichere Methode gefunden, diese besch....,. pubertären Anwandlungen gelassen zu parieren   und was die Ehe angeht, so denk ich oft an Franz von Sales der mal gesagt hat "man soll den Verheirateten in der Beichte keine extra Buße auferlegen, ihr Stand ist Buße genug!" Alt und  klapperig werd ich auch langsam und Geldsorgen kenn ich auch zur Genüge. Halt die ganz normalen Geschichten aus dem "lacrimarum valle" oder wie meine Großmutter zu sagen pflegt "Mit den Kreuzen ist es halt so, kaum ist das eine fertig getragen, so kommt schon das nächste"
Sie hat wirklich viele Kreuze getragen und es war bekannt im Ort, deshalb  konnte sie den Leuten, die zu ihr kamen und sich beklagten "Warum hat Gott das und das Unglück zugelassen?" sagen "Naja, wenn es das nicht zugelassen hätte, dann hättest du gar nicht mehr an ihn gedacht!" Sie konnte das vermitteln, den Trost, der aus der Annahme des Kreuzes um Christi Willen kommt.

Ortsübliche Fürbitten fasse ich dagegen immer so zusammen "Lieber Gott es geht mir ja gut, sehr gut sogar. Nun gibt es Leute, denen geht es nicht so gut, schick denen wen vorbei, aber nicht mich!".

Vielleicht steckt hier eine der tiefen Ursachen der Krise, wir (die Gläubigen) sehen uns nicht als, arme erlösungsbedürftige, irrende und wirrende Sünder, nein wir müssen uns sehen als die, die alles im Griff haben, als die, denen alles gelingt, die bei jedem Problem entweder sofort 2 praktikable Lösungen parat haben, oder falls nicht, beten und sofort kommt die Lösung
Ja,es steckt ein Stück Wahrheit dahinter, wer Ostern kennt, der kann nicht verzweifeln, aber nur, weil er alles Leiden mit dem Leiden Christi, der durch Leid die Welt und uns gerettet hat, vereinen kann (wie es in altmodischen vorkonziliaren Deutsch heißt).
Und weil wir das so halb vergessen haben, die Sache mit dem Leiden, -und es hat auch was mit Weihnachten zu tun, so ist der Herr der Welt in einem Stall zur Welt gekommen und das ist nicht romantisch gewesen und auch nicht kuschelig- deshalb haben wir den Schlangentönen, mit denen die  Euthanasie kommt, so wenig entgegenzusetzen.
Und können den real Leidenden eben auch nur sagen "Da muss man doch was machen können" oder "Nein wie schrecklich, dass die Kasse das nicht zahlt"  oder eben einfach die Empörung schüren.
Klar soll man sich des Lebens freuen und es genießen, so man kann. Die katholische Kirche hat nämlich kein Problem zwischen einem Kreuz, einer Zigarre und einem Glas Portwein keinen Widerspruch zu sehen (Chesterton) und freuen sollen und dürfen wir uns durchaus.
Strengste Askese und prunkvolle Prachtentfaltung sind kein Widerspruch!
Aber der Trost kommt aus dem Kreuz Christi und das ist die Hauptfunktion des Heiligen Geistes, er ist der Tröster.
Und seinen wir ehrlich all die Katastrophen, die das Leben oft so schwer und schrecklich machen, die können sich ändern. Ich kann morgen im Lotto gewinnen, gegen die Krankehti die mich quält kann morgen ein Medikament gefunden werden, der  Mensch der mit das Leben sauer macht, kann sich ändern und und und.
 Nur am Tod., der doch die ultimative Katastrophe ist, da kann man nichts mehr ändern.
Und weil auch die Kirche heutzutage Empörung verkündet, deshalb fällt ihr zum Sterben halt nix mehr ein, außer den unerträglichen "Seligsprechungen" am Grab, die aber nicht gerade zur Unglaubwürdigkeit der Kirche beigetragen, weil die Trauernden, es trotz der Trauer ganz genau wissen., der Verstorbenen war kein Heiliger.
Dabei ist doch gerade die Verkündigung der Auferstehung der Toten Kernkompetenz der Kirche.
Waren die Begräbnisstätten die Heiden Nekropholen (Totenstädte) so waren  die der Christen Depostiien (Zwischenlager).
Man kann es drehen und wenden wie man will, nix Euthanasie, auch dann nicht, wenn es einem als Akt der Barmherzigkeit verkauft wird.
Aber heilige Anna Schäfer, heiliger  Laurentius, seliger Damian Deveuster, seliger Liborius Wagner, all ihr heiligen Märtyrer  bitter für uns!

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