Samstag, 15. Dezember 2012

Nochmal der §218 und eine Erinnerung an eine, die auszog um gaaanz emanzipiert den Dr. Zwick zu konsultieren und die Lesung von Gestern

Heute lag im Briefkasten das Infoblättchen der Aktion Leben und da haben Sie einen kleinen Rückblick über ihre Geschichte.
So hatte der Odenwälder Arzt, Dr Zwick, Ende 1978, stolz öffentlich erklärt, dass er in seiner, speziell für Schwangerschaftsabbrüche eingerichteten, Klinik, die die erste ihrer Art, in der Bundesrepublik Deutschland sei, bereits mehrere tausend Schwangerschaftsabbrüche  vorgenommen habe und seine Patientinnen seine moderne Einrichtung dankbar würdigen, würden.
Es gab dann eine christliche  Demo gegen die Klinik und daraus erwuchs die Aktion Leben.
Als ich das so las, fiel mir eine der Patientinnen des Dr Zwick ein, die bei mir, die ersten, zarten Gedanken hervorrief, dass mit meinem superlinken Weltbild was nicht stimmte.
Wie ich schon öfter schrieb, lebte ich in einer Welt, in der Kinder nicht vorkamen, man wollte zwar die Welt verbessern, damit kommende Generationen es besser haben würden, aber diese kommenden Generationen  waren irgendwie abstrakt, hatten mit einem selber nix zu tun.
So war man als linke Frau zwar automatisch für den Feminismus und gegen den §218, aber irgendwie war mir diese Feministinnenszene  immer ein wenig suspekt, weil ich zumindest das mit der Emanzipation immer so verstanden habe, dass die Frauen auch da rumspringen und das machen können, wo die Männer sind und was die tun.



Und von daher fand ich die Idee von Frauencafes, Frauenhotels und Frauenquoten immer leicht daneben.
Und was den §218 anging, so war ich einfach  der Ansicht, frau wird nicht schwanger, einfach weil in meiner Welt weit und breit keine Kinder vorkamen.
Nebenbei, ich finde immer, dass  der katholische Widerstand gegen die Abtreibung zwar durchaus richtig ist,  aber genau deshalb nicht greift, weil er nicht erkennt, dass Abtreibungen logische Folge des herrschenden, modernen Menschenbildes sind.

Eine "Kollegin" von mit allerdings engagierte sich da schon mehr, in der Feminismus- und Anti-§218 Szene, und war doch eine total taffe Frau, selbstsicher, Motorradfahrerin, konnte gut diskutieren, formulieren, sah gut aus, kannte alle und jeden, kurz eine vollentwickelte sozialistische Persönlichkeit.
Irgendwann einmal besuchte ich sie, weil wir doch ein Flugblatt gegen oder für was furchtbar Wichtiges schreiben wollten.
Ich werde das nie vergessen!


Da saß unten, unterm Hochbett ihre Frauengruppe, mit betraptschten Gesichtern, selbst die Lesben guggten seltsam. Oben auf der Leiter des Hochbettes saß der Freund und guggte auch merkwürdig und schuldig.
Die Stimmung absolut gedrückt und ich kam mir vor wie im falschen Film, keiner redete mit mir, alle schwiegen. Ich fragte was los ist, und erntete Schweigen.
Da beugte sich diese Frau, die ich immer heimlich ob ihrer Selbstsicherheit und ihrer Fähigkeit, alles geregelt zu kriegen, bewundert habe,über den Bettrand, total verheult, und sagte "Hallo Ester" fiel wieder zurück und eine aus der Frauengruppe sagte "Weißt du, die war beim Dr. Zwick!"

Ich bin dann gegangen, aber später stellte sich heraus, die sind da wirklich morgens locker, flockig zum Termin gefahren und dann brach, hinterher, das heulende Elend aus.
Schlussendlich brach die Beziehung, der Freund versackte in den Drogen, die Frau selber zog woanders hin, eine aus der Frauengruppe, von der man das nie gedacht hätte,  wurde bürgerlich und heiratete einen, der mit Politik nix am Hut hatte und bei mir blieb das sichere Gefühl, 'da stimmt was nicht', zurück.
Irgendwie ist das Schnee von Gestern, der Kampf gegen den §218 längst verloren, und es steht der Kampf um den §217 vor der Tür.
Ich war vor einigen Zeit auf einer Beerdigung wo es auch, auf ausdrücklichen, lange geäußerten  Wunsch der Patientin, nicht so ganz richtig zugegangen ist (raunten auf jeden Fall die unmittelbar dabei gewesenen). Das war die gleiche, komische betrabtschte Stimmung.
Auf jeden Fall ist Papst Benedikt, wie immer auf der Höhe der Zeit, wenn er sagt:

..............Es ist auch nicht recht, auf raffinierte Weise Scheinrechte oder willkürliche Freiheiten zu kodifizieren, die auf einer beschränkten und relativistischen Sicht des Menschen sowie auf dem geschickten Gebrauch von doppeldeutigen, auf die Begünstigung eines angeblichen Rechts auf Abtreibung und Euthanasie abzielenden Begriffen beruhen, letztlich aber das Grundrecht auf Leben bedrohen.

Ich finde es absolut faszinierend, wie er erkennt, das Abtreibung und Euthanasie nur 2 Seiten der gleichen Medaille sind und dass die Frage der Euthanasie hochaktuell ist.
In den frommen Kreisen  denkt man doch oft, das ist noch nicht aktuell, aber es ist hautnah. Die Generation, die den Pillenknick verursacht hat, erntet, was sie gesät hat.
Ach wenn doch das einträte, was im "grünen" Gebetbuch am Anfang steht. "eine Reue wird eintreten, die die Welt erschüttern wird."
Und trotzdem bleibt das Wort Gottes,  aus der Lesung von Gestern, wie ein Pfahl im Fleische der Moderne.
Es lautet:

So spricht der Herr, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehrt, was Nutzen bringt, und der dich auf den Weg führt, den du gehen sollst.
18Hättest du doch auf meine Gebote geachtet! Dein Glück wäre wie ein Strom und dein Heil wie die Wogen des Meeres.
19Deine Nachkommen wären zahlreich wie der Sand und deine leiblichen Kinder wie seine Körner. Ihr Name wäre in meinen Augen nicht getilgt und gelöscht.

Tja Herrschaften, wer betrachtet denn zahlreiche Nachkommen heutzutage noch als Segen ?!?
Und genau deshalb ist die am Horizont dräuende Seligsprechung Paul VI ein großes und starkes Hoffnungszeichen, gehört doch Humanae vitae in den Rang einer prophetischen Schrift.




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