Freitag, 28. Dezember 2012

Weihnachtsmesse by HR4


Der Schlagersender bestimmt den Messablauf.


Was die Feier der Heiligen Messe angeht, ist man als Münchnerin ja wirklich gesegnet. Das ganze Jahr über gibt es hier wunderbar feierliche Heilige Messen – nicht nur an Hochfesten, sondern auch an ganz „gewöhnlichen“ Sonntagen.

Doch wie das so ist, besucht man ja auch mal seine Familie, und die lebt nun mal in der katholischen Diaspora – mitten im Lehmann-Land. In dem Ort, wo ich aufgewachsen bin, gibt es nicht mal eine katholische Kirche. Hier ist man evangelisch aus Überzeugung und folgt gerne den links-grünen Worten, die dort von der Kanzel verbreitet werden.

Wer wie ich, eine katholische Messe besuchen will, muss in die nächstgelegene Stadt, die 2 katholische Kirchen beheimatet.


Eigentlich hatte ich mich auf den Messbesuch gefreut, denn seit letztem Jahr gibt es dort einen neuen Pfarrer, der im letzten Jahr nicht nur sehr gut predigte, sondern auch eine wunderschöne Heilige Messe mit lateinischem Hochgebet und lat. „Vater unser“ feierte.
Doch dieses Jahr war alles anders.
Denn die Messe wurde vom Schlagersender HR4 übertragen, dem Standard-Programm, das in fast allen hessischen Haushalten am meisten gehört wird.
Die Ankündigung der Rundfunkübertragung erschien mir erst mal nicht als etwas besonderes, denn das passiert auch bei uns öfter, ohne, dass es den Ablauf der Messfeier in irgendeiner Weise tangieren würde. D.h. der Bayerische Rundfunk richtet sich in seinem Programm nach der Dauer der heiligen Messe und nicht umgekehrt.

Doch in Hessen ist das wohl etwas anders:
Vor Beginn der Messfeier trat eine Mitarbeiterin des HR an den Ambo und verkündete uns, dass HR4 die Messfeier überträgt und dass deshalb die Dauer der Messe und ihr Ablauf in das Programmschema des HR passen müsse. D.h. Eilige Messe zwischen 10.00 und 11:00-Nachrichten. Ich weiß nicht mehr, wie lange es gedauert hatte, bis ich meinen Schreck verdaut hatte. Die Dame plauderte weiter. Diesem Programmschema sei auch die Heilige Messe verpflichtet, so dass in mehreren Proben die Abläufe festgelegt, und angepasst sowie die Liedtexte entsprechend gekürzt worden seien. Damit der Segen rechtzeitig vor den 11:00-Nachrichten erteilt werden könne, könnte es auch passieren, dass der Priester schon während der Kommunionausteilung wieder an den Altar zurückkehren müsse.
Es begann alles mit einem „Stillen Einzug“ (erinnerte mich irgendwie an Karfreitag - und das am 1. Weihnachtsfeiertag!).
Alle verharrten in Stiller Erwartung, bis der Regisseur das Zeichen für den Einsatz der Musik gab. Dann sprach der Priester die Hörer des HR an, erzählte ihnen etwas über die Kirche usw., wir durften „mit Fröhlichkeit singen“ – vor allem, weil wir ja aufgefordert waren, möglichst kräftig mitzusingen, damit man uns im Radio auch hört.... Und erst dann begann die eigentliche Messfeier.
Der Ablauf war schön und entsprach ungefähr einer gewöhnlichen Sonntagsmesse in einer Münchner Innenstadtkirche. Die Liednummern, die gesungen wurden, wurden vom Priester vorher angekündigt. Gut für mich, denn sonst hätte ich zum Ablesen der Nummern meine Brille gebraucht...
Dank einiger Kommunionhelferinnen kam es dann auch nicht dazu, dass der Priester vor Ende der Kommunionausteilung zum Altar zurückkehren musste.
All die anderen kleinen Nachlässigkeiten lasse ich jetzt  mal außen vor. Das ist an der Diaspora auch nicht anders zu erwarten.
Jedenfalls war alles rechtzeitig fertig. Chor und Orchester bekamen sogar noch Gelegenheit, nach dem Auszug ein paar weitere Stücke zu spielen und dem Radiopublikum einen Beweis ihres Könnens zu geben.
Angenehmer Nebeneffekt der Übertragung war, dass ich dann rechtzeitig zuhause war und den „Urbi et Orbi“-Segen des Papstes live im Fernsehen anschauen konnte - und das war ja das Highlight des Tages.

Am nächsten Tag wurde ich während einer Familienfeier von allen Teilnehmern darauf angesprochen, dass wir aber viel zu leise gesungen hätten .... (das lag wohl eher an den fehlenden Mikrofonen). Offensichtlich fühlten sich die evangelischen Nichtkirchgänger von uns nicht perfekt unterhalten ...... Aber nach den 11:00-Nachrichten gab es dann auch wieder die übliche Schlagermusik.
Ich hoffe, dass in den kommenden Jahren die Übertragungen wieder aus anderen Kirchen stattfinden. Wäre mal interessant, ob im Bistum Limburg der HR mit ähnlichen Regieanweisungen auftreten könnte. 

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