Montag, 7. Januar 2013

Fledermäuse, St. Kamillentee, der ganz normale deutsche katholische Wahnsinn, bzw ein Plädoyer für den Dialog

Der Begriff St. Kamillentee stammt nicht von uns, sondern die Erfinderehre gebührt unserem Bloggerkollegen Nepomuck
Trotzdem es trifft komplett und interessanterweise, ist es egal ob Ruhrpott, Waterkant oder ehemaliges Zonenrandgebiet, überall dasselbe.
Mein Lieblingswitz ist ja der mit den Fledermäusen:
Treffen sich drei Pfarrer, unterhalten sich über dies und das und irgendwann stellt sich heraus, dass alle unter Fledermäusen im Kirchturm zu leiden haben. Sagt der erste "Also ich, ich bin da nauf, hab mit dem Luftgewehr, wild um mich geschossen, die sind alle zu den Löchern raus geflogen. Und bis ich die Stiegen wieder unten war, saßen die alle schon wieder im Turm!"
Sagt der 2te "Also ne, mit dem Luftgewehr rumballern das ist doch zu brutal. Ich hab die alle in Käfigen gefangen und hab die Käfige ins Auto geladen und bin 500km weit gefahren, und hab die dort freigelassen. Bis ich zu Hause war, hockten die schon alle wieder im Turm"
Sagt der dritten "Also ich, hab damit keine Probleme, ich hab die alle getauft und gefirmt. Ich hab keine einzige je wieder gesehen"
Ich erzähle den Witz schon seit über 20 Jahren und hab immer, egal bei wem, zustimmendes Grinsen geerntet.
Irgendwie kontraproduktiv ist dann das, was man so liest.


In der Pfarrei meiner Freundin, hat der Pfarrer (eigentlich ein ganz normaler, relativ frommer Kerl) mit seinen Firmlingen einen heidnischen Initationsritus gemacht.
Die sind in den Wald, haben sich in eine Kuhle gelegt und wurden von den anderen komplett mit trockenen Blättern bedeckt und erhoben sich dann aus den Blättern. Meine Freundin war total entsetzt und hat den Pfarrer zur Rede gestellt. Der meinte nur "Wissen Sie ich halte alle 2 bis 3 Jahre einen großen Firmkurs und nach der Firmung ist alles vorbei. Ich hab das gelesen und hab das mal ausprobieren wollen, weil ich dachte, vielleicht hilft es. In der Handreichung stand, das sei erfolgreich!"
Ich meine, als regelmäßiger Leser der örtlichen Bistumszeitung,  weiß ich auch, dass alle möglichen Leute allen möglichen Käse machen, nur bleibt der Fakt, auch das gibt nur Fledermäuse und diese Tatsache wird regelmäßig verbrämt und so werden die Frommen, (die ja auch  merken, es geht nicht recht weiter, all,unser Tun ist irgendwie hausbacken, viel Mühe, wenig Erfolg. Man wird konfrontiert mit irre hohen Erwartungen denen man nie und nimmer genügen kann) nur neurotisch gemacht.


Weil irgendwer kommt bestimmt  mit der Bemerkung "Also in St, Sounso, da machen die das soundso!" Wichtig ist hier der Subtext, der lautet nämlich "Ihr macht alles falsch, woanders ist es viiiiiiiel viiiiiiel besser." So fährt man dann nach St. Soundso und stellt fest, auch dort ist viel St. Kamillentee.
Manfred Lütz sagt irgendwo, man könne jede funktionierende Gruppe, egal ob es sich um einen Wanderclub, einen PGR oder  einen Strickclub handelt,  kaputt machen, indem man sagt "Wir müssen mal drüber reden, was wir noch besser machen können." Der Grund ist wohl, dass man sich dann am Irrealen orientiert, und nicht an der Realität. Solche Gespräche verfallen dann in den "Man sollte..." "Man müsste.........." "Man müsste jemanden finden der........." "Diiiie machen das aber soundso......" oder die fromme Variante  "Der Heilige XY hat das aber soooo gemacht" Modus. Es gibt dann immer mindestens einen (meist eine), die sich das zu Herzen nimmt und dann macht und irgendwann einmal frustriert ist, dass es doch nicht funktioniert.
In diese Falle tappen die Modernisten und die Frommen. Ich habe mich oft und ausführlich, auf hochdeutsch und mit gewählten Worten, mit unserer Pastoreuse gezofft. Das ging soweit, dass die schlussendlich das Predigen gelassen hat und mir immer mit dem CIC kam.
Auf jeden Fall bekam die immer Post von einer der progressiveren Gemeinschaften, die in St. XY (über 100km weit weg) angeblich, wahnsinnig tolle, vor allem volle Kindergottesdienste regelmäßig anböten.
Ich weiß noch, wie frustriert sie wiederkam, weil sie eine Dienstreise nach St XY gemacht hat und feststellen musste,  naja es ist genauso wie bei uns.
Ich plädiere schon immer für Realismus. Also der Heilige XY hat lange vorbei gelebt und war eben der Heilige, ich bin nur Ester und du nur Karl-Egon. Mag sein, dass die in St. XY in Afrika keine Heizung brauchen, aber bei denen ist auch warm.  Es mag sein, dass ihr damals im Krieg froh gewesen wärt, wenn ihr hättet aufs Gymnasium gehen können. Fakt ist, das hilft mir bei den Schulproblemen meiner Tochter wenig und wenn du, der du jetzt Opa bist,  damals keinen Matrosenanzug gekriegt hast, wird es nicht besser, wenn du drauf bestehst, dass dein Urenkel damit in die Schule geht.
Ich kann zusammenfassend nur sagen,  irgendwie scheinen wir in der Kirche Probleme zu haben, die denen im real existierenden Sozialismus nicht unähnlich sind.
Man kommuniziert nicht. Nach Oben werden immer nur "Erfolgsmeldungen" weitergegeben. Wobei ich denke, der real existierende Sozialismus, hatte schlimmere Schikanemöglichkeiten, als ein Ordinariat, aber das begreifen wir nicht,
Wenn man z.B im Konradsblatt liest, was für tolle Sachen im Reliunterricht gemacht werden, wie gaaaanz gaaanz Klasse alles läuft (überall wo man hinguggt, sind alle gaaanz gaaanz engagiert. Horden von jungen, fitten, von Ideen sprühenden Laien werden in den Bänken festgehalten (Ironie off). Firm- Erstkommunionunterricht ruft überall, den ersten Christen vergleichbare, Bereitschaft zum Martyrium (natürlich im Sinne von Zeugnisgeben),  hervor (Ironie schon wieder off) und dann die Realität der eigenen Pfarrei dagegen hält (dazu noch weiß, nirgendwo sieht es besser aus und da wo es besser aussieht, da sammeln sich lediglich die, die es zu Hause nicht mehr aushalten) dann kann man auf die Idee kommen, wir brauchen zuallererst mal das Gespräch untereinander und mit dem Chef vom ganzen. (Früher nannte man letzteres Gebet)
Wir waren nämlich neulich in Rom und sind da Unmengen von Kardinälen und Bischöfen über den Weg gelaufen.
Am meisten hat mich beeindruckt, dass die alle den Eindruck gemacht haben, das die auch privat beten und nicht nur ein Pflichtprogramm absolvieren, wenn sie Messe halten.
Wir sind Christen und deshalb wissen wir, unser Herr, erntet wo er nicht ausgestreut hat.  Erfolg ist kein Name Gottes und wir sollen treu sein, nicht erfolgreich. Sind wir erfolgreich dürfen wir uns freuen, sind wir es nicht, sollen wir nicht verzweifeln. Treue ist leicht, wenn alles gut läuft sie bewährt sich, wenn es schlecht läuft.
Wie sagt Chesterton:  Wenigstens fünf Mal ist mit den Arianern und den Albigensern, den humanistischen Skeptikern, mit Voltaire und mit Darwin der Glaube allem Anschein nach vor die Hunde gegangen. Doch stets war es der Hund, der starb.“

Deshalb kann man doch einfach nur römisch katholisch, papsttreu, eucharistisch und marianisch sein, und braucht nicht immer noch irgendwelchen Mehrheiten, Zustimmungen, Akzeptanzen und dergleichen zu schielen. Wir verkaufe nix, wir haben umsonst empfangen und so geben wir das weiter.
Hier ein Beispiel.
Manchmal wie alte Semmeln und einem "letzte Mohikaner Feeling" aber auch das steht schon in der Bibel "Verzweifle nicht du kleine Herde". Warum muss ich Panik schieben, Pastoralpläne wie blöd machen, sogar Unternehmensberater  engagieren, wenn es nur so ist, wie es Jesus der Christus gesagt hat?
Bekanntlich siegt die Kirche von Niederlage zu Niederlage.
Ich war übrigens heute  bei einer tridentinischen Messe, das ist auch so ne Sache die fast totgesagt war.
Bei der Beerdigung des römisch katholischen Priesters (nix Pius), ganz normaler Weltpriester, der die Messe, damals nach dem  Motu Proprio von JPII  "Ecclesia Dei" 1988, angefangen hat, wurde es noch vorwurfsvoll erwähnt.
Das zeigt viel, weil doch üblicherweise nur Heilige sterben. Ist übrigens die einzige Beerdigung auf der ich war, wo über den Verstorbenen explizit negativ geredet wurde "War als junger Priester, nach dem Konzil sehr gut, hat mit der Jugend gaaaaanz tolle Sachen gemacht, aber dann, unverständlich, (ts, ts, kopfschüttel sich gut fühl) sein Engagement für die alte Messe.............."
Ich hab  angefangen da hin zu gehen, als bei denen auch das "letzte Mohikaner feeling" ausbrach. Da waren manchmal nur 5 Leute dort. Mittlerweile ist es eine normal gefüllte Kirche, und gerade Studenten präferieren die Messe, (wegen der Zeit Sonntag abend!) und es kommen Philippinnen, Südamerikanerinnen und manchmal der Pfarrer der US Army.
Es ist wunderschön und man merkt, den meisten der Besucher sind die früheren Querelen total egal.
Dorothea stellt fest, dass die Kirche seit Jahren ihre Möbel zum Fenster herauschmeisst. Wohl weil die Leut sagen das wäre unmodern.
Jetzt möbliert (um im Bild zu bleiben) die Kirche sich halt mit unbequemen modernen Möbeln und fühlt sich selber nicht wohl (und die Gäste auch nicht). Weil die Gäste nun ausbleiben und die Bewohner sich auch rar machen, so würde es sich doch empfehlen, sich so einzurichten, dass es einem selber gefällt (wenn eh keiner zum Essen kommt, dann kann ich doch kochen, was mir schmeckt).
Um noch ein anders Bild zu bemühen, wenn irgendwo auf einem Ausflug welche abhanden gekommen sind, so muss einer stehen bleiben, sozusagen als lebende Sammelstelle und Auskunftsbüro. Und ein anderer muss suchen.
Früher nannte man den Suchenden den Missionar und den Stehenden die Kirche vor Ort.
Heutzutage läuft alles kopflos durch die Gegend und niemand wird gefunden und die, die sich verirrt haben, finden auch nicht heim.
Ich hab allerdings gehört, dass die früheren Missionare so erfolgreich  waren, dass in manchen Ländern schon Missionare ausgebildet werden, für die schwierigste Mission überhaupt "Leute zu finden, die denken sie hätten sich gar nicht verlaufen!"
Es hapert noch etwas, insbesondere weil Deutsch so eine schwere Sprache ist, aber das wird schon noch.


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