Donnerstag, 10. Januar 2013

Mosebach, Walser bzw. ergreifende, tiefe Zeugnisse am ungewöhnlichen Ort

Also ich hab normalerweise zu wenig Zeit um mich mit dem auszukennen, was man als halbwegs anständig gebildeter Mitteleuropäer so weiß und liest und überhaupt.
Das als Vorwarung.
Nun war ich heute in einem Vortrag  mit Martin Walser und Martin Mosebach.
Drauf gekommen bin ich durch die Einladung der örtlichen Ecclesia Dei.
Als ich mich auf die Socken machte, fragte meine Tochter wo ich hinginge.  Ich sagte (ich neige dazu herumzuschwallen):  "da ist eine Veranstaltungsreihe an der Uni über Kult und Religion, weißt du: Kultur kommt ja von Kult und jede Religion versucht ja das göttliche in schönen Bauten, Liedern, kurz wahrer Kunst zu fassen..........." unterbricht sie mich und sagt "und wie ist das mit unserer Kirche?"  sag ich:  "genau darum geht's."
Wobei zu sagen ist,: unsere Kirche hat den Charme eines Parkhauses und ist nach der 4B Vorgabe (Beton, Batik, Bergkristall, Bronze  + basteln) gebaut, die 4B's stammen von hier
Ich betrete also die "Neue Uni", die ich noch selber von wüsten linken Politveranstaltungen kenne, wo Leute die jetzt bei den Grünen so richtig was geworden sind, gegen Leute gehetzt haben, die so richtig was geworden waren.
War schon letztes Jahr erstaunt, dort einen viel beklatschten Vortrag von Manfred Lütz zu hören, aber Mosebach ist schon ein anderes Kaliber.
Das folgende geht jetzt etwas durcheinander, Zitate und weiterführende Gedanken von mir, auch die zeitliche Abfolge ist inkorrekt, ich mach das aus dem Kopf, und nicht anhand von Notizen, ist ja ein Blogbeitrag und kein Protokoll!

Also die Veranstaltung wurde in einen größeren Hörsaal verlegt und Martin Walser redete zuerst, er zitierte ein unveröffentlichtes Fragment von ihm selber, wo er ausgehend von Kierkegaard und Barth die Gotteserkenntnis hinter der enttäuschten Hoffnung, die Grenzerfahrung des durchgehaltenes Zweifels thematisierte, also, dass alles Dunkel doch in sich das Wissen um das existierende Licht birgt.
Es ging um  eben diesen Gott den man findet, wenn man ihn verliert, darum, dass die Theologen den Glauben sezieren und manipulieren und eben dadurch verlieren, darum, dass man den Glauben nicht ergreifen kann, sondern sich von ihm ergreifen lassen muss.


 Es war absolut genial. Walser hat das Buch "Häresie der Formlosigkeit" von Mosebach in den höchsten Tönen gelobt, eine Offenbarung wäre es für ihn gewesen!


Dann hat er (Walser) die Messen seiner Kindheit in den höchsten Tönen gelobt und gesagt, von all den Pfarrern, die er erlebt hat, ist ihm einer in Erinnerung geblieben, ein kleiner schüchterner Kaplan, der  nicht singen und nicht predigen konnte und auch keine großen Gesten hatte, aber so innig während der Wandlung mit Christus verkehrte.

Mosebach auch eigentlich schüchtern, viele ähs und irgendwie hat er dann von Christus und Christus in der Eucharistie und das in der klassischen Liturgie sich das religiöse Sehnen, die religiöse Praxis aller Völker niedergeschlagen habe, geredet. Mir lief es kalt den Rücken herunter, war mucksmäuschenstill im Saal!
Walser mehr von Barth her und mehr davon, dass der Glaubende doch im Fehlen Gottes, sich der Wirklichkeit Gottes inne würde, auch sehr sehr gut. Mosebach griff das auf und kam auf ein Zitat Kardinal Lehmanns der behauptete:  früher habe man  gegen die Wand zelebriert; und sagte nein:  Es ging nach Osten, und darum das der Herr von dort wieder kommt, dass der Mensch nur bis zur "Wand" kommt, aber dahinter Gott kommt.
Zwischendrin ne Passage wo ich nicht so mitkam, ging um franz. katholische Romanciers.
Beide waren sich einig, das im Schönen, der Kunst (natürlich der, die schön ist, nicht die Kopfgeburten der Moderne) einem die Ewigkeit anweht.
Der Prof. autete sich dann auch als fromm und berichtetet von der Taufe seines Enkels im melkitischen Ritus, sozusagen als sein Beitrag zur Laudatio der katholischen Religion und ihrer Formen, um es mal abzukürzen ich hab schon ewig lange nicht mehr Leute so fromm daherreden hören, echt nicht! Es sind einige empört  gegangen aber mehrheitlich waren die Leute ergriffen.
Das war doch irgendwie der Knüller. Mosebach redete mitten in der Uni, ohne großen rhetorischen Pathos, davon, dass in der Messe die Gegenwärtigsetzung Gottes, als der aus der Jungfrau geborene, der gekreuzigte und auferstandene, geschehe.
Mehrmals hat er das gesagt, Jungfrauengeburt. Welcher Bischof traut sich das noch. Reden die Herren mal wo Säkulares, was so eine Uni ja ist, dann schwallen sie immer rum und drücken sich vor klaren Aussagen.
Ich habe wirklich, von Predigten unseres Papstes mal abgesehen, noch nie ein so geistliches Gespräch gehört.
Da muss man an die Uni! gehen, um zu hören, wie die Glut des Glaubens einen Menschen ergreift!
Interessant war auch ein Gedanke von Mosebach, nämlich der, dass die Messe, die schönen Messe,  was demokratisches ist, etwas wo die Kunst und die Kultur allen nahegebracht wird. Und das stimmt, es gibt ja das Wort vom Bildungsbürgertum, also den Leuten die "von Standes wegen" ins Museum und ins  Theater gehen, die Leute die lesen, was man halt so liest und dergleichen mehr.
In der Messe, kumuliert all das, aber es wird nicht vorgeführt, sondern sie gehört allen und zwar wirklich und viel mehr als Liturgiearbeitskreise das wissen.
Ganz wichtig in diesem Zusammnenhang und zunächst schwer befremdlich, war Mosebachs Herumreiten darauf, das der Mensch, wenn er was tut nicht denkt.
Aber ich hab mir das schon oft und oft gedacht, wenn ich mit den strickenden Pfarrern und den ihnen Muster liefernden LaieInnen (und -außen), diskutiert habe. Das sind Kopfgeburten, das sind ausgedachte Verfeinerungen von den intellektuellen Doppelnamen Lehrerinnen, die auch im eigentlichen (=religiösen) Leben nicht aufhören können Pädagogik zu treiben.
Nix gegen Pädagogik aber vor Gott kommt es zunächst mal drauf an, zu sein.
Und das scheint mir das flächendeckende  Problem moderner TheologInnen und -außen zu sein, man ist nicht, man tut nur so, man denkt sich was aus und sucht dann Bibelstellen, die passen (auch davon kann jeder, der mal ein bisschen Kommunionunterricht gegeben hat ein Lied singen).
Kardinal Ratzinger erzählt  in "Salz der Erde", wie er als junger Doktor (oder frisch gebackener Professor, weiß es nicht mehr so genau) der Theologie mal eine kleine Arbeit an Hans Urs von Balthasar geschickt habe, der habe ihm sofort geantwortet, auf einer Postkarte und geschrieben "Den Glauben nicht voraussetzen, sondern vorsetzen".
Das könnte man vielen Pfarrern und sonstigen in der "Seelsorge beschäftigten" (wie das heutzutage so heißt), auch schreiben, jeden Tag 5 mal, aber der Papst hat es sich zu Herzen genommen und man merkt es ihm an.
Es wurde noch viel mehr und viel Tiefes gesagt, aber das  ist mir im Gedächtnis geblieben.
Wenn aber das, was an der Universität gedacht wird, die Zukunft ist, dann hat sich der Wind definitiv gedreht, Halleluja.

1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für diesen Erfahrungsbericht! Das macht doch echt Mut.

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