Samstag, 12. Januar 2013

Rein in die Kartoffeln – raus aus den Kartoffeln


Der schwierigste Job der Welt scheint heute Journalist zu sein. Ging es früher darum, einfach nur über Dinge zu berichten, die passiert waren, gehört es heute zur ersten Aufgabe des Journalisten, diese Dinge auch gleichzeitig (für den dummen nichtdenkenden Normalbürger?) zu bewerten und die richtige Stimmung zu vermitteln. Eine wahrhaft große Aufgabe, die wirklich einer Würdigung bedarf. Deshalb versuch ich’s jetzt einfach mal an zwei Beispielen der letzten Woche und hoffe, dass es mir gelingt:

Am 21. Dezember 2012 sollte ja angeblich die Welt untergehen. Dass sie’s nicht getan hat wissen wir inzwischen. Doch es kam noch schlimmer: am 24. Dezember 2012 gab das britische Met-Office eine Pressemitteilung heraus, dass die Modelle des Institutes keinen globalen Temperaturanstieg mehr bis mindestens zum Jahr 2017 ergeben“. Man muss dazu sagen, dass das MET-Office nicht einfach irgendein Institut ist, sondern es ist direkt mit dem IPCC verbunden – und das IPCC ist für die Klimagläubigen mindestens so heilig, wie für uns Katholiken der Petersdom.

Gut, dass gerade Weihnachten ist, dachten sich wohl die Anhänger der Steinzeitreligion und versuchten die Meldung so gut es eben ging zu verstecken – wer interessiert sich denn an Weihnachten schon für’s Klima? Vielleicht hatten sie aber auch einfach Angst, von einem australischen Musikprofessor ermordet zu werden. Denn dieser hatte ja auf der Website der Uni Graz allen Klimaleugnern mit der Todesstrafe gedroht. Und jetzt sind sie alle ganz erleichtert, dass Berater der US-Regierung verkündet haben, dass es auf der Erde jetzt ganz schnell ganz viel wärmer wird. Und schon hatten die Klimagläubigen wieder ihre Schlagzeile und die Gewissheit, dass ihre Religion die einzig richtige ist. Ja, wir merken es auch. Seit heute hat es auch tagsüber wieder Minusgrade.. alles im grünen Bereich also. 

Ein weiteres Aufregerthema dieser Woche war die Kündigung des Vertrages zwischen der Katholischen Kirche und dem Kriminologen Prof. Pfeiffer.
Dieser Aufschrei, der durch die Medien ging hallt bis heute nach und man konnte sehen und lesen, wie froh sie darüber waren, mit alten Geschichten wieder auf die Kirche einprügeln zu können. Besonders unser Lieblinks-Blatt Süddeutsche hat sich ja gar nicht mehr eingekriegt. Sage und schreibe 7 Artikel innerhalb von zwei Tagen, die sich inhaltlich nicht unterschieden und auch keine neuen Erkenntnisse boten, hielten das kirchenfeindliche Forenpublikum auf Trab.
Da wundert es uns nicht, dass man in der Redaktion offenbar keine Zeit hatte, sich um die Causa Kinski zu kümmern. 3 Tage hat es gedauert, bis man in der SZ etwas über diesenFall lesen konnte.  Offensichtlich kam die Sache wirklich total ungelegen. 
„Wie können Sie nur, Frau Pola Kinski?“ Unter diesem Tenor (natürlich lautete die Headline "Sturz eines Denkmals" - aber schon auf Seite 2 lesen wir "Phantasie und Wirklichkeit") wurden die Untaten des "genialen" Schauspielers Kinski dann literarisch verbrämt in wunderschöner Prosa verpackt als doch gar nicht soooo schlimm dargestellt. Wir lesen u.a. Sätze wie "Auch wenn sie nicht nachprüfbar ist, wird die Geschichte mit all ihren abstoßenden Details wohl stimmen. Sie ist das Zeugnis einer vielfach missbrauchten, als Kind für teuer Geld in Internate abgeschobenen Frau, früh auf hohem Niveau verwahrlost, mit Cartier und in Restaurants, wo "der Papst isst" (dieser Seitenhieb durfte wohl nicht fehlen), rettungslos verzogen, unverantwortlich sexualisiert und für ein halbwegs normales Leben gründlich verdorben."

Dieses verdorbene Kind aber auch!!!

Ich stelle mir gerade vor, ein hochrangiger Kirchenmann hätte sich zum Missbrauch ähnlich "poetisch" ausgedrückt.
Wenn zwei dasselbe tun, ist es halt doch nicht das gleiche.

Aber wir wissen jetzt, wie schwer der Journalistenberuf heutzutage ist. 

2 Kommentare:

  1. Ich kann nicht anders - Uni Graz, nicht Linz!

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    1. Danke für den Hinweis, ich habe es schon geändert. Ich hätte doch vorher nochmal genau nachsehen sollen ...

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