Dienstag, 5. Februar 2013

Dank an einen alten Lehrer!


Es ist ja nun schon eine ganze Weile her, dass ich im damals roten Hessen zur Schule ging. Das machte eigentlich nichts, denn es waren ja alle rot – mein Vater war als überzeugtes SPD-Mitglied ehrenamtlich in der Kommunalpolitik tätig und deshalb durften wir vor Wahlen auch mal Prospekte verteilen und uns freuen, wenn die SPD die Wahl gewonnen hatte. Wir Kinder/Teenager fanden das gut und richtig.
In der 4. Grundschulklasse bekamen wir einen Lehrer von außerhalb. Er war CDU-Mitglied und gläubiger (evangelischer) Christ.
Ein unglaublicher Mann mit großen pädagogischen Fähigkeiten. Er machte aus vielen Durchschnittsschülern Kandidaten für’s Gymnasium, setzte sich für alle Schüler ein und versuchte, uns während des Unterrichts ein demokratisches und tolerantes Weltbild zu vermitteln. Niemals wäre er damals auf die Idee gekommen, uns Kindern sein Weltbild als das allein richtige aufzuoktroyieren. Mein Vater fand ihn immer furchtbar fromm und war froh, dass wir die politischen Ideen des Lehrers nicht nach hause trugen. Lehrer G. vermittelte uns Kindern Wissen und Begeisterung, um uns für’s Leben fit zu machen.
Als wir uns in der siebten Klasse wieder  begegneten und das Umfeld für ihn ungleich schwieriger wurde (pubertierende Jugendliche, die andere Interessen hatten und vom 68er-Fieber ergriffen waren), handelte er in ähnlich gelassener Art und gab uns viel mit auf unserem Lebensweg – gerade, weil er merkte, dass wir für die Ideen von außen empfänglicher waren, als für die Lehrinhalte der Schule.
Unsere Wege trennten sich danach, weil die SPD die Gesamtschulen eingeführt hatte und er an einer anderen Schule landete als wir.
Es ist mir bis heute gar nicht bewusst gewesen, was dieser Mann in diesen schwierigen, aufrührerischen Zeiten geleistet hat: Fern von jeder Ideologie Kinder zu unterrrichten, ihnen Wissen zu vermitteln, sie objektiv urteilen zulassen  und sie für’s Leben fit zu machen.
Heute nämlich gab es in WOn ein eher unscheinbares und langweiliges Interview mit dem Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel, das aber eine interessante Sequenz über die Schule seiner Kinder enthielt. Die daraus entstandenen Leserkommentare bezogen sich auf diese eine Sequenz – die heutige Situation an den Schulen, die Indoktrination der Kinder durch rot-grüne Lehrer und die daraus resultierende nahezu diktatorische Meinungshoheit dieser Gruppe über die Lerninhalte und das Verhalten der Kinder. Einer der Kommentare sprach vom rot-grünem Mehltau, der sich über die Kinderhirne gelegt hat.
Deshalb danke, Herr Lehrer H.G. , dass Sie ihre „Machtposition“ nicht genutzt haben, Ihre politische Meinung bei uns Kindern einzubringen.  Danke, dass Sie es uns ermöglicht haben, selbst dazu zu lernen und zu entscheiden. Es hat mir damals nicht so viel bedeutet, was Sie mir ins „Poesie-Album“ (so was gab’s bei uns noch) geschrieben haben, aber heute habe ich es verstanden:
„ Der Mensch lebt und besteht  nur eine kleine Zeit,
Und alle Welt vergeht mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur Einer ewig und an allen Enden
Und wir in seinen Händen.
(Matthias Claudius)
Sei deshalb immer getrost und vertraue auf Gott!“

Der Lehrer G. ging dann irgendwann in die Politik und wurde über viele Jahre als Bürgermeister einer größeren Gemeinde gewählt. Er verstarb sehr früh nach langem Leiden und ich denke, ich werde ihn jetzt wieder oft in Dankbarkeit in meine Gebete einschließen.

2 Kommentare:

  1. Ich hatte auch so einen Lehrer, der schreib mir ins Poesiealbum:
    "Quisquis agis, prudenter agas, er recpice finem"
    (Was immer du tust, tue es gut und bedenke das Ende)

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    1. Erstaunlich, ich habe das Poesie-Album gerade mal durchgeblättert: Fast alle Lehrer, habe mir Sprüche mit einem Gottesbezug hineingeschrieben. Dinge, die damals selbstverständlich waren, sind verloren gegangen. Die Kinder und besonders die Eltern von heute müssen sehr wachsam sein.

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