Mittwoch, 20. März 2013

Bloggerbekenntnisse zum Jahr des Glaubens: ...gelitten unter Pontius Pilatus....

gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes............
So lautet die Passage des Glaubensbekenntnisse, das die Blogger im März betrachten wollten:
Ich hab mir folgendes dazu gedacht:

Auf den ersten Blick könnte man sagen "Passt, ist ja auch Fastenzeit" und das ganze Geschehen unter "Kennen wir schon seit unserer Kindheit. Er hat das getan aus Liebe zu uns" abtun.
Ja Gewohnheit ist nicht immer verkehrt und religiöse, fromme Gewohnheit erst recht nicht.
Jedoch scheint es manchmal so, als verhindere die religiöse Gewohnheit, auch abendländische Kultur genannt, den Blick auf das wesentliche und immer neue, und dabei immer gleiche, des  Glaubens.
Ja, dem ist in der Tat so, aber es ist nicht nur verkehrt. Möglicherweise werden wir in einigen Jahren merken, wie gut sie war, die christliche Kultur.
Seien wir ehrlich, heidnische Sagen sind schön und interessant, aber es fehlt dort doch letzenendes immer das Tröstliche, das Geborgene, die sichere Gewissheit des Sieges des Guten.


Der Glaube bildet notwendig Kultur und selbige ist sowas wie ein gebahnter Weg, der sicher ist. Konventionen, denen man folgt, und die einen tragen. Es gilt aber nicht der Umkehrschluss, dass aus der Pflege der Kultur automatisch der Glaube erwächst.
Wir glauben also, das dieser Jesus, der Sohn Gottes, von  dem Landpfleger Pontius Pilatus aus Opportunismus, gepaart mit Feigheit  und Verachtung all dieser seltsamen Juden mit ihren seltsamen Bräuchen und aus politischem Kalkül zu einem grausamen Tod verurteilt worden ist.
Mir drängt sich beim Lesen der Passion immer der Verdacht auf, dass die Halbherzigkeit des Pilatus, der ja wusste das Jesus unschuldig ist und der versucht hat ihn frei zu bekommen, die ganze Sache nur noch schlimmer gemacht hat.
Klar ist Geißelung schlimm, aber nicht so schlimm wie Kreuzigung, aber gerade weil Pilatus einen Kompromiss gesucht hat, musste der HERR beides erleiden.
Auch dürfte das Weiterschicken zu Herodes und dessen Wiederzurückschicken die ganze Situation noch aufgeschaukelt haben.
Vielleicht kann man daran sehr gut sehen, warum in der Apokalypse  des Johannes an die Gemeinde in Laodizäa die Lauen so schlecht wegkommen. Nebenbei, ich finde ja immer Laodizäa gibt es immer noch, um die Ecke.
Weil es so gut passt hier der Text:
Ich kenne deine Werke. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß!Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien.Du behauptest: Ich bin reich und wohlhabend und nichts fehlt mir. Du weißt aber nicht, dass gerade du elend und erbärmlich bist, arm, blind und nackt. (Apo 3, 15ff)
Fakt ist, es war nicht Pilatus allein. Wenn man sich das ganze Geschehen vor Augen führt, so stellt man fest, dass all die Gruppen und Personen die sich eigentlich spinnefeind waren, in der Causa des Jesus Christus seltsam vereinigt haben.
Pharisäer und Sadduzäer, die normalen Leute, Römer, Pilatus, Herodes, stellt doch Lukas  lapidar fest, "Herodes und Pilatus waren Feinde, ab diesem Tag waren sie Freunde" (Luk 23,12).
Ich persönlich muss da immer dran denken, wenn mir mein  netter, lieber Pfarrer mit seinen  Friede, Friede, Hauptsache Friede,  Predigten, gar zu sehr auf die Nerven geht. Nix gegen den Frieden er ist ein hohes Gut und dessen Stiftung laut der Bergpredigt ein Werk das sehr gut ist "selig die Frieden  stiften, denn sie werden das Land erben". Aber ein Friede, der zum Gottesmord führt, ist bestimmt kein gutes Werk, es wäre besser gewesen alle Beteiligten hätten sich im Beharren auf ihre wechselseitigen Befindlichkeiten, weiter gegenseitig blockiert.
Man kann es natürlich auch so, sehen, dass im Angesicht Christi, alles Böse, dass seit dem Sündenfall im Menschen ist, im Haß auf Gott sozusagen, seine üblichen Verpackungen und Begründungen hinter sich gelassen hat.
Fakt ist, ER hat es zugelassen und damit allem Bösen einen Grund gegeben, er hat dem endlosen, bodenlosen Fall (es ist der Fluch der bösen Tat, dass sie fortwährend das Böse muss gebären, Schiller) den die Sünde darstellt, einen Boden eingezogen.
Der Stein, der den zerschmettert, der auf ihn fällt (Matt 21,44), aber um es vorwegzunehmen bedeutet Kreuz, auch im Zerschmettertwerden, zu Gott zu kommen.
Um aber das alles richtig zu beleuchten, so ist auch zu beachten, Gott hat es von Anfang an gewusst, hätte er es nicht gewusst, so wäre er nicht allwissend.
Dieser ganze Komplex von Allwissenheit und Überzeitlichkeit Gottes, und Freiheit des Menschen ist schwierig und der Versuch das zu fassen, füllt ganze Bibliotheken,aber mir scheint wichtig, die Passion Christi ist kein Betriebsunfall, kein Versehen. Es ist nicht so, dass Gott seinen Sohn auf unserer Erde schickt und dann passiert immer mal wieder was unvorhergesehenes und aus Plan A wird Plan B und am Ende bleibt nur noch das Kreuz.
Es ist schon irgendwie so, dass am Ende nur noch das Opfer bleibt, aber es ist kein Unfall, wie bei der Südpolexpedition des Robert Scott, wo ja eines zum anderen kam und sich alles verknottelte, der Punkt zur Umkehr verpasst wurde, aus falsch verstandenem Sportsgeist und am Ende nur noch das heroische Scheitern blieb.
Wobei aber hier sehr wohl der Umkehrschluß gilt seit dem Kreuzestod Christ, kann  man in jeder noch so schlimmen, aus eigener Blödheit, Stolz und Trotz herbeigeführten noch  so unmöglichen Lage, im Kreuz Frieden finden.
Fakt ist, es ist geschehen und wir sind durch das Kreuz erlöst und ja seit dem Kreuzestod Christi ist von den Menschen die Last genommen, siegen und gewinnen zu müssen.
Mir scheint ja oft, als wäre die Kirche in den Augen ihrer Fans so ein Club von lauter, guten, reinen, netten, lieben immer richtig liegenden, die  in jeder Situation einen Ausweg wissen, aus jeder Krise einen Triumph machen könnenden , Leuten.
Nur so ist ja das absolute Entsetzen zu erklären, dass die Leute befällt wenn sich herausstellt, in der Kirche der Beichtstühle (die ja heutzutage kaum mehr genutzt werden)  gibt es Sünder, echte richtige Sünder.
Ja wir sollen die Sünde fliehen, weil sie uns klein und hässlich und blind und für das Göttliche unempfänglich, macht; aber, seien wir ehrlich, wir haben alle von dem Gift in uns, dass uns suggeriert, der dem es gut geht, dem dem alles gelingt, der ist Gott wohlgefällig.
Es ist aber anders, mit Christus können, dürfen wir scheitern, wir können uns als das sehen, was wir sind, arme, kleine dumme Sünder unter denen auch noch der Beste 7mal am Tag fällt.
Weil es  uns , gerade wegen der langen christlichen Tradition und deren Forderungen , so schwer fällt, uns selber zu sehen, kommt es zu der paradoxen Situation die Papst Benedikt in Freiburg so formuliert hat:
Agnostiker, die von der Frage nach Gott umgetrieben werden; Menschen, die unter ihrer Sünde leiden und Sehnsucht nach dem reinen Herzen haben, sind näher am Reich Gottes als kirchliche Routiniers, die in ihr nur noch den Apparat sehen, ohne dass ihr Herz davon berührt wäre, vom Glauben.
Und man kann das, den Blick auf sich selber nur im Lichte der Liebe Gottes, die sich am Kreuz zeigt, tun und aushalten.
Papst Franziskus sagt dazu  seiner ersten Predigt;
Derselbe Petrus, der Jesus Christus bekannt hat, sagt zu ihm: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Ich folge dir, aber sprich mir nicht vom Kreuz. Das tut nichts zur Sache. Ich folge dir mit anderen Möglichkeiten, ohne das Kreuz. – Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir ohne das Kreuz aufbauen und Christus ohne Kreuz bekennen, sind wir nicht Jünger des Herrn: Wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, Päpste, aber nicht Jünger des Herrn.
Also langer Rede kurzer Sinn, es ist mir auch schwer unsympathisch das Kreuz, aber immer wenn ich es denn habe tragen müssen, habe ich Trost darin gefunden, dass Christus seins auch getragen hat.
Und es ist einfach so, dass gilt "Ave cruce, spes unica"
Weil eben Christus uns so, aus Liebe zu uns Menschen, erlöst hat.
Es ist nicht zu verstehen, Ärgernis  und Torheit, immer noch und auch durch alle Tradition ist das nicht aus der Welt zu schaffen., das dringende Bedürfnis, dass es doch das Ärgernis, die Dummheit, den Skandal des Kreuzes, bei uns nicht geben solle,  aber im Glauben offenbart sich im Kreuz Gottes Kraft.
Man begreift das nur, wenn man selber sein Kreuz trägt oder gar dran hängt und davor flüchten wir mit allen Mitteln, die unsere Welt uns gibt.
Nur am Ende eines jeden Lebens steht der Tod, und dann muss sich jeder drein finden, jeder sein Leben hergeben und vorher kommt meist eine Zeit wo man nix (oder wenig) mehr machen kann und einfach hergeben und loslassen muss.
So holt es jeden, egal wie reich, gesund,  intelligent und mächtig er ist,   doch irgendwann mal ein, das Kreuz und ich wage zu behaupten, wenn man es nicht vorher eingeübt hat, mit dem Kreuz, so bleibt am Ende  nur die Verzweiflung, und Verbitterung.
Und nur daher und vom Kreuz her begreift man die Passage des Sonnengesangs der Heiligen Franziskus, die wohl schon immer unverständlich war, aber heute geradezu skandlös ist, und die da lautet:
Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.
Und dass er das so singen konnte, der Franziskus, liegt daran, dass Christus gelitten hat unter  Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben wurde und hinabgestieg in das Reich des Todes.


3 Kommentare:

  1. Johanna Waldrand21.03.13, 16:03

    Sehr geehrte Ester,
    Ihr Artikel hat mich sehr bewegt und zum Nachdenken
    angeregt.Gestatten Sie mir noch eine Ergänzung (die mich seit vielen
    Jahren immer wieder umtreibt): WENN Pilatus mutiger gewesen wäre, WENN
    die Hohepriester die Zeichen selbstlos erkannt hätten - hätte dann
    Tod, Verwandlung und Auferstehung stattfinden können? Wurden ihnen "die Augen zugehalten", damit sich das alles vollziehen konnte, was
    zur Erlösung "vom 2. Tod" NOT-wendig war/ist?

    Mit schwesterlichen Grüßen Johanna Waldrand

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  2. Sehr geehrte Johanna.
    Sie sprechen da so nebenbei eine der tiefsten Fragen an, die es im Christentum so gibt.
    Ich werde mal versuchen, die Antwort, die sich für mich ergeben hat, in aller Kürze zu umreißen.

    Es gibt, was den Sündenfall angeht, bei Paulus, ein seltsames Wort dass da lautet:
    "In Adam haben alle gesündigt!"
    Es ist also nicht so, dass der erste Mensch (Adam) Mist baut, und nun müssen alle drunter leiden, sondern, es waren irgendwie alle Menschen damals im Paradies "dabei".

    Die zweite Spur ist, irgendwo heißt es "In der Fülle der Zeit, gebar Maria ihren Sohn......" und "Als die Zeit erfüllt war, gebar Maria..."
    Das bedeutet, dass Christi, nicht irgendwie halt damals, als unsere Vorfahren noch "auf den Bäumen gehockt sind" und man überhaupt noch irgendwie antik (im Sinne von: "je nun die halt früher waren doch blöd und dumm und hatten keine Ahnung") waren, auf dieser Erde lebte.
    Solche Gedanken drängen sich auf, insbesondere, weil man seit der Aufklärung, Geschichte ja als eine stetige Höherentwicklung betrachtet.
    (Wobei es dann wieder Gruppen gibt, denen das zu langsam geht und die da "nachhelfen" wollen, aber das nur nebenbei)
    Christlicher Fakt ist aber, dass der Höhepunkt (der Fluchtpunkt), das wo alle menschliche Geschichte kumuliert, eben das Kreuz auf Golgotha und die Zeitspanne in der Jesus der Christus auf Erden wandelte, ist.
    Sorum gesehen hat sich um Jesus herum, die ganze Menschheitsgeschichte versammelt, alles was jemals geschehen ist und geschehen wird, alle Versuche des Guten, alles Scheitern der Unschuldigen, alles Scheitern der Schuldigen, alle Schwachheit, alle Verführung und jeder Triumph (der doch nix ist wie Verzweiflung) der Frevler (wie die Schrift das nennt) und auch die unausrottbare Hoffnung und Sehnsucht nach dem Wahren, dem Schönen und dem Guten, jede mutige Tat und jedes sich erbarmen, alles kumuliert in den ganz konkreten, geschichtlichen Menschen die da um Jesus sind.
    Es ist geschehen, es musste geschehen, es hätte nie geschehen dürfen, aber es kommt für uns nur darauf an, auf welche Seite wir uns stellen.
    Es gibt ja die verschiedenen Auslegungen der Schrift, historisch oder allegorisch.
    Ich denke dass man nur sorum sich dem Geschehen überhaupt nähern kann.
    Für moderne Menschen ist es deshalb so schwer, weil man als moderner Mensch halt davon ausgeht, das der Mensch doch gut und edel ist.
    Das Geschehen am Kreuz lehrt einem dass jeder Mensch nicht von sichaus gottfähig ist, sondern eben gefallene Natur ist.
    Es gibt von Kardinal Ratzinger ein wundervolles Büchlein das heißt "Tochter Zion" .
    Er führt darin u.a. aus, dass die ganze Geschichte Israels kumuliert in der Geburt der Maria. Das sie darin kumulieren sollte, das die Hohenpriester Christus erkennen, das meinen wir nur.
    Indem sich die Hohenpreister, der Sanhedrin auch als nicht besser als der Pharao erwiesen haben, haben sie den Weg für die Erlösung der Heiden eröffnet.
    Es ist die felix culpa und das Wort des Paulus "Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarmen kann!"
    Letzten Endes ein Geheimnis, dem man sich nur im Glauben nähern kann.

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  3. Johanna Waldrand23.03.13, 10:39

    Lieber Ester,

    ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich so viel Zeit für eine Antwort genommen haben. Nun muss ich schrittweise in Ruhe darüber nachdenken.

    Ihre Johanna Waldrand

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